Tschüss Waikin-Ranch!


Am 26.09. haben wir spontan beschlossen, die Waiking Ranch zu verlassen und ins Caiman House zu fahren, das in dem kleinen Amerindian (Indigenen) Dorf Yupukari liegt. Es ist ein indigenes Dorf der Macushi- und Wapishana-Amerindians in der Region Upper Takutu-Upper Essequibo (Region 9) in Guyana. Es wohnen ca. 550 Personen in diesem Dorf. Strom wird mit Solar erzeugt. Um ins Dorf zu gelangen, braucht es eine Bewilligung des Dorfparlaments oder eben von der Caiman Lodge.


Das Caiman House Caiman House, wird komplett von den Dorfbewohnern von Yupukari betrieben und ist der grösste Arbeitgeber der Gemeinde. 100 % des Gewinnes fliesst direkt in lokale Projekte, darunter die öffentliche Dorfbibliothek, Schulen sowie Kultur- und Handwerksprojekte.







Gegründet wurde die Öko-Lodge ursprünglich als Forschungs-Station in 2005 von US-amerikanischen Zoologen zur Erforschung des Schwarzen Kaimans, des grössten Vertreters der Alligatoren. Wir durften an einem Abend dabei sein, als die Leute vom Dorf einen Schwarzen Kaiman für Forschungszwecke gefangen und wieder freigelassen haben. Es sind vier Personen notwendig, um ein Tier einzufangen: Einer hat den Stab mit der Schlinge, er ist auch der Leiter dieser Aktion, einer, der leuchtet, einer der sofort die Leine, an der die Schlinge ist, anziehen und fixieren muss, da der Kaiman zu fliehen versucht und letztendlich der Bootsführer. Danach wird der Kaiman auf eine Sandbank gebracht, wo er ausgemessen, gewogen, seine Gesundheit und sein Geschlecht beurteilt wird. Danach wird er wieder frei gelassen und die Daten an die Universität von Florida geliefert.














Heute wird ebenfalls ein Schutzprojekt für die in Guyana beheimatete aber stark gefährdete Yellow-spotted River Turtle, zu deutsch Gelbgefleckte Schienenschildkröte, geführt. In der freien Wildbahn überleben nur ca. 7 % der Schildkröten. Gründe sind andere Tiere oder Menschen, welche die Eier oder die geschlüpften Schildkröten fressen. Durch das Projekt ist die Überlebensrate der Schildkröten bei 75 %. Die Eier werden sofort nach dem Legen ausgegraben und in den Inkubator gelegt. In einem nächsten Schritt wird auch versucht, das Geschlecht zu beeinflussen. Das Geschlecht von Kaimanen und den meisten Schildkröten wird nicht durch die Gene bestimmt, sondern durch die Bruttemperatur des Eies während der Inkubationszeit. Nach dem Schlüpfen bleiben sie gut ein Jahr in grossen Pools in Caiman House, ehe sie freigelassen werden.





Wir dürfen auf dem Vorplatz stehen und geniessen die hervorragende Küche. Aktuell ist Nick, ein Koch aus England hier, und zeigt den Köchinnen aus dem Dorf, wie die lokale Küche verfeinert werden kann, damit sie uns Touristen aus USA oder Europa noch besser schmeckt. Dadurch ist die sowieso schon köstliche Küche noch raffinierter und feiner.

Der Regenwald in Guyana bedeckt etwa 80 bis 85 Prozent der Landfläche und gehört zu den am besten erhaltenen und artenreichsten Tropenwaldgebieten der Erde; das wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Am Samstag war es dann so weit – wir peilten das Mapari-Dschungel-Camp mitten in diesem tropischen Regenwald an. Wir fuhren mit einem kleinen Motorboot, viel Proviant und Wasser vier Stunden den Rupununi-Fluss hoch. Danach bogen wir in einen kleinen Seitenarm ab, wo wir nochmals gut eine Stunde zum Camp fuhren. Nur schon diese Reise war ein absoluter Traum: Vögel, Kaimane, Landschaften – einfach herrlich.










































































Ein Highlight ist sicher, dass in diesem Jahr ein Harpyie-Adler-Paar in der Nähe ein Nest auf einem Paranussbaum hat und ein Junges aufzieht. So sah unser Tagesablauf etwa so aus:Um 06.00 Uhr eine Pirschfahrt (Drift) ohne Motor auf dem Seitenfluss, 08.30 Uhr Frühstück, Fahrt auf dem Fluss und Wanderung zum Harpyie-Adler, gegen 12.00 Uhr Mittagessen. Baden im kleinen natürlichen Pool vor dem Wasserfall, 16.00 Uhr neue Pirschfahrt (Drift), 19.00 Uhr Abendessen und danach eine Nachtfahrt. Alles immer ohne Motor. Der Motor wurde nur jeweils für die Rückfahrt eingesetzt. Ab 17.30 Uhr war es zappenduster. Nach einer Solar-Dusche sind wir in die Hängematten geklettert. Mit schlafen und zwischendurch den Geräuschen des Dschungels lauschend, verging die Nacht.
Der Harpyie-Adler gilt als der physisch stärkste Greifvogel der Erde. Er bewohnt die Baumkronen der tropischen Regenwälder Mittel- und Südamerikas und jagt dort vor allem nach Affen und Faultieren. Er wird als „König der Baumkronen“ bezeichnet. Die Weibchen werden deutlich grösser und schwerer als die Männchen. Sie erreichen ein Gewicht von 7,6 bis 9 Kilogramm und eine Gesamtlänge von bis zu 105 Zentimetern. Ihre Flügelspannweite beträgt rund zwei Meter. Ihre Krallen werden bis zu 7 Zentimeter lang – länger als die Klauen eines Grizzlybären. Die Greifkraft ihrer Fänge gleicht der Beisskraft eines Rottweilers, womit sie die Knochen ihrer Beute mühelos zertrümmern können. Charakteristisch ist die aufrichtbare Doppelhaube am Hinterkopf, das dunkle Brustschild sowie der eulenartige Gesichtsschleier. Wir hatten das Glück, das Weibchen am ersten Tag, das drei Wochen alte Jungtier an allen Tagen und am letzten Tag das Männchen zu sehen, das für die Nahrungssuche verantwortlich ist und an diesem Tag einen Cappuccino-Affen ins Nest legte. Dieses wird dann ans Jungtier verfüttert, aber erst ein oder zwei Tage später, da es bei leichtem Verwesungsprozess einfacher zum Zerlegen ist.












Es waren vier wunderbare, paradiesische Tage mit vielen Vogel- und Tapir-Sichtungen, dem Harpyie-Adler, einmaligem unberührtem Regenwald und Baden in unserem eigenen Naturpool. Das Camp liegt versteckt in den Kanuku-Bergen, neben einem klaren Wasserbach, mit Blick auf einen Wasserfall. Es ist alles sehr einfach aber zweckmässig und liebevoll gestaltet, geschlafen wird in Hängematten (Hammocks) unter Moskito-Netzen.



















Nun sind wir wieder zurück in Caiman House, um zum einen die Bilder der letzten Tage zu sortieren und Blog zu schreiben.
Ah ja – in den Guyanas (Franz. Guayana, Suriname und Guyana) gibt es drei unterschiedliche Arten von Huhn, die gegessen werden: Das Huhn, das wir kennen, das Wasserhuhn (besser bekannt als Kaiman) und das Baumhuhn (ein Leguan oder eine Echse). Wir wussten erst nicht, wovon gesprochen wurde, als die Rede von „Water Chicken“ und „Tree Chicken“ war.
Morgen geht es dann Richtung Brasilien, wir planen um den 5. Oktober in Manaus sein.
Weiss gar nicht was ich dazu sagen soll , bin einfach nur überwältigt von eurem mega tollen Blog , das ist ja wieder eine ganz andere Welt mit den unterschiedlichen Tierarten und unberührter Natur . Vielen dank dass ihr uns immer wieder teilhaben lässt an euren unbeschreiblich spannenden Erlebnissen . Herzliche Grüsse und eine feste Umarmung Mams .
Liebe Mams,
danke – es war ein einmaliges Erlebnis und wir sind sehr froh, dass wir uns spontan dafür entschieden haben.
Kuss
Claudia
Traumhaft schöne Bilder. Eine Region die touristisch noch nicht so erschlossen ist, scheint es mir.
Einfach toll.
Liebe Grüsse
Dani
Danke lieber Dani
Es war wunderbar – und ja, der Tourismus ist noch nicht so stark.
Liebe Grüsse
Claudia
Einfach nur fantastisch. Ohne Worte. Das sind die wahren Erlebnisse. Mega, dass ihr das organisieren konntet. Was für ein Glück. Aber sicher auch anstrengend. Tolle Bilder, schöner Bericht.
Hallo Ihr Lieben,
es wahren wirklich wunderbare Tage in einem einmaligen Umfeld. Anstrengend war es nicht – einfach nur überwältigend. Liebe Grüsse und gute Weiterreise.
Claudia und Norbert