Für uns ist Guyana, insbesondere auch Georgetown, ein interessantes, lebendiges, manchmal auch etwas nerviges, Gewusel. Überall Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen mit unterschiedlichen Bräuchen, Kulturen und Gepflogenheiten. Beim Autofahren ständig auf der Hupe zu stehen um alles, auch Fussgänger und Eselskarren wegzuhupen, scheint hier der normale Fahrstil zu sein. Überall tönt Musik von unterschiedlichsten Genres aus Autos, Geschäften, Hosentaschen. Kirchen, Moscheen, Hindu-Tempel wechseln sich ab. Wir sind zwar in Südamerika, aber Guyana ist eher Karibik als Südamerika. Die Bevölkerung ist ethnisch sehr vielfältig und setzt sich vor allem aus Menschen indischer, chinesischer und afrikanischer Abstammung sowie indigenen Völkern (sogenannte Amerindians) zusammen. Dieses bunte aber noch lange nicht immer problemlose Miteinander hängt, wie schon in Suriname, mit der Geschichte zusammen.
Guyanas Geschichte ist durch den Wechsel europäischer Kolonialmächte (Holland 1616 – 1796, dann England 1796 – 1966), den Sklavenhandel (vor allem aus Afrika), die Einwanderung von Vertragsarbeitern (Indien, China und aus Madeira) sowie den jüngsten Rohstoffboom (Gold, Bauxit und jetzt die enormen Ölvorkommen) geprägt. Bislang profitiert nur ein kleiner Teil der Bevölkerung in Guyana direkt von dem Ölboom (Ölförderung von ExxonMobil). Die Gewinne fliessen zu grossen Teilen an internationale Ölkonzerne und kleine heimische Eliten. Der Boom treibt die Preise im Land stark in die Höhe. Für uns ist Guyana so teuer wie die Schweiz, aber die Einkommen sind viel niedriger. Mehr als die Hälfte der Menschen gilt nach wie vor als arm. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Guyana als eher gefährlich eingestuft wird, insbesondere aufgrund von weit verbreiteter Gewalt- und Kleinkriminalität. Wir hatten uns aber nie unwohl gefühlt, vermeiden es aber auch, bei Dunkelheit noch rumzulaufen und haben uns auch bewusst für den bewachten Stellplatz im Sophia Ausstellungsgelände entschieden. Das Land kämpft mit enormen Infrastrukturprobleme, z.B. ungenügende Abfallentsorgung, der Abfall liegt überall oder schwimmt im Wasser der Kanäle und Flüsse.
Guyana heisst in der Sprache der indigenen Bevölkerung der Arawak „Land des vielen Wassers“. Es gibt vier Hauptflüsse: Essequibo River, der mit Abstand längste und breiteste Fluss des Landes. Corentyne River (Corantijn), der auf seiner gesamten Länge die natürliche Grenze zwischen Guyana und Suriname bildet. Berbice River und der Demerara River: Guyana ist fünf Mal grösser als die Schweiz und hat aber nur gut 820‘000 Einwohner ( im Vergleich Schweiz mit über 9 Mio. Einwohner). Die Amtssprache ist Englisch; in der Bevölkerung ist aber auch guyanisch Creolisch sehr weit verbreitet. Obwohl Guyana in Südamerika liegt, ist es Mitglied der CARICOM (Caribbean Community), ein Zusammenschluss verschiedener Staaten der Karibik zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum ( ähnlich wie die EU). Guyana grenzt an Brasilien, Suriname und Venezuela. Gerade mit Venezuela sind die Beziehungen sehr schwierig. Venezuela beansprucht die Region Essequibo, die reich an Erdöl- und Erdgasvorkommen ist, für sich.
Überall treffen wir das Logo „One Guyana“ an. Der Slogan ist von Präsident Dr. Irfaan Ali zum 60 Jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit ins Leben gerufenen. Es soll die nationale Einheit, den Patriotismus und das Überwinden ethnischer sowie politischer Grenzen im Land symbolisieren. Es soll das Nationalmotto „One People, One Nation, One Destiny“ (Ein Volk, eine Nation, ein Schicksal), das bei der Unabhängigkeit von Grossbritanien 1966 festgelegt wurde , greifbarer machen.



Wir sind an verschiedenen Tagen durch Georgetown geschlendert und haben die verschiedenen Bauten, die meist noch aus englischer Zeit stammen, bewundert. Leider fällt auf, dass weder an den Gebäuden noch an der durch Grossbritannien überlassenen Infrastruktur viel erneuert oder renoviert resp. Massnahmen zu deren Erhalt, ergriffen wurden.








































Die Sea Wall ist eine rund 450 Kilometer lange Küstenschutzanlage entlang der Atlantikküste von Guyana, die vor allem die Hauptstadt Georgetown vor Überschwemmungen schützt, da weite Teile der Küstenregion bei Flut 1 – 2 m unter dem Meeresspiegel liegen. In dieser Küstenregion wohnen gut 90 % aller Menschen des Landes. Der Bau des beeindruckenden Bauwerks begann 1858, nach den verheerenden Überschwemmungen 1855, und dauerte bis 1892. Vorher waren Mangroven-Wälder vor der Küste, diese boten zuwenig Schutz. Deshalb wurde diese Sea Wall errichtet. Er wird immer wieder durch Schleusentore unterbrochen. Die Entwässerung des Landes hinter dem Damm findet über Kanäle statt. Bei Ebbe werden die Schleusen geöffnet und das Wasser wird in das Meer abgeleitet, bei Flut werden die Schleusen wieder geschlossen. Die meisten Häuser entlang der Küste stehen auf Stelzen. So bleibt das Haus trocken, falls trotzdem mal Wasser mit der Flut eindringt, aber so wird auch der Wohnbereich in dem heiss-feuchten tropischen Klima bestens durchlüftet und trocken gehalten.









