Wir hatten im Guesthouse Dar Ahansal gut gegessen – es gab erst eine feine Suppe Berber Art (viel Gemüsse, Kichererbsen und feine Gewürze). Danach gab es Huhn mit Pommes und zum Schluss einen Fruchtsalat aus Früchten, die alle erst geschält werden müssen. Für Stellplatz, der wirklich schön war mit schönen und sauberen Toilettenanlagen (auch wen wir diese nicht brauchen) inkl. Essen hat alles in allem 190 DH = CHF 19 gekostet für zwei Personen.

Am Morgen, als ich das Frühstück machte, sah ich eine Gruppe Männer, die massenweise Utensilien heranschleppten. Es sah aus wie ein Umzug. Und kurz darauf kamen weitere Männer mit 4 Maultieren. Diese wurden fachmännisch bepackt.

Wir setzten unsere Strecke fort, die aber über den grössten Teil keine Piste mehr war, sondern ein kleine Teer- oder Rollsplit-Strasse.

Direkt oberhalb des Guesthouse Dar Ahansal war eine tolle Kasbah.

Die Ausblicke waren einmalig – augenfällig ist, dass selbst die abgelegensten Häuser Strom und v.a. eine Satellitenschüssel haben. Man will ja auch mit der Welt verbunden sein. Festnetze für Telefon gibt es kaum mehr – es ist alles auch für Mobile-Telefone erschlossen.

Wir fuhren entlang an pittoresken Landschaften, schön verkrüppelten Bäumen und tollen Gesteinsformationen.

Von der Strasse abkommen ist hier nicht ratsam.

Die Strecke windete sich in zahlreichen Kehren runter ins Aït Bougoumez-Tal oder auch „Tal der Glücklichen“ genannt. Dieser Beiname kommt wegen seinem ausgeglichenen Klima und damit seiner Fruchtbarkeit. Je nach winterlichen Schnee- bzw. Regenfällen sind zwei Ernten möglich.

Diese Dame wohnt zwar im Tal der Glücklichen, ob sie aber glücklich ist, können wir nicht sagen. Beachtlich sind die schweren Lasten, welche geschleppt werden, v.a. von den Frauen.

Weil wir bereits um 12.00 Uhr die R302 abgefahren waren haben wir uns entschlossen, in Tabant eine weitere Piste, die P1517. zu fahren. Diese ist aus dem Reiseführer von Edith Kohlbach. Die Piste wurde ca. 2017 neu „geschoben“ und ist gemäss Frau Kohlbach für alle Fahrzeuge möglich, sofern der Fahrer etwas „abenteuerlustig“ sei. Gesamtlänge 90 km, Dauer 3 – 4 Stunden. Wir gaben uns 5 Stunden und nahmen bei strahlendem Sonnenschein und stahlblauem Himmel die Strecke in Angriff.

Total galt es drei Pässe zu „erklimmen“: der erste führte auf rund 2’770 m, der zweite führte auf rund 3’000 m, der dritte nur noch auf 2’280 (diesen sollten wir nicht sehen 🙄).

Unterwegs gab es auch immer wieder Brunnen, von welchen die Dorfbewohner ihr Wasser holen können.

Der erste Teil der Strecke auf gut fahrbarer Piste (kein Teer, nur Naturstrasse, Schlaglöcher und Steine) führte an bizarren Berge und Trockflussbette vorbei. Es waren eine kleinen Furten (Wasserstellen) zu durchfahren aber alles sehr gut und einfach zu befahren. Die Serpentinen waren recht breit und wirklich für PWs fahrbar.

Die Beschreibung aus dem Führer Kohlbach wurde aber irgendwann durch die aktuelle Wetter- und Strassensituation drastisch revidiert. Von wegen für PWs und Lenker mit Abenteuerlust geeignet. Dafür war die Strasse aufgrund der letzten Regenfälle in diesem Spätsommer zu ausgewaschen und es war ausreichend Bodenfreiheit und ein Allrad mit Untersetzung und mindestens Längssperre gefragt.

Unser Gefährt und Norbert mussten ziemlich arbeiten, um hoch und über Steinpisten zu kommen. Aber jeder Kilometer gab uns mehr Sicherheit, dass wir und unser WoMo solche Pisten schaffen.

Auf der Abfahrt vom ersten Pass (2’770 m) war die Piste immer mehr ausgewaschen und wurde immer enger. An einer Stelle war die Piste durch die Regenfälle so abgespült und abgerutscht, dass wir mit unserer Doppelachse hinten nicht rüberkamen. Wir haben versucht mit Vor- und Rückwärtsfahren die verbleibende Piste auszunutzen, aber es ging nicht. Egal wie wir standen, die zweite Hinterachse wäre gerutscht und mit auch Askja und wir. Jeder wird nun sagen, einfach zurückfahren – nur, fahrt mal 10 km im Rückwärtsgang hoch, über Serpentinen, die im Vorwärtsgang schon nicht so einfach zu passieren waren.

Da habe ich Steinbrocken angeschleppt und die Strasse verbreitert. Ich hoffe, dass sich die Steine genügend ineinandernverkeilten, damit Norbert rüberfahren konnte. Norbert konnte nicht aussteigen, da war ja links die Felswand und auf der Beifahrerseite war der Abhang. Ich bin ja keine Strassenbau-Ingenieurin – aber irgendwann dachte ich, dass es reichen müsste, wenn Norbert mit Untersetzung und allen Sperren drin sowie entsprechend Gas drüberfährt. Es klappte – ich hatte eine riesen Freude, Norbert war käsebleich – und ich hatte das Herz in der Hose. Meine „Bauarbeiten“ waren runtergedrückt vom Gewicht des Autos und noch ein paar weitere Steine mehr. Somit war klar, da können wir nicht mehr zurückfahren – aber wir waren ja weiter gekommen und der festen Meinung: „Schlimmer kann es nicht kommen“.

Die Landschaft und die Strecke blieben weiterhin toll und es war definitiv lohnend die Route zu fahren. Doch – plötzlich war der Himmel nicht mehr stahlblau und die Sonne war  hinter dicken Wolken verschwunden – ausgerechnet auf dem Weg zum höchsten Pass auf 3’000 m. Es begann zu regnen und dann zu schneien. Der Schnee blieb auf der Piste liegen und das Wasser kam uns auf der Strasse entgegen – aber eben, wir mussten vorwärts fahren. Wir schafften die 3’000 m und wurden auf der Abfahrt von Baufahrzeugen begrüsst, welche die schon enge Piste noch enger machten. Aber durch die entgegenkommenden Baufahrzeuge wussten wir, dass die weitere Strecke für uns fahrbar sein sollte.

So fuhren wir  von der Passhöhe auf  3’000 abwärts – im Regen, aber trotzdem blieb die Landschaft reizvoll. Inzwischen war es schon 17.00 Uhr – uns wird die Zeit von 5 Stunden nie reichen. Wir planten also 7 Stunden, aber OK, ist immer noch knapp bei Tageshelle anzukommen.

Aber eben – auch die beste Planung und besten Absichten können umgestossen werden. Rund 2 km vor Erreichen des nächsten Passes (es regnete dummerweise noch immer) wurde von der Hauptstrasse eine Umleitung angezeigt. Die Umleitung ging nach links auf eine Naturstrasse, die auf unserer Karte nur in ein kleines Dorf führte. Wir haben das Schild mit der Umleitung ignoriert und sind an der Absperrung vorbei auf der Haupt-Piste weitergefahren. Sofort kamen die Kinder des Dorfes angerannt, haben uns ganz aufgeregt zugewunken und uns mit Handzeichen „Stopp“ signalisiert. Da wir die Tricks der Kinder in Marokko schon kannten, wollten wir zunächst einfach weiterfahren. Doch als immer mehr Kinder und Jugendliche  aufgeregt winkend hinter uns her rannten, entschieden wir uns doch den Verkehrsschildern zu folgen. Wir kehrten um und sind doch auf die Umleitung abgebogen. Den „Langstreckenläufern“ unter den Kindern haben wir ein paar „Guezli“ spendiert.

Die Sache war uns überhaupt nicht geheuer – die Strecke der Umleitung wurde immer enger und schlammiger. Es kamen uns zwei Berberinnen mit Esel entgegen, die wollten wir fragen – nur sie sprachen kein Französisch. Aber mit Handzeichen teilten sie uns zumindest mit, dass die Piste „gut“ sei. Dann kam zum Glück hinter uns ein PKW mit zwei Männern. Einer von ihnen sprach hervorragend Französisch. Er versicherte uns, dass die Kinder ausnahmsweise recht gehabt  hätten – kurz vor der Passhöhe sei die Hauptstrasse gesperrt, die signalisierte Umleitung sei der einzige offene Weg ins Tal.  Im Dorf  Amejag  würden wir wieder  auf die Hauptstrasse P1517 geführt werden – in etwa 2 km.  Beide versicherten uns, dass die Strasse für ein Fahrzeug unserer Grösse gut fahrbar sei. Die Umleitung hatte auf unserer Karte keine Nummer und war auch nur als Fussweg geführt.

Für die Maultiere der Landbevölkerung war die Umleitung auch gut geeignet – muss also auch für uns klappen 🤫.

So fuhren wir also und fuhren – aus zwei km wurden mind. 20 km – es wurde dunkler, enger, aber auch spannender. Wir fuhren durch engste Dörfer, die Leute blickten uns leicht ungläubig an, dass wir bei ihnen durchfuhren. Wünschten wir uns ja auch nicht – aber wir mussten. Trotzdem haben wir uns Zeit genommen, mind. aus dem Auto zu fötelen, da der Regen nicht aufhörte. Enge Dorfdurchfahrten war das eine – aber wir sind immer weiter hunderte von Metern in Bachbetten gefahren, die sicher ab und zu trocken sind – aber nicht wenn es wie an diesem Tag regnete.

Bei der vermeintlich letzten grossen Furt kam uns wieder ein Fahrzeug entgegen, das genau in dem Moment. als wir einander ausweichen wollten, den Motor abwürgte. Es mussten alle aussteigen. der Wagen wurde mit vereinten Kräften rückwärts und vorwärts geschoben in der Hoffnung. dass der Motor wieder anspringt. Und Allah war gütig – es klappte. Aber nun war er noch immer im Weg und das musste auch noch gelöst werden, denn wir konnten nicht ausweichen im Flussbett. Als wir endlich an ihnen vorbei konnten, zeigte uns eine Dame mit Handzeichnen:  „hmmmm – die weitere Strecke wird für Euch sehr schwierig“. So war es dann auch – es kam noch eine Passage, wo die Felsvorsprünge sehr eng waren – aber wir kamen durch und erreichten um 19.00 Uhr endlich das Dorf Amejag.

Nun wollten wir einfach nur noch einen Nachtplatz finden, doch dieser war noch gut 30 Minuten entfernt. Aber Norbert meinte, dass er das auch noch packen würde und so fuhren wir nach Bou Thrar, parkten unser Auto auf dem Gästeparkplatz der Herberge. Der Wirt versicherte, dass wir noch was zu Essen bekommen würde – um 20.15 Uhr wäre es bereit. Und so war es – wir genossen ein tolles Abendessen, liessen den erlebnisreichen Tag Revue passieren  und waren froh, nicht mehr weiterfahren zu müssen.

Noch ein paar Bilder vom Tag in einer Galerie

Dienstag, 23.10.2018: R302 zur Cathedrale des Roches (2. Etappe) – und weil es so schön war, noch eine Piste, aber …

4 Gedanken zu „Dienstag, 23.10.2018: R302 zur Cathedrale des Roches (2. Etappe) – und weil es so schön war, noch eine Piste, aber …

  • Oktober 25, 2018 um 8:45 a.m. Uhr
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    Diese Strecke war schon mit heftigen Schwierigkeiten verbunden woooow ❤️❤️Ruth Burkart

    • Oktober 25, 2018 um 8:57 p.m. Uhr
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      Jo Mams – aber war trotzdem sehr spannend. Kuss

  • Oktober 25, 2018 um 4:01 p.m. Uhr
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    Jööö dä härzig deckt Tisch! Wow! Die schätzen ihre Gäste!
    Aber 19.– für zwei mit allem drum und dran? Abriss!

    • Oktober 25, 2018 um 8:56 p.m. Uhr
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      Gäll – wir wollten erst auch nicht zahlen

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