Hoch oben in den peruanischen Anden liegt Cusco auf 3’400 m. ü.M. Cusco (oder wie es die Spanier schreiben und in Peru nicht so gerne gesehen wird Cuzco), die einstige Hauptstadt des mächtigen Inkareiches und der Inka-Hochkultur. Es wird davon ausgegangen, dass das Inkareich ca. 1200 bis 1572 bestand. Cusco ist für uns eine besondere, geschichtsträchtige Stadt. Es ist keinesfalls ein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Schmelztiegel, in dem die monumentale Architektur der Inka und der koloniale Prunk der spanischen Eroberer nahtlos miteinander verschmelzen. Das Fundament der Stadt ist sprichwörtlich aus Inka-Stein gemeisselt: Entlang der engen Gassen ragen die berühmten, fugenlosen Steinmauern empor, die selbst schwersten Erdbeben trotzten, während darauf barocke Kirchen und koloniale Herrenhäuser aus der Kolonialzeit der Spanier thronen. Das Herz der Stadt ist am quirligen Plaza de Armas, mit seinen vielen Geschäften und Restaurants.
Wir konnten von unserem Stellplatz über steile Strassen und Treppen in gut 30 Minuten zu Fuss den Plaza de Armas erreichen. Der Weg in die Stadt führte durch schöne Gassen.











Im Zentrum der Stadt liegt der zentrale Platz Plaza de Armas. Hier befindet sich auch die Kathedrale von Cusco. Sie dominiert die gesamte Nordostseite des Platzes. Ihr vollständiger Name lautet Kathedrale Basilica de la Virgen de la Asunción. Sie wurde ab 1560 über dem Palast des Inka-Herrschers Viracocha erbaut. Am Samstag, als wir die Kathedrale besuchen wollten, war die Kathedrale für Nicht-Peruaner geschlossen, da der Gedenkgottesdienst für den gerade verstorbenen Erzbischof von Cusco, Richard Daniel Alarcón Urrutia, stattfand.








Ebenfalls auf der Plaza de Armas ist die Kirche La Compañía de Jesús: Diese prachtvolle Jesuitenkirche steht an der Südostseite des Platzes. Sie gilt als eines der schönsten Beispiele des spanischen Barocks in ganz Amerika und wurde direkt auf den Ruinen des Amarucancha (dem Palast des Inka Huayna Cápac) errichtet.

Beeindruckt haben uns auch die kolonialen Bogengänge (PortalesI) und den historischen zweistöckigen Gebäuden mit weissen Fassaden, dunkelbraunen Holzbalkonen und markanten Steinarkaden si. Diese Bogengänge tragen historische Namen wie Portal de Panes (Brotmarkt), Portal de Confites (Konfektmarkt) oder Portal de Comercio (Handelsmarkt). Heute finden sich darin die vielen Restaurants, Cafés, Souvenirläden und auch unzählige Reiseagenturen.



In der Mitte der Plaza de Armas befindet sich eine schöne Parkanlage mit einem kunstvollen gusseisernen Brunnen, auf dessen Spitze eine goldene Statue des 9. Inka-Herrschers Pachacútec thront. Neben der Statue, unter Bäumen, ist das Grab des 18. und historisch letzten Inka-Herrschers des indigenen Widerstands, Túpac Amaru (in Quecha-Sprache «Leuchtende Schlange»). Nachdem die Spanier 1572 Vilcabamba – den letzten Rückzugsort der Inka – erobert hatten, wurde Túpac Amaru gefangen genommen und am 24. September 1572 auf der Plaza de Armas öffentlich hingerichtet.

Etwas neben dem Plaza de Armas befindet sich die Basílica Menor de la Merced (Iglesia y Convento de La Merced). Sie ist eine bedeutende katholische Klosteranlage mit wunderschönem Kreuzgang. In direkter Nähe zur Basilika befindet sich auch das Museum Museo de Arte Popular (Volksmuseum) mit einigen sehr lustigen Figuren.











Am Plaza de Armas befindet sich neben der Kathedrale noch die prächtig ausgestattete Kirche de la Campaña – die Kirche der Jesuiten





In einer schmalen Fussgängerzone befindet sich der zwölfeckige Stein (Piedra de los doce ángulos). Er ist eingebettet in die monumentale Aussenmauer der Calle Hatunrumiyoc, die einst den Palast des Inka-Herrschers Roca flankierte. Das tonnenschwere Meisterwerk zeugt von der unglaublichen Präzision der Inka-Baukunst. Völlig ohne Verwendung von Mörtel oder Zement ist der Stein perfekt in das umliegende Mauerwerk eingepasst. Seine zwölf Ecken und Winkel greifen wie die Puzzleteile eines gigantischen, architektonischen Rätsels in die Nachbarsteine. Hierzu dann noch mehr in den folgenden Blogs.





Wir haben die Stadt Cusco mit den vielen schönen Ecken, unzähligen historischen Gebäude und die Zeugnisse der Inka-Hochkultur sehr genossen.











Rund um Cusco gibt es weitere sehenswerte Zeugnisse aus der Inka-Zeit, die wir am Mittwoch, 04.11.2026, mit einem Guide besucht haben. Zusammen bilden diese Stätten in und rund um Cusco ein faszinierendes Mosaik, das zeigt, wie meisterhaft die Inkas Architektur, Militärstrategie und tiefe Spiritualität mit der rauen Natur der Anden in Einklang brachten.
Direkt über den Dächern der Stadt thront Sacsayhuamán (in der Quechua-Sprache bedeutet es „gesättigter Falke“ oder „zufriedener Falke“) eine monumentale Festungsanlage. Die Anlage, die einst den Kopf des in Form eines Pumas angelegten alten Cuscos bildete, fasziniert uns durch ihre zickzackförmigen Megalithmauern. Einige der millimetergenau aufeinandergepassten Granitblöcke wiegen weit über 100 Tonnen.





Anschliessend besuchen wir Tambomachay (in Quechua-Sprache bedeutet es „Ruhestätte“ oder „Herberge der Höhle“), das als Bad der Inka bekannt ist. Die Anlage besticht durch ihre feinen Steinmetzarbeiten und ein System aus unterirdischen Kanälen, die bis heute kristallklares Wasser über kunstvolle Aquädukte und Terrassen leiten. Es war ein Ort der Ruhe, der Reinigung und des Wasserkults, an dem sich die Elite der Inka erholte.


Der nächste Halt – allerdings nur von Aussen – galt Puca Pucara (in der Quechua-Sprache bedeutet es „Rote Festung“). Es war eine bedeutende Inka-Befestigungsanlage und ein Kontrollpunkt nahe der Hauptstadt Cusco in Peru.

Danach machten wir kurz Halt in einer Art Museum, wo der Unterschied der vier südamerikanischen Kameliden – Lama, Alpaka, Vikunja und Guanako – gezeigt wird. Alle vier gehören zur Familie der Neuweltkamele (Camelidae) und sind perfekt an das Leben in den Anden angepasst. Sie lassen sich in zwei Haustierarten, den Lamas und Alpakas, und zwei Wildarten, Vikunja und Guanako, unterteilen. Und natürlich hätten wir uns da mit ganz vielen tollen Erzeugnissen aus deren Wolle eindecken können.

















Der letzte Ort unseres Ausfluges in die Welt der Inkas in und um Cusco war mitten im Stadtzentrum: Qoricancha, der einstige Sonnentempel. Er war das heiligste und prachtvollste Heiligtum des gesamten Inkareiches, dessen Innenwände zur Blütezeit mit purem Gold verkleidet waren. Die spanischen Eroberer rissen den Tempel weitgehend nieder und errichteten auf seinen Grundmauern die barocke Kirche Santo Domingo. Heute bietet sich Besuchern ein faszinierendes Bild: Die perfekt behauenen, tiefschwarzen Inka-Mauern tragen die Kolonialkirche und haben – im Gegensatz zu den spanischen Aufbauten – jedes schwere Erdbeben der Jahrhunderte unbeschadet überstanden.











Und zum Abschluss dieses Blogs noch etwas zur Inka-Bauweise und den Transport der Riesensteine zu Zeiten der Inkas (Internet sei Dank)
Der Bauweise ist in allen Inka-Städten Identisch, egal ob in Sacsayhuamán, Pisaq, Machu Picchu oder in Cusco Innenstadt. Die Baumeister der Inkas trotzten den gewaltigen Naturgewalten der Anden mit einer Architektur, die sich nicht starr gegen die Erde stemmte, sondern in perfekter Harmonie mit ihr schwang. Das Geheimnis ihrer erdbebensicheren Mauern lag in einer hochentwickelten Kombination aus präziser Steinmetzkunst und visionärer Geometrie.
Im Zentrum ihrer Technik stand das sogenannte mörtellose Ashlar-Mauerwerk (Ashlar zu Deutsch Quaderstein). Die Inkas verzichteten bewusst auf Zement oder Mörtel, die bei einem Beben spröde werden und brechen würden. Stattdessen schliffen sie die tonnenschweren Steinblöcke so perfekt glatt, dass sie fugenlos aufeinanderpassten – so dicht, dass bis heute keine Messerklinge dazwischen passt. Setzte ein Erdbeben die Erde in Schwingung, passierte etwas Faszinierendes: Die Steine begannen minimal zu „tanzen“. Sie bewegten sich mit den Wellen des Bebens, leiteten die zerstörerische Energie ab und glitten, sobald die Erde zur Ruhe kam, durch ihr eigenes monumentales Gewicht wieder exakt in ihre ursprüngliche Position zurück.
Verstärkt wurde diese Flexibilität durch ein polygonales Konstruktionsprinzip, das an ein dreidimensionales Puzzle erinnert. Die Steine wurden nicht in einfachen Rechtecken, sondern mit zahlreichen Winkeln und Ecken behauen. Diese unregelmässigen Blöcke verzahnten sich so tief und fest miteinander, dass sie bei horizontalen Erdstössen nicht aus der Wand brechen konnten.
Auch die äussere Form der Gebäude folgte konsequent den Gesetzen der Statik. Die Inkas bauten ihre Mauern nicht senkrecht, sondern neigten sie leicht nach innen. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt des gesamten Bauwerks nach innen, was der Struktur bei seitlichen Erschütterungen eine enorme Standfestigkeit verlieh. Türen, Fenster und Nischen wurden zudem trapezförmig gestaltet, sodass sie sich nach oben hin verjüngten. Diese Form verteilte die wirkenden Kräfte weitaus effektiver als europäische, rechtwinklige Rahmen und verhinderte, dass die Öffnungen unter dem Druck der Erde einstürzten. So schufen die Inkas Bauwerke, die Jahrhunderte und schwerste Erdbeben nahezu unbeschadet überstanden, während modernere Kolonialbauten oft wie Kartenhäuser in sich zusammenfielen.
Der Transport der tonnenschweren Megalithen durch die unwegsamen, zerklüfteten Hänge der Anden gehört zu den faszinierendsten Meisterleistungen der Menschheitsgeschichte. In einer Welt, die von schwindelerregenden Abgründen, steilen Klippen und unzähligen Treppenwegen geprägt war, wäre das Rad schlicht nutzlos gewesen. Ein schwer beladener Karren hätte in diesem extremen Gelände niemals die Balance halten können. Deshalb erfanden die Inkas ein System, das ganz ohne Räder auskam und stattdessen auf die perfekte Koordination menschlicher Muskelkraft, geschickte Reibungsminimierung und die Gesetze der Physik setzte.
Wenn ein gigantischer Granitblock, der im Fall der Festung Sacsayhuamán weit über hundert Tonnen wiegen konnte, aus dem Steinbruch gelöst war, begann eine logistische Herkulesaufgabe. Die Arbeiter vertäuten den Koloss auf massiven Schlitten aus robustem Hartholz. Um den enormen Widerstand des Bodens zu brechen, legten sie dicke Rundhölzer unter die Konstruktion. Rollte der tonnenschwere Schlitten ein Stück vorwärts, sammelten Helfer die hinten freiwerdenden Baumstämme ein und verlagerten sie wieder nach ganz vorne – ein unermüdlicher, fliessender Kreislauf. Wo die Wege besonders steil oder uneben waren, präparierten die Inkas den Untergrund zusätzlich mit feuchtem Schlamm, nassem Ton oder Tierfetten. Diese glitschige Schmierschicht setzte die Reibung so weit herab, dass die monumentale Last fast wie auf Eis über die Berghänge gleiten konnte.
Die gewaltige Zugkraft für diese Manöver stammte von Hunderten, manchmal Tausenden von Männern. Sie nutzten meterdicke, extrem reissfeste Seile, die sie den zähen Fasern der Cabuya-Pflanze und Lederstreifen flochten. Um die Steine schliesslich die steilen Hänge hinauf zu den oft thronenden Festungen und Städten zu befördern, bauten die Inkas gigantische Rampen aus Erde und Kies. Zentimeter für Zentimeter wurden die Steinblöcke diese künstlichen Hügel hinaufgezogen. War eine Reihe der Mauer vollendet, wurde die Rampe einfach weiter aufgeschüttet, um die nächste Ebene zu erreichen. Am Bestimmungsort angekommen, nutzten die Baumeister lange Hebel aus Baumstämmen, um die Blöcke mit millimetergenauer Präzision in das bestehende Mauerwerk einzupassen.