Karte mit unserer aktuellen Route
Die Grenze zwischen Suriname (South Drain) und Guyana (Moleson Creek) ist ebenfalls per Fähre erschlossen. Die Fähre war – wie könnte es anders sein – aufgrund von sicherheitstechnischen Mängeln zeitweilig ausser Betrieb genommen; erst am 28.8. durfte die Fähre wieder fahren, wobei der Schwerpunkt auf die „gestrandeten“ Passagiere gesetzt wurde. Die Fähre ist die einzige Verbindung zwischen diesen beiden Ländern. Es hiess, wir müssten morgens sehr früh am Anleger sein, ca. 06.00 Uhr, sonst würden wir nicht auf die erste Fähre kommen. Dies wäre dann ein Problem gewesen, da die Berbice River Bridge von 17.10 – 18.40 Uhr für den Autoverkehr gesperrt ist (die Gezeiten bestimmen die Zeit der Schliessung).
Am 11.09. sind wir von unserem Stellplatz River Breeze quer durch Suriname nach Westen bis South Drain gefahren und haben noch einige Eindrücke mitgenommen.












Es hat auf dem Weg immer wieder kurz und heftig geregnet. Nachdem uns der Tankwart kurz vor Moleson Creek nochmals gesagt hatte, wir sollen wirklich früh da sein, beschlossen wir, direkt hinzufahren und die Nacht vor dem Tor zu verbringen. Wir haben uns beim anwesenden Polizisten die Erlaubnis eingeholt und er meinte, dass dies kein Problem und v.a. sicher sei. Wir waren somit in Pole Position für die Abfahrt am nächsten Morgen. Nach und nach kamen immer mehr Fahrzeuge, auch PWs, die sich hinter uns in Reihe stellten und die Nach am Fährableger verbrachten. Da waren wir froh um unser Heim auf Rädern – eine Übernachtung im Fahrzeug ist nicht so erstrebenswert.



Um 07.30 Uhr begann das ganze Gewusel am Hafen, obschon die Fähre erst um 10.00 Uhr ablegt. Fussgänger kamen per Minibusse an, weitere Autos treffen ein (teilweise schon zu spät für die erste Fähre). Die Zollabfertigung in Suriname dauerte aus unserer Sicht schon sehr lange (da wussten wir noch nicht, dass Guyana den Prozess in negativer Hinsicht noch toppen wird). Wir mussten erst am Schalter die Fähre bezahlen und auch gleich Pässe, Versicherung (wir haben eine in Suriname gelöst, die auch für Guyana gilt) und Fahrzeugpapiere abgeben. Da war uns schon etwas mulmig, da der Zöllner gleich alle Dokumente einbehalten hat und uns dann in die Wartehalle schickte. Hier wurden die Passagiere (Fussgänger und Fahrzeugbesitzer-/insassen) einzeln aufgerufen und erhielten die Pässe zurück. Danach nochmals kurz anstehen, da dann der Ausreisestempel reinkommt. Aber nein – noch nicht fertig, ein anderer hat unser TIP (Temporäre Import-Bewilligung für Askja) abgenommen. Fertig – dachten wir, da kommt der nächste und wollte auch nochmals das TIP, was sich drei Mal wiederholte und immer wieder Diskussion nach sich zog. Zum Schluss wollte dann eine Zollbeamtin noch unser Fahrzeug sehen. Sie war sehr nett und zog sogar die Schuhe aus.
Danach ging es auf die Fähre, die 45 Minuten sehr gemächlich dahintuckerte.


In Guyana angekommen begann die Einreise, die über 2 Stunden dauerte. Hier mussten wir zum ersten Mal die Gelbfieber-Impfung vorweisen. Danach hiess es warten (zum Glück im Schatten). Den jeweils vordersten Personen wurden die Pässe abgenommen und irgendwohin gebracht. Da wurde wohl kontrolliert, ob das Formular für die Einreise ausgefüllt wurde. Irgendwann kam ein Beamter, der nuschelte die Namen runter. Mit uns in der Reihe war noch ein junger Mann aus Singapore. Wir waren die einzigen Ausländer (also weder aus Suriname noch Guyana) und sorgten da wohl etwas für Kopfzerbrechen. Auf jeden Fall bekamen wir unsere Pässe erst ganz am Schluss zurück. Ja – und dann wieder anstehen, denn wir wollten ja den Einreisestempel. Danach ging es zum Zoll, damit unser Fahrzeug auch einreisen durfte. Die Dame strapazierte dann so richtig unsere Nerven (eine gute Freundin von uns würde sagen „Sie ist halt nicht so das hellste Kerzlein auf der Torte“). Wir durften in ihr kleines klimatisiertes Büro; im Befehlston verlangte sie die Dokumente. Bei jedem Dokument wollte sie wissen, ob wir nicht noch ein anderes hätten (vermutlich hat sie auf eine sich auf wundervolle Weise selber ins System einfügende Version der Dokumente gehofft, damit sie nichts machen muss): anderer Fahrzeugschein, andere Versicherung, anderer Fahrzeugausweis. Und endlich – wir haben unseren Internationalen Führerausweis nicht vergeblich beantragt – den wollte sie auch noch. Als alle Dokumente auf dem Tisch in ihrem Chaos von Papier, Pappbechern und sonstigem lagen, verkündete sie, dass weder PC noch Drucker liefen und wir draussen warten sollten. Diskussion nutzlos – sie sitzt am längeren Hebel. Nach 45 Minuten und ständig nervösem Nachfragen der anderen Zöllner, ob bei uns alles OK sei (sie wollten eigentlich endlich den Hafen schliessen und nach Hause gehen), kam sie dann wieder zurück mit all unseren Dokumenten in der Hand. Dann ging es fast rasch und weitere 15 Minuten später hatten wir das TIP. Aber hallo!: wir dürften 30 Tage im Land bleiben, unser Auto nur 14 Tage. Das sei halt einfach so und wir sollten doch vor Ablauf der 14 Tage in Georgetown, der Hauptstadt, zur Behörde und klären, ob wir verlängern dürfen. Sie hätte nicht die Vollmacht, das zu tun. Wir wurden den Eindruck nicht los, dass Guyana nicht ganz so Touristen-Freundlich ist. Nach einer kurzen Kontrolle des Wohnmobils (Blick ins Innere, mehr nicht), angeblich zwingender Besuch bei der Polizei nebenan, die nicht wusste, was sie mit uns anfangen sollen, durften wir aus dem Hafengelände raus und Richtung Georgetown (180 km) fahren.
Guyana ist nochmals ganz anders, noch asiatischer, uns noch fremder, aber sehr sympathisch. Es zeigt aber auch deutlich der Arm-/Reich-Unterschied. Aufgrund der grossen Ölvorkommen im Meer vor Guyana wird der Staat und einzelne Personen rasant reicher, aber der Aufbau einer breiten, wohlhabenden Mittelschicht steht noch ganz am Anfang. Einige Eindrücke aus dem Auto gemacht.













Und noch nochmals zu der besagten Berbice River Bridge: Die Besonderheit dieser Brücke ist, dass es eine Ponton-Brücke ist und täglich für 1.5 Stunden für den Schiffsverkehr geöffnet wird. Hierfür werden zwei Ponton-Elemente hydraulisch zurückgezogen. Und da alles sehr lange dauerte für Aus- und Einreise sowie Fährüberfahrt, mussten wir uns doch etwas beeilen.

Nun sind wir für die nächsten Tage auf dem Expo-Gelände von Georgetown, das 24 Stunden bewacht ist. Da Guyana und insbesondere Georgetown v.a. in der Nacht unsicher sind, hatten wir diesen Platz ausgesucht. Mehr zu Guyana und Georgetown im nächsten Blog.

