In der letzten Nacht hat es wieder ziemlich stark geregnet, was sich auf unseren Schlaf und Route vom hohen in den mittleren Atlas auswirken wird – dazu aber später, was die Route betraf.
Auf jeden Fall haben wir auf dem Parkplatz des Hotels Izlane in Imilchil bis auf den Regen gut geschlafen. Als wir am Morgen unseren Vorhang im Führerhaus wieder öffneten, standen bereits 5 Kinder vor unserem Auto mit „Bonjour – un Bonbon – un Stylo“. Dieser Satz – evtl. noch angereichert mit „et un Dirham“ begleitete uns heute fast den ganzen Morgen.

Wir sind am Morgen noch durch Imilchil gelaufen, da dort a) der Viehmarkt war und b) ein allgemeiner Warenmarkt, an dem es alles zu kaufen gab, was das Berber-Herz begehrte: bunte Plastikstühle, Plastikdosen in Hülle und Fülle, Schuhe, Schönheitsartikel und vieles mehr. Ist ja auch die einzige Einkaufsmöglichkeit für die Leute aus den Bergen.



Auf dem Viehmarkt gab es v.a. Schafe, Ziegen, einige Esel, Maultiere und das eine oder andere Rind zu kaufen. Es war spannend zu sehen, wie die Schafe auch wieder abtransportiert wurden. Der Tierschutz ist hier noch nicht so weit wie bei uns. Und – es darf nicht vergessen werden, dass Tiere keine Haustiere sondern zum Gebrauch und zum Überleben sind. Zu viel Tierliebe ist, so hart es sich anhört, hier fehl am Platz.


In der Gegend von Imilchil findet im August jeweils der „Heiratsmarkt“ statt. Wikipedia schreibt: „Der berühmte ‚Heiratsmarkt‘ (heute eher ein Jahrmarkt mit Musikgruppen aus dem Umkreis von etwa 150 km), der beim Dorf Agda (ca. 20 km südlich von Imilchil) stattfindet, ist eng verknüpft mit einem Pilgerfest und Markttag zu Ehren des Orts- oder Stammesheiligen Sidi Ahmed Oul Marhni. Einer Legende zufolge sind die beiden Seen (einer davon ist der „Lac de Tislist“) der Umgebung durch die Tränen zweier Liebender entstanden, deren Familien- oder Stammesoberhäupter nicht in die Hochzeit einwilligten – die beiden weinten sich zu Tode und aus Trauer und Reue beschloss man alljährlich ein Fest zu organisieren, bei dem sich junge Männer und Frauen der in der näheren und weiteren Umgebung lebenden Stämme kennen- lernen und gegebenenfalls auch heiraten konnten. In der Realität lässt sich der „Heiratsmarkt“ wohl eher auf die dünne Besiedlung der Gegend zurückführen, die ein solches Ereignis hervorbrachte, bei dem die Eltern ihre Söhne und Töchter anderen vorstellen konnten. “
Norbert versuchte noch einige Personenaufnahmen zu machen, was nicht einfach ist, da die Leute sich partout nicht fotografieren lassen wollen.


Als wir zum Markt liefen, kam ein Mann mit roter Wollmütze und Jeansjacke auf uns zu und sagte, er sei der Lehrer hier im Ort und würde uns auf den Markt begleiten. Da er erst Norbert angesprochen hat und Norbert’s Französisch in den Grundzügen steckt, versuchte sich der angeblichen Dorflehrer in Englisch. Dies setzt er dann auch bei mir fort. Ich hatte den Kerl gefressen: er meinte, in der ganzen Schweiz Freunde zu haben, weil er schon alle durch den Markt geführt hätte (so ein Angeber). Ich habe ihm einige Male gesagt, dass wir alleine gehen wollen. Aber eben – bin auf taube Ohren gestossen. So in der Mitte des Weges fragte er mal, ob wir für ihn Schokolade hätten – dies bekäme er immer von den Schweizern. Natürlich verneinte ich. Irgendwann kamen die Kinder angerannt mit ihrem Standardsatz „Bonbonb, Stylo, Dirham“. Als ich sie abwies sagte er mir, jeder Tourist würde den Kindern was geben. Auf mein „dann haben sie ja genug“ reagierte er etwas konsterniert. Aber irgendwann hat er es kapiert und wollte dann noch Geld für seine „Dienstleistung“. Da habe ich ihm auf französisch erklärt, dass er sich aufdrängte und nicht wir ihn gebeten hätten. Das hat ihn dann wohl endgültig verunsichert, meinte er doch, dass ich nur englisch und deutsch spreche. So ist er dann rasch von dannen gezogen.
Nachdem wir dann wieder von Imilchil weitergefahren sind, haben wir den schönen See Lac de Tislit besucht (schneller Fotostop).

Auf der Weiterfahrt haben wir die Regenschäden der vergangenen Nacht passiert: Überflutete Wege, Steinschläge und Schlamm. Aber soweit alles passierbar.
Dieser Teil des hohen Atlasgebirges war anfangs sehr interessant aufgrund der Gesteinsformationen. Doch je weiter wir Richtung nördlicher Teil des Atlasgebiorges fuhren, umso eintöniger wurde es.

Wir sind nach Beni Mellal gefahern, eine absolut „wüste“ Retortenstatt, die einfach aus dem Boden gestampft wurde und noch wird. Dort haben wir uns im Marjane (Supermarktkette in Marokko) nochmals mit Produkten eingedeckt, die man in den kleinen Lädelis nicht bekommt: Käse oder Fleisch, wie wir es geschnitten haben möchten. Danach führte uns das Navi wieder über tolle Routen in den mittleren Atlas nach Ouzoud. Wir sind unendliche enge Serpentinen gefahren auf Strassen, die nur einspurig geführt sind. Entlang an wahnsinnigen Felswänden. Leider reichte die Zeit nicht mehr um Fötelis zu machen. Der besondere Kick war dann eine Brücke, die von weitem schon instabil aussah – und es wurde von Nahem nicht besser. Enge Auffahrt auf die Brücke. Bretterboden und dazwischen immer wieder Löcher, wo man den Boden sah. Aber was soll’s, Luftanhalten und durch.
Um 18.00 Uhr sind wir dann in Ouzoud im Camping-Platz Zebra angekommen, ganz ins der Nähe der Cascades d’Ouzoud. Dies sind grosse Wasserfälle, die in mehreren Etagen insgesamt 110 Meter über rote Felsen stürzen. Mehr dazu morgen, denn diese werden wir erst morgen besichtigen. Und Morgen trägt Norbert zum ersten Mal keinen Gips mehr. Sechs Wochen sind um – Zeit, den Gipfsfuss zu entsorgen.
Noch einige Bilder vom Tag













































Hallo ihr lieben
Vielen Dank für den täglichen Reisebericht. Spannend zu lesen
Gibt es eigentlich noch andere Camper Reisende, ausser die Österreicher, denen ihr begegnet seid.
Gute und sicher Weiterreise wünscht Dani aus Unterlunkhofen
Hallo lieber Dani, es gibt noch ganz viele – aktuell stehen wir auf einem Platz mit lässigen Luxembourgen in einem MEGA-WOMO auf MAN-Basis. Aber die Österreicher waren etwas „Spezielle“. Liebe Grüsse
Liebe Claudia , Lieber Norbert
Heute sind wir vielbeschäftigten Pensis endlich dazugekommen, eure Bilder und Reiseberichte zu geniessen. Absolut toll, spannend und hochinteressant! Vielen Dank !
Wir wünschen euch Beiden weiterhin viel Vergnügen, viele interessante Momente und Begegnungen auf eurem abenteuerlichen Tripp !
Herzlichst Marianne und Benno
Hallo Ihr Lieben
hihi – ja ja Ihr seid wirklich als vielbeschäftigte Pensi, wobei Ihr höchstens Semi-Pensis seid ;-). Liebe Grüsse
Claudia
Hallo ihr zwei Lieben einfach schön wie wir an eurer Erlebnisreicher Reise teilhaben dürfen,die Berichte und Fotos sind so identisch als ob man sich live dabei fühlt .ich wünsche euch einen weiteren spannenden Tag. (händ Sorg)❤️❤️-liche Grüsse und Mams. / Ruth schön dass Norbert den Gips los hat und hoffentlich schmerzfrei ist.
Hallo Mams, danke. Norbert läuft bereits recht flott ohne Gips. Er hat feste Sandalen an – aber ich staune.
Kuss ond en tolle Tag
Claudia
Hallo liebe Claudia, eindrückliche Bilder, interessanter Reisebericht, den ich mit Blick aufs ionische Meer in Himarë, Albanien, lese. Ich wünsche euch weiterhin eine erlebnisreiche Reise. Und hoffentlich hat Askia genug für dich mit dabei… . Herzliche Grüsse, Katrin
Hallo liebe Katrin, danke. Ah – dann auch Dir viel Spass auf der Reise. Ja – Askja hat für mich genug dabei ;-). Geniess es und auf bald, Claudia