Karte mit unserer aktuellen Route

Wir haben Brasilien über Ponta Porã verlassen und sind in Pedro Juan Caballero nach Paraguay eingereist. Die Grenze zwischen den beiden Ländern bildet die Hauptstrasse. Überall sind Zollfreiläden – ehe man es sich verseht, ist man schon in Paraguay an der Tankstelle, ohne dass man offizielle in Paraguay eingereist ist. Der Grenzübergang verlief sehr geschmeidig – einzig liegen die unterschiedlichen Grenzgebäude ziemlich weit voneinander entfernt. Schon für die Ausreise muss erst die Immigration angefahren werden, danach der Zoll, der wo ganz anders liegt in der Stadt. Ist dies abgeschlossen, geht die Fahrt zur Immigration für Paraguay. Der Zoll wäre in Fussnähe und sollte bis 12.00 Uhr geöffnet sein . Bei uns war es genau 11.55 Uhr als wir da waren – aber der Zoll war schon geschlossen und machte erst um 14.00 Uhr wieder auf. Wir durften unser WoMo noch ins Zollgelände stellen, danach wurde das grosse Tor geschlossen. Dies gab uns aber Gelegenheit, in das riesen Einkaufszentrum „Shopping China“ zu gehen. Es ist ein El Dorado von allen Arten von Importprodukten über Mode, Elektronik, Kosmetik, Sport, etc.

Nachdem die Mittagspause durch war, haben wir das PIT (Permiso de importación temporal) erhalten – alles fein säuberlich von Hand ausgefüllt. Somit war auch Askja offiziell in Paraguay eingereist. Danach fuhren wir nach Concepción, wo wir im Hotel eCamping Quinta Del Sol übernachtet haben.

Am nächsten Tag haben wir uns Concepción angesehen, was uns gut gefallen hat. Die Stadt wird auch „Die Perle des Nordens“ genannt, doch so weit möchten wir nun doch nicht gehen, aber Charme hat die Stadt.

Die Stadt wurde 1773 am Ufer des Río Paraguay gegründet und hat noch viele historische Gebäude, die an die koloniale Vergangenheit erinnern. Die Stadt ist das Zentrum im Norden Paraguays mit einem Flusshafen.

Militärgarnision
Gouverneur Agustín Fernando de Pinedo

Catedral De Concepción
Catedral De Concepción
Georg der Drachentöter
Freiheitsstatue auf der Plaza Libertad

Freiheitsstatue auf der  Plaza Libertad

Miitärzone

Am Hafen von Concepción

Schule ist aus – Kinder werden mit dem Eltern-Moped-Taxi abgeholt
Schule ist aus – Kinder werden mit dem Eltern-Moped-Taxi abgeholt
Der Kleine hat uns stolz seine Bastelarbeit gezeigt, ehe die Familie weggebraust ist
Im Theater von Concepción
Auch dies ist ein Verkehrsteilnehmer auf den Strassen von Concepción
Was alles eingekauft und auf einem Moped-Taxi transportiert werden kann

Am nächsten Tag sind führte uns der Weg in den Chaco nach Filadelfia ins Hotel Florida, die Plätze für Camper anbieten. Die Strasse von Concepción nach Filadelfia ist in den ersten 100 km ziemlich übel. Es gibt viele Schlaglöcher, unmotivierte Teerflecken, die ein vorwärtskommen nicht erleichtern, Baustellen und getoppt wird alles mit den lange und schweren LKWs aus allen Richtungen. Es hat uns immer wieder an die Strassen in Afrika, v.a. Sambia erinnert.

Auf der Brücke Nanawa über dem Rio Paraguay
Auf der Brücke Nanawa über dem Rio Paraguay

… War sicher auch schon mal besser in Schuss
Eher feuchter Chaco
Entlang der Strasse nach Filadelfia
Entlang der Strasse nach Filadelfia
Entlang der Strasse nach Filadelfia
Entlang der Strasse nach Filadelfia – immer wieder bestens ausgeschilderte Abzweigungen in Indigenen-Kommunen
Entlang der Strasse nach Filadelfia

Unser erster Flaschenbaum (Samu’u-Bäume)
Auf dem Parkplatz des Hotels Florida

Was uns ganz speziell interessiert hatte, war zum einen der Gran Chaco oder auch einfach nur Chaco genannt, aber v.a. auch die Mennoniten, ihre Geschichte, ihr Leben und ihre Kultur in dieser Region.

Der Chaco ist eine grosse, dünn besiedelte Region in Paraguay, die den grössten Teil des Landes westlich des Flusses Paraguay einnimmt. Die Region ist von trockenen Savannen und Dornenbüschen geprägt. Deutschsprachige Mennoniten haben sich dort ab 1927 angesiedelt.

Die Chaco-Region war jahrhundertelang unbesetzt, mit Ausnahme einiger robuster indigener Völker. Das Land und sein Nachbar Bolivien kümmerten sich lange nicht um das Territorium, das scheinbar keinen Nutzen hatte. Diese Auffassung änderte sich allerdings, als im Wald plötzlich ein riesiges Ölreservat vermutet wurde. So führten die zwei Nationen von 1932 bis 1935 einen erbitterten Krieg um das Gebiet, den Paraguay überraschend für sich entscheiden konnte.

Mennoniten sind Mitglieder einer evangelischen Freikirche, die auf die Täuferbewegung der Reformationszeit zurückgeht und nach ihrem Führer Menno Simons benannt ist. Die Mennoniten legen grossen Wert auf eine starke und unterstützende Gemeinschaft und traditionelle Werte. Im Museum in Filadelfia steht: „Gemeinschaft vor Eigennutzen“ – diesem Grundsatz ist Kooperative Fernheim (https://www.fernheim.com.py/de/ verpflichtet. Im Gegensatz zur Kindertaufe taufen sie nur Jugendliche und Erwachsene, die bewusst eine Entscheidung für den Glauben getroffen haben. Sie lehnen Militärdienst ab und setzen sich für den Frieden ein. Die Mennoniten sind sehr arbeitsam, wodurch sie es schafften, die Gebieten, die ihnen zugewiesen wurden, mit viel Einsatz bewohnbar und fruchtbar zu machen.

Aus Angst vor Verfolgung aufgrund ihres Glaubens wanderten viele Mennoniten nach Preussen und später unter Katharina der Grossen nach Russland aus. Aufgrund der Russischen Revolution (1917) und des Bürgerkriegs flohen tausende Mennoniten von Russland nach Kanada. In den 1920er Jahren siedelte die erste Gruppe von Russlandmennoniten, die zuvor in Kanada waren, im Chaco. Spätere Einwanderungswellen nach dem Zweiten Weltkrieg brachten weitere Russlandmennoniten direkt nach Paraguay. Die Paraguayanische Regierung hat den Mennoniten zugesichert, dass sie gemäss ihren Werten leben dürfen. Die Regierung hatte besonders Interesse daran, dass sich die Mennoniten in dem bis dato sehr dünn besiedelten Chaco ansielden, um den Besitzanspruch gegenüber Bolivien zu manifestieren.

Am Samstag haben wir am Vormittag das Museum der Mennoniten, welches sich direkt gegenüber dem Hotel Florida auf dem Menno Simons Hof befindet, besucht. Dieses Museum ist sehr interessant und zeigt viel über die Geschichte der Mennoniten hier in Filadelfia, aber auch über das Zusammenleben mit der indigenen Bevölkerung. Filadelfia ist der Sitz Kooperative Fernheim (https://www.fernheim.com.py/de/).

Im Mennoniten-Museum im ehemaligen Menno Simon Hof
Mennoniten-Museum
Mennoniten-Museum
Mennoniten-Museum
Mennoniten-Museum
Mennoniten-Museum
Flaschenbaum im Mennoniten-Museum
… und noch einige Flaschenbäume im Mennoniten-Museum
Das „Vater unser“ in verschiedenen Sprachen
Mennoniten-Museum
Mennoniten-Museum
Erste Landmaschinen, die bei der „Bezwingung“ des Chaco zum Einsatz kamen

Es Weihnachtet bereits im Supermarkt Fernheim

Die Mennoniten die wir hier angetroffen haben, sind sehr aufgeschlossen für Leute ausserhalb ihrer Gemeinschaft (im Gegensatz zu den traditionellen Mennoniten, die eher in Bolivien oder im Osten anzutreffen sind). Wir haben uns sofort sehr wohl und gut aufgenommen gefühlt. In Filadelifa lernten wir Alwin und seine Familie kennen. Am Sonntag durften wir die Familie in die Kirche begleiten. Die Gestaltung des Gottesdienstes und die Predigt haben uns sehr beeindruckt.

Vor der Kirche am Sonntag
In der Kirche am Sonntag

Am Sonntagnachmittag sind wir zum Fortín Boquerón gefahren. Dies ist ein historisches Fort in Paraguay, das als Gedenkstätte an die entscheidende Schlacht des Chaco-Kriegs erinnert, in der die paraguayische Armee die bolivianische Armee besiegte.

Eine andere Mennoniten-Gemeinde auf dem Weg zum Fortín Boquerón
In Neuland
Das ist mein Gebiet
Fortín Boquerón
Fortín Boquerón
Fortín Boquerón
Fortín Boquerón
Fortín Boquerón
Fortín Boquerón
Fortín Boquerón
Gedenkstatue für die Helden im Chaco-Krieg – das „Loch“ in der Brust des Soldaten sind die Umrisse von Paraguay (Fortín Boquerón )
Friedhof der Bolivianer in Fortín Boquerón
Friedhof der Paraguayaner in Fortín Boquerón
Und die Strasse führt immer geradeaus von Fortín Boquerón nach Filadelfia

Alwin hat uns eingeladen, den Montag auf seiner schönen Estanzia zu verbringen. Wir waren sehr beeindruckt, wie der Aufzuchtsbetrieb geführt wird, wieviel Arbeit da drin steckt, aber was erreicht werden kann. Wir fanden es auch sehr spannend, dass wir uns als Handlanger nützlich machen durften. Die Nacht durften wir auf der Estanzia verbringen. Am Abend sind wir noch auf dem Farmgelände spazieren gegangen, wo wir nebst der schönen Natur noch zwei Tapire und einen Ameisenbär gesehen haben. Nebst diesen speziellen tierischen Begegnungen begeisterten und die Samu’u-Bäume (Flaschenbäume) immer wieder, die charakteristisch für den Chaco sind.

Ein schöner Tag auf der Estanzia von Alwin – Separierungsanlage im Choral
Die Waage – jedes verkaufte Rind muss gewogen werden
Malwin vor der Anlage, wo Kühe und Stiere festgemacht werden, um sie z.B. zu impfen.
Die interessierte Herde mit Rindern und Kühen – es ist eine Kreuzung von europäischen Rassen und Zebus

… der Zebu-Bulle in seiner ganzen Pracht

Dieses Kalb war besonders neugierig
Kurz Händewaschen in der Viehtränke
Und noch ein Bulle

Das Land der Estanzia, so weit das Auge reicht

Auch dieser schöne Naturteich gehört dazu und bildet eine weitere Wasserreserve

Zum Mittagessen kocht uns Alwin ein köstlicher Giso (Eintopf mit Fleisch, Gemüse und Teigwaren) – Claudia am Schnippeln
… und hier wird das Fazenda-eigene Fleisch in kleine Stücke für den Giso geschnitten
Frisch zubereitet über dem Feuer – einfach köstlich
… und voilà – es hat hervorragend geschmeckt
Ein ganz besonderer Flaschenbaum – hat sich irgendwann mal gespalten
Wunderbare Landschaft
Unser Platz für die Nacht auf der Farm
Ein Flaschenbaum mit seiner stacheligen Rinde
Kandalaber-Kaktee
Der Estanzia-eigene Flugplatz
Ein Ameisenbär auf dem Abend-Spaziergang

Zwei Tapire am Rand der Flugpiste

Die Frucht des Flaschenbaums
…. innen drin sind Samen
Chaco Chachalaca (Chacoguan)
Am Morgen wurden die Kühe gezählt …
Am Morgen wurden die Kühe gezählt …
Am Morgen wurden die Kühe gezählt …
… und etwas gegen Zecken auf das Fell gespritzt
Der einsame Bulle warted auf seine Herde
Am Morgen wurden die Kühe gezählt …
Auch die Kälber müssen gezählt werden
Alwin und wir – was für eine tolle Zeit, am liebsten wären wir noch viel länger geblieben

Als wir auf dem Parkplatz des Hotels Florida stehen, hat uns am Sonntag ein Herr angesprochen, der mit seiner Familie ein paar Tage im Hotel Florida verbrachte. Der Herr war ein Schweizer namens Roland. Er hat uns kurzum auf seine Fazenda eingeladen, die am „Corredor Bioceánico“ liegt. Der „Corredor Bioceánico“ in Paraguay, auch bekannt als Ruta Nacional PY15, ist ein Strassenprojekt, das den Atlantischen Ozean mit dem Pazifischen Ozean verbindet. Es ist ein wichtiger Teil des länderübergreifenden Projekts, das Brasilien und die Pazifikhäfen Chiles durch den Chaco Paraguayo verbindet. Ziel ist es, die logistische Integration Südamerikas zu verbessern und den Handel durch einen kürzeren Weg zu erleichtern. Nur aktuell ist es eine unsägliche Staubstrecke, wenn LKWs passieren, muss man anhalten, da durch die Staubwolke absolut nichts zu sehen ist.

Corredor Bioceánico – eine Staubwüste
Corredor Bioceánico – eine Staubwüste
Eine Strasse im Chaco aus der Drohnenoptik
Eine Strasse im Chaco aus der Drohnenoptik
Eine Strasse im Chaco aus der Drohnenoptik

Roland ist vor 20 Jahren von der Schweiz nach Paraguay in den Chaco ausgewandert, wo er sich eine sehr grosse Fläche Buschland kaufte, die er ein eigener Arbeit gerodet und für den Viehbau nutzbar machte. Er hat mit seiner heutigen Familie ein einmalig schönes Anwesen erschaffen mit Viezucht. Er nennt es sein Paradies, wo er in absolutem Einklang mit der Natur aber auch mit seinen Weltanschauung leben kann. Auch hier durften wir herzliche Gastfreundschaft geniessen.

Auf der Estanzia von Roland
Auf der Estanzia von Roland
Auf den Weiden
Auf den Weiden
Auf den Weiden
Auf den Weiden
Der falsche Tabak – eine giftige Plage
Auf den Weiden

Auf den Weiden
In der Werkstadt mit Plasma-CNC-Schneidemaschine
CNC-Plasma-Schneidemaschine
Roland mit seiner Familie

Voller Eindrücke von zwei ganz unterschiedlichen Estanzias (Farmen) sind wir zurück nach Filadelfia gefahren. 

Unser Lieblingsbier in Filadelfia – das Chaparron (zu Deutsch Platzregen) –

Morgen geht es weiter Richtung Hauptstadt Asunción.

09.10. – 16.10.2025: Paraguay – von Concepción tiefer in den unbekannten Chaco