Karte mit unserer aktuellen Route
Noch einem liebevoll dekorierten, köstlichen Caipirinha im Novotel verabschiedeten wir uns am Montag /Richtung BR-319. Die BR-319, offiziell „Rodovia Álvaro Maia“ ist eine 885 km lange Fernstrasse in Brasilien, die Porto Velho mit Manaus verbindet.

Die im Volksmund als „Inverno“ (Hölle) bezeichnete BR-319 wurde als durchschnittlich 11 Meter breite Strasse durch den Amazonas-Regenwald gebaut, die eine sichere Verkehrsverbindung zu den Flusssystemen des Rio Purus (bei Manaus) und Rio Madeira (bei Porto Velho) herstellen sollte. Es wird bei uns viel geklagt, dass durch diese Strasse der Regenwald komplett zerstört wird. Was aus unserer Sicht nicht stimmt und wir uns auch nicht anmassen sollten zu urteilen: Es sind Flächen für den Bau dieser Strasse zum Opfer gefallen aber es gibt noch sehr viel Regenwald und der Bevölkerung hier im Amazonas darf auch nicht die Lebensgrundlage entzogen werden. Sie leben entlang der Hauptverkehrsstrasse BR-319, sie bauen auf ihrem kleinen Grund und Boden Gemüse und Obst an, um zu als Selbstversorger zu leben.
Haupthindernisse unterwegs sind die Flüsse, über die gut 160 teilweise altersschwache Holzbrücken und nur wenige Betonbrücken führen und zwei Fähren, wovon eine uns grosses Kopfzerbrechen machte. Noch mehr Angst hatten wir vor dem Wetter auf dem 406 km „Trecho do Meio“ (Mittelteil) der aus roter Tonerde besteht. Bei Regen verwandelt sich die Strasse in eine tiefe, rutschige Schlammpiste.
Die BR-319 kann grob in 3 Abschnitte (Trechos) unterteilt werden:
- Trecho Norte, ca. 250 km asphaltiert (durchgängig besiedelt)
- Trecho do Meio, ca. 405 km, Lehm- und Erdpiste (Umgeben von 28 Naturschutzgebieten und indigenen Territorien)
- Trecho Sul, ca. 230 km, asphaltiert (Landwirtschaftsgebiet)
Wir waren froh, dass wir uns keinen fixen Termin für die Ankunft in Porto Velho gesetzt hatten, denn wir benötigten 5 Tage für die 885 km. Die Fähre in Manaus von Porto da Ceasa nach Porto do Careiro da Varzea war problemlos. Wir konnten hinfahren und auch schon bald – rückwärts – auf die Fähre fahren. Hier kamen wir nochmals am Zusammenfluss des Rio Negro und des Amazonas vorbei und konnten das Phänomen der verschiedenen Farben sehen.





Der erste Teil der Strecke führte über mehr oder weniger guten Asphalt mit Schlaglöchern. Abgesehen von der Strasse hatten wir noch unser erstes Malheur: Auf der Fähre viel uns auf, dass plötzlich die Anzeige für den Füllstand des Gastankes aus war, die Wasserpumpe, nicht mehr funktionierte und die Toilette ihren Dienst versagte, und zwar komplett. So ein Mist – um dem Problem auf den Grund zu gehen, haben wir nach gut 150 km nach der Fähre einen Übernachtungsplatz gesucht. Es waren zwei Sicherungen ausgefallen – aber es war doch nicht so einfach. Das Ersetzen der Sicherungen half nicht für alle Probleme. Anzeige Gastank funktionierte wieder, Wasserpumpe auch, aber die Toilette wollte nicht mehr. In Cuzco wollen wir uns das nochmals genau ansehen, aber dafür benötigen wir etwas angenehmere Temperaturen.









Der nächste Tag machte uns Sorgen wegen der Fähre Igapó-Acú. Der Fluss führt enorm wenig Wasser, was neben dem schlechten Allgemeinzustand der Fähre und der niedrige Wasserstand dazu führte, dass die diese vor einer Woche gesunken war. Sie wurde dann wieder geborgen, und in Betrieb genommen. Die beiden Rampen von der Strasse zur Fähre sind durch den tiefen Wasserstand so steil, dass viele LKWs nicht aus eigener Kraft hochfahren können; hier muss ein grosses Baustellenfahrzeug einspringen und diese hochziehen. Diese Dienstleistung müssen die LKW-Fahrer bezahlen, was dazu führte, dass sie die Zufahrt blockierten. Beidseitig trafen wir einen 3 Kilometer langen LKW-Stau an, die Trucker liessen uns aber vorbeifahren. Was für arme Kerle; die Fähre verkehrt zwar 24-Stunden, aber es können nicht mehr als 3 der grossen LKWs drauf; Kühllaster, Busse und Notfallfahrzeuge haben Priorität. Die meisten LKWs müssen zwischen 24 und 36 Stunden warten, bis sie übersetzen können und danach erst noch bezahlen, wenn sie die Rampe hochgeschleppt werden müssen.






Am Nachmittag setzte dann Regen ein, nicht sehr stark, aber es reichte, dass die Fahrbahn rutschig wurde.
Am Mitwoch sind wir um 06.00 Uhr losgefahren, ab Mittag begann heftiger Dauerregen, die Strasse verwandelte sich in eine Schlammpiste. Wir gingen davon aus, dass es gegen Abend besser würde und entschieden uns, wie die Lastwagenfahrer, den Regen am Strassenrand auszusitzen. Gegen 16.00 Uhr fuhren wir wieder los, es war alles trüb, matschig und schon bereits am Eindunkeln, auch wenn Sonnenuntergang erst um 18.00 Uhr ist. Plötzlich vernahmen wir ein ungewohntes Geräusch. Beim Nachsehen stellten wir fest, dass wir auf der Mittelachse einen platten Reifen hatten; aufgrund der matschigen Piste haben wir dies aber nicht sofort bemerkt und sind wohl noch eine gewisse Zeit mit einem Platten weitergefahren. Da es immer noch regnete, entschieden wir uns, den Reifenwechsel auf Donnerstag zu vertagen und die Nacht am Strassenrand zu verbringen. Zur besseren Sichtbarkeit stellten wir das Pannendreieck – hier in Brasilien hätten es einige Äste auch getan. Zwei Stunden, es war schon stockdunkel, haben zwei Mega-Trucks (30 m lang) angehalten und uns gefragt, was das Problem sei und ob sie uns helfen könnten. So schnell konnten wir Wagenheber und Drehmoment-Schlüssel gar nicht beibringen, wie die beiden unter dem Auto lagen und sich den Reifen vornahmen. Ausser mit der Taschenlampe leuchten, durften wir gar nichts machen. Nach einer Stunde war alles fertig, wir waren absolut glücklich und gerührt ob der grossen Hilfsbereitschaft. Ausser, dass unsere Kleider trotzdem verschlammt waren, kehrten wir absolut zufrieden ins WoMo zurück.









Am Donnerstag setzten wir um 06.00 Uhr unsere Fahrt fort, kurz danach begann es wieder heftig zu regnen und in Kürze ging gar nichts mehr. Busse und LKWs standen quer und wurden von Strassenbaufahrzeugen aus dem Matsch gezogen. Nun hiess es einfach warten. Nach einiger Zeit begannen die Grader eine Piste durch den schlimmsten Teil zu erstellen, damit der Verkehr alternierend geführt werden kann.



Gegen 18.00 Uhr haben wir endlich Realidade und somit auch kurz wieder Asphalt erreicht. Am nächsten Morgen blieb noch das letzte Stück von 45 km Erdstrasse vor uns. Hier wartete noch eine der letzten Holzbrücken, bei welcher wir wussten, dass diese von 08.00 – 14.00 Uhr für Reparaturarbeiten geschlossen ist. Um 07.55 waren wir an der Brücke und konnten gerade noch passieren. Uff, Glück gehabt. Danach folgten die restlichen 40 km Erdstrasse, die genau schlimm war wie die vorherigen gut 100 km. Erdstrasse mit vielen Löchern, Furchen und Wellblech. Was waren wir froh, als wir endlich Teer erreichten und die restlichen 230 km nach Porto Velho fahren konnten.





Hier haben wir unserem WoMo, das uns nicht im Stich gelassen hat, ein Beauty-Programm gegönnt und es von all dem Schlamm der letzten Tage befreit.


Wir verbringen drei Tage im Espaço Estrela da Floresta, ein kleiner Freizeitpark mit Natur-Pools. Ausser, dass es mit 40 Grad und 85 % Luftfeuchtigkeit fast unerträglich heiss ist, geniessen wir die drei Tage.



Leider gab es für unseren defekten Reifen keine Rettung mehr. Das Miniloch hätten sie reparieren können, doch da wir es wohl zu spät bemerkten, dass der Reifen platt ist, haben wir den Reifenmantel beschädigt. Die Reifenreparatur-Werkstatt (Borracharia), die wir aufgesucht hatten, gab uns zwei Adressen für einen Reifenhändler an. Beide haben unsere Reifen nicht vorrätig und bestellen würde 2 Monate dauern. Als Alternative wurde uns der Vorgängerreifen zu einem guten Preis angeboten. Somit haben wir wieder zwei Reservereifen, die wir hoffentlich auf dieser Reise nicht mehr zum Einsatz bringen müssen.
Und am Montag fahren wir los nach Peru – Ziel ist Cusco, das gut 1‘550 km von Porto Velho entfernt liegt.
Ohhh – was für ein horror Blog. Mir scheint, dass dies die schlimmste aller Etappen, die ihr mit Askja schon zurück gelegt habt, gewesen ist.
Die Hauptsache ist, dass ihr die BR-319 gut überstanden habt.
Gute Weiterreise und liebe Grüsse aus Agadir
Dani
Lieber Dani – diese Etappe hatte es wirklich in sich und unser WoMo hat es gut gemeistert (bis auf die Reifenpanne und das Scheissh…) – das ist aber eine andere Baustelle ;-).
Liebe Grüsse und geniesst Eure einmalige Reise
Claudia
Also ich muss schon sagen , anhand von diesen Bilder bewundere ich euch was ihr alles auf euch nehmt
aber eben : wer A sagt muss auch B sagen denn sonst würdet ihr ja nicht nach Hause kommen . Was das unglaubliche passierte , die zwei LKW Fahrer , so lernt man die Menschen kennen . mir bleibt nichts anderes übrig als in die Grotte zu gehen und Kerzen anzünden , aber es hilft . Ich wünsche euch von Herzen eine GUTE Weiterfahrt, und viel Glück. Herzliche Grüsse eure Mams .
Danke Mams – es ist aber immer spannend und – die Leute sind wirklich sehr nett und hilfsbereit. Und dass alles klappt ist ja auch Dir und den Kerzen zu verdanken.
Kuss und bis glii
Claudia und Norbert