Der Brownsberg-Naturpark liegt mitten im tropischen Regenwald des Guayana-Schildes. Das ca. 500 Meter hohe Plateau erhebt sich direkt über dem Dschungel und dem Brokopondo-Stausee.

Der Guayana-Schild ist einer der ältesten und ökologisch wertvollsten kontinentalen Krustenblöcke der Erde. Der Schild erstrecht sich über die drei Guyanas (Guyana, Suriname und Französisch-Guyana), Venezuela, Brasilien und Kolumbien. Die Gesteinsschichten sind zwischen 1,7 und 2,8 Milliarden Jahre alt. Einerseits gilt die Region als „Gewächshaus der Erde“, weil es das weltweit grösste, zusammenhängende Gebiet an intaktem und unberührtem tropischem Urwald mit dem wasserreichsten Wasserkreislauf darstellt. Zum anderen gibt es im Guayana-Schild riesige Rohstoffvorkommen an Gold, Diamanten, Bauxit und Eisenerz. Der Abbau erfolgt unreguliert und oft auch illegal.

Alte Aluminium-Schmelzanlage, heute wird zwar das Bauxit hier abgebaut, aber exportiert. Die ganze weitere Verarbeitung erfolgt in Trinidad und somit schafft es hier keine Arbeitsplätze mehr. Was bleibt sind Industrieruinen.
Illegaler Gold-Abbau

Der Brownsberg-Naturpark erstreckt sich über 12‘000 Hektaren und liegt auf einem 500 Meter hohen Bauxit-Plateau. Vom Mazaroni-Plateau aus hat man einen schönen Ausblick auf den riesigen Brokopondo-Stausee, wenn es dann nicht so dunstig gewesen wäre. Noch vor wenigen Jahren bestand die Möglichkeit, in der einfachen Lodge oder in Hängematten zu übernachten. Heute ist alles zerfallen, weil die zuständige Organisation mit sich selbst beschäftigt ist. Der Brokopondo-Stausee ist mit ca. 1‘560 km2 (fast so gross wie der Kanton Zürich). Der Stausee wurde gebaut, um genügend Energie zur Verarbeitung des Bauxits zu Tonerde und weiter zu Aluminium sicherzustellen.

Brokopondo-Stausee
…. es war sicher mal schön.
Toiletten, auf die niemand gehen will
Bryan erklärt Claudia den Umgang mit dem Abfall (als ob wir es in die Natur geworfen hätten). War etwas perflex!

Mit unserem Guide Ryan verbrachten wir eine interessante Zeit auf einer ausgedehnten Wanderung durch den Regenwald (Der Regenwald machte seinem Ruf alle Ehre – und beglückte uns zweimal mit einem grossen Regenschutt. Man nennt diese plötzlichen, heftigen lokalen Regenschauer „Sibi Busi“, zu Deutsch Buschfeger). Wir sahen ein Dreifinger-Faultier, viele Insekten und kamen in den Genuss, den Regenwald zu erleben. Leider haben wir auf der Wanderung auch immer wieder Arbeiten in illegalen Gold-Minen gehört; die Regierung toleriert all das und schreitet nicht ein.

Dreifinger-Faultier

Lotusblüte (allerdings nicht endemisch)
Larve des Schwärmers Pseudosphinx tetrio. Aufgrund der auffälligen Färbung auch „Rasta Caterpillar (Raupe)“ bezeichnet
Noch unberührter Regenwald
Ryan auf der Suche nach Tieren

Termiten-Nest, Erkennbar an den Kanälen, welche die Termiten dem Stamm entlang bauen
Kanäle dem Stamm entlang. Die Termiten bewegen sich in diesen Kanälen hoch und runter. Im Gegensatz zu den Ameisen, welche aussen am Stamm laufen.
Wir haben verschiedene Falter und Schmetterlinge gesehen
Heugümper
Libelle
Termiten-Nest
Giftspinne – alle Spinnen waren giftig, allerdings für uns Menschen ungefährlich

Libelle
Diese Blätter werden immer noch häufig verwendet, um auf den Märkten Nudeln zu servieren (anstelle Plastikgeschirr)
Rasta-Caterpillar

Der Bau einer Tarantula, leider war sie nicht anwesend
Früchte, welche v.a. die Affen lieben
Grosser Waren (ca. 1 m lang)

Telefon-Baum (Wurde wohl von den Buschleuten verwendet, um untereinander zu kommunizieren). Wenn an diesen Baum geschlagen wird, ist der Ton über weite Distanzen zu hören.
Dieser Ast wurde von einem Käpfer so sauber abgebissen. Der Rest hat dann die Schwerkraft erledigt.
Ryan demonstriert eine Wald-Hängematte

Beeindruckender Bau von Ameisen
Bau von Termiten

Orchidee am Baum
Beeindruckendes Wurzelwerk
Wanze
Schmetterling

Blauer Morpho-Falter. Leider nicht im Flug erwischt

Wir sind sehr froh, dass wir die 13 km lange Strecke hoch auf das Plateau nicht selber gefahren sind. Auch wenn es hiess, dass nur ein paar Passagen etwas anspruchsvoll seien und in der Trockenzeit einfach zu befahren, kämpfte selbst unser Mitsubishi Pajero und einem sehr erfahrenen Fahrer mit der Strecke. Wir hätten unser WoMo schon auf den ersten Kilometern zu Schrott gefahren.

Dies war eine der weniger schlimmen Etappen (bei den schlimmen Passaten konnten wir leider nicht aussteigen und fotografieren)

Gestern haben wir das Openluchtmuseum Fort Nieuw-Amsterdam (Freilichtmuseum) besucht. Das Museum befindet sich auf dem Gelände einer fünfeckigen Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert, die strategisch günstig an der Mündung der Flüsse Suriname und Commewijne errichtet wurde, um die dahinterliegenden Plantagen zu schützen. Die parkähnliche Anlage dokumentiert anschaulich die bewegte Geschichte Surinames, die Epoche der Sklaverei sowie die Kulturen der verschiedenen Einwanderergruppen (u. a. indigene Bevölkerung, Kreolen, Maroons, Inder und Javaner). Zu sehen sind unter anderem alte Pulvermagazine, ein Kutschenhaus, ein ehemaliges Gefängnis aus dem Jahr 1872 sowie alte Kanonen und Bunker.

Openluchtmuseum Fort Nieuw-Amsterdam
„Baba en Mai“ bedeutet Vater und Mutter; es ehrt die ersten Vertragsarbeiter aus Indien (Kalkutta), die am 5. Juni 1873 mit dem Schiff Lalla Rookh ankamen.

Haus des Oberbefehlshaber des Forts
… yep – war mal schön

Der Vorbote des Lastenrades
Gedenkpfahl (Totempfahl)

Der Eingang in den Gefängnis-Trakt

Flagge der Unabhängigkeit
Ehemaliges Spital
Telefonzelle
Die Kanonen auf die Mündung der Flüsse Suriname und Commewijne gerichtet

… wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wäre, hätten wir sogar auf den Damm laufen können. Aber die Treppe war defekt und die Brücke morsch
Eine Kirche in Nieuw-Amsterdam
Eine alte Schleuse aus dem 18. Jahrhundert

Wie leider so vieles hier, ist alles nicht mehr gepflegt und zerfällt. Schade, denn es dokumentiert eindrücklich, die Geschichte Surinames und weshalb dieser Mix von Menschen und Religionen entstanden ist.

Zwei Texte im Museum haben uns besonders beeindruckt und Beschreiben wohl Suriname am besten:

MIX MAX (Plakat im Museum)

Historisch gesehen zeichnet sich Suriname durch eine grosse Vielfalt an Bevölkerungsgruppen aus, die friedlich zusammenleben und sich vermischen. Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Bevölkerungsgruppen in Suriname angesiedelt, darunter Marrons (geflohene afrikanische Sklaven), Kreolen (afrikanische Sklaven), Hindustanen (Vertragsarbeiter aus  Indien), Javaner (Vertragsarbeiter aus Java, heute Indonesien), Indigene (Ureinwohner), Chinesen, Libanesen und Europäer. Die Interaktion dieser unterschiedlichen Kulturen hat zu einer Mischkultur geführt, die im Laufe der Zeit ihren eigenen Charakter entwickelt hat: die surinamische Identität. Die Surinamer feiern die Feste der jeweils anderen, tanzen gemeinsam zu deren Musik und geniessen die Küche der anderen. Diese Verschmelzung ist weltweit einzigartig, in Suriname jedoch ein weit verbreitetes Phänomen.

Wan bon / Ein Baum: Gedicht von Robin Ravales (Dichter und Politiker)

Sranantongo (Original)Deutsche Übersetzung
Wan bon
so meni wiwiri
wan bon.
Ein Baum
so viele Blätter
ein Baum.
Wan liba
so meni krepston
ala e go na wan se.
Ein Fluss
so viele Kieselsteine
alle fliessen in ein Meer.
Wan banti
so meni titei
wan knopo.
Ein Band
so viele Fäden
ein Knoten.
Wan Sranan
so meni wiwiri
so meni skin
so meni tongo
wan pipel.
Ein Suriname
so viele Haartypen
so viele Hautfarben
so viele Sprachen
ein Volk.

In den nächsten Tagen werden wir Suriname verlassen und nach Guyana weiterfahren.

08.09. – 10.09.2026: Brownsberg-Naturpark im tropischen Regenwald und ein Besuch im Openluchtmuseum Fort Nieuw-Amsterdam (Freilichtmuseum)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert