Karte mit unserer aktuellen Route
Nach dem Nationalpark Chapada Diamantina sind wir in verdaubaren Tagesetappen und Stellplätzen an Hotels und Grosstankstellen nach Brasília gefahren.




Unser erster Campingplatz in Brasília haben wir ganz anders erwartet. Wir wussten, dass er gut 40 km ausserhalb von Brasília liegt, aber auf einem schönen Gelände. Das Gelände war OK, aber es fehlte eine Waschmaschine, die wir so dringend brauchten. So beschlossen wir, am Tag nach Ankunft in einen Waschsalon zu fahren und zu waschen. Da wir wie gesagt 40 km ausserhalb lagen, kostete uns die Waschaktion gut 4 Stunden. Wir beschlossen, für die Besichtigung von Brasília näher in die Stadt zu fahren und fanden einen Platz beim Centro de tradições gaúchas.




Von hier aus liess sich die Retortenstadt Brasília bestens erkunden.
Weshalb ist Brasília eine Hauptstadt, die auf dem Reissbrett entstanden ist? Im Internet habe ich verschiedene Informationen gefunden: Brasília ist die heutige Hauptstadt, nach Sao Paulo und Rio. Brasília wurde 1956 vom damaligen Präsidenten Juscelino Kubitschek (JK) in Zusammenarbeit mit dem Architekten Oscar Niemeyer und dem Stadtplaner Lúcio Costa auf dem Reissbrett geplant und in nur drei Jahren erbaut. Der Grund für eine komplett neue Hauptstadt war der Wunsch nach einer neutralen föderalen Hauptstadt. Durch die Lage nahe dem geografischen Zentrum des Brasilianischen Staatsgebiets sollte zudem die Entwicklung der Infrastruktur des Binnenlandes gefördert werden. Bereits 1893 grenzte man ein 14‘400 Quadratkilometer grosses Gebiet für die künftige Hauptstadt ab. Brasília wurde am 21. April 1960 halbfertig vom damaligen brasilianischen Präsidenten Juscelino Kubitschek (1956–1961) offiziell eingeweiht. Der Bau der Hauptstadt war für Kubitschek ein zentraler Bestandteil seines Plans zur Modernisierung Brasiliens, der als „fünfzig Jahre Wohlstand in fünf Jahren“ bekannt wurde.
Aus der Luft hat der Plano Piloto (Regierungsbezirk) die Form eines Flugzeugs. Der Rumpf bildet die Achse, entlang der sich die Regierungsgebäude befinden. Ihr gegenüber liegen zwei Flügel mit siebzehn nummerierten Wohngebieten, die in „Quadras“ gruppiert sind. Die Form lässt sich vom Fernsehturm erahnen. Die ganze Stadt ist in Sektoren aufgeteilt, z.b. der Militär-Sektor, der Gesundheitssektor, der Hotelsektor, etc.
Brasília ist 1‘000 km von der Küste entfernt, befindet sich auf gut 1‘200 müM und zählt rund 2.5 Mio. Einwohner.
Übrigens kann man behaupten, dass die Schweiz am Design von Brasília auch etwas beteiligt war. Oscar Niemeyer war ein Schüler von Le Corbusier, dem schweizerich-französischen Architekten. Le Corbusiers Architektur zeichnet sich durch klare Linien, geometrische Formen, Funktionalität und die Verwendung von Beton aus, was seine Philosophie widerspiegelt, die auf Zweckmässigkeit und Einfachheit statt auf Spielerei basiert. Oscar Niemeyer teilte diese Leidenschaft für klare Linien und Beton, ging aber in seiner Verwendung oft einen spielerischeren und geschwungenen Weg, aber auch unter Verwendung von Beton. Ein Satz den Nieymeier prägte, haben wir bereits in Curitiba gesehen: „Wenn die Gerade er kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist, ist es die Kurve, die den Beton ins Unendliche treibt“.
Als wir in Brasília ankamen und unser WoMo auf dem Platz beim Centro de tradições gaúchas gut abgestellt haben, liessen wir uns am späteren Nachmittag mit UBER (ist für uns das sicherste Transportmittel) zum Santuario Dom Bosco bringen lassen. Die Kirche, die eher versteckt liegt, wollten wir uns auf jeden Fall ansehen. Wir haben sogar noch eine kleine private Führung eines Salisianer-Schülers erhalten. Die Kirche hat insgesamt 80 gotische Bögen; sie sind ca. 16 m hoch und tragen das Kirchenschiff. Im Innenraum bestechen Glasbausteine in 12 verschiedenen Farbtönen von blau bis rosa. Sie sollen den klaren Sternenhimmel symbolisieren. Von der Decke hängt ein über 3 m hoher Kristalllüster aus rund 7‘400 Einzelteilen aus Murano-Glas.







Danach sind wir durch ein Einkaufsszentrum (hach – wie kann eine Klimaanlage schön sein bei 38 Grad im Freien) zum Fernsehturm „Torre de Televisao“ gelaufen. Mit dem Aufzug kann man kostenlos auf die 75m auf die Plattform fahren, von wo wir einen grossartigen Blick auf die Stadt und v.a. auf den Plano Piloto (Regierungsbezirk) hatten.










Danach haben wir uns etwas treiben lassen und haben dann unseren Rückweg angetreten – allerdings sind wir wieder ein Stück mit UBER gefahren, da es einfach zu weit für einen Abendspaziergang gewesen wäre.

Am nächsten Tag haben wir uns zum Memorial/Mausoleum JK fahren lassen. Das Memorial JK ist eine Gedenkstätte, die an den Präsidenten und Gründer der Hauptstadt Brasílias, Juscelino Kubitschek, erinnern soll. Sie wurde 1981 eingeweiht und von Oscar Niemeyer entworfen. Der Eingang ist unterirdisch, unter dem künstlichen See, welcher auch zur natürlichen Klimatisierung genutzt wird.




Gleich gegenüber befindet sich das Museum der Indigenen Völker Brasiliens. Auch dieses wurde – wie kann es anders sein – von Oscar Niemeyer entworfen. Es zeigt verschiedene Gebrauchsgegenstände und Fotos der Indigenen in Brasilien. Beeindruckt hat uns ein runder Platz, auf welchem Bänke im Kreis angeordnet wurden. Darüber schweb eine Art Baldachin. Sitzt man auf den Bänken, kann man sich mit dem Gegenüber problemlos unterhalten. Stellt man sich in die Mitte, entwickelt sich ein starkes Echo.




Danach sind wir noch durch den Buriti-Park marschiert, ehe wir uns dann zur Kathedrale von Brasília fahren liessen.


Kathedrale von Brasília besteht, anders als viele traditionelle Gotteshäuser, hauptsächlich aus Glas und Beton. Natürlich wurde auch diese Kathedrale von Oscar Niemeyer gebaut. Der runde Bau mit einem Durchmesser von 70 Metern ist sehr schlicht gehalten, dadurch wirken die drei grosse Engel, die über den Köpfen der Gläubigen schweben, ganz besonders. Auch hier verläut der Eingang unterirdisch.








Durch einen längeren Quergang kommt man in die Taufkapelle. Diese ist v.a. von aussen interessant, da neben der Kirche eine runde Kuppel steht, deren Zweck erstmal unklar ist, bis man von der Kirche in diese Taufkapelle gelangt.

Gleich neben der Kathedrale befindet sich das Museu Nacional da Republica. Es ist wohl das jüngste Werk von Niemeyer und schneeweiss. Durch die gleissende Sonne leuchtet das Nationalmuseum so hell, dass es auch schwer zu fotografieren ist. Der Bau erinnert etwas an ein Ufo. Der Eingang führt über eine breite Rampe. Im Innern des Museums fällt der viele nicht genutzt Platz auf, was wohl ein Teil der ganzen Installation sein soll. Wie wir da waren, war dem Element Eisen eine Sonderausstellung gewidmet.






Der Abschluss unserer Besichtigung der Stadt Brasilia war der Praça dos Três Poderes (Platz der drei Mächte), welches das Cockpit der Flugzeugform von Brasilia darstellt. Der Platz gliedert sich in einen unteren Teil mit Bassins und Grünanlagen und einen oberen Querriegel, der betongepflasterten Esplanada. Eröffnet wird das Ensemble durch den Baukomplex des Nationalkongresses, der ausdrucksvoll über dem Wasserspiegel zu schweben scheint. Das Monument vereint symbolisch die beiden Kammern des Kongresses, so die Kuppel des Senats und die Schale des Abgeordnetenhauses. Überragt werden die Baukörper von den etwa 100 m hohen Zwillingstürmen der Abgeordentenbüros. Der Palácio de Planalto für die Exekutive sowie das Supremo Tribunal Federal für die Judikative flankieren die dahinterliegende Esplanada; beide zeigen sich als filigrane Stahl-Glaskörper unter ausladenden Flachdächern, die von segelförmigen Betonstützen getragen werden (Auszug Wikipedia).















Den Tag haben wir am Lago Paranoa ausklingen lassen. Es ist ein künstlicher See, über den sich die JK (Juscelino-Kubitschek)-Brücke spannt. Die drei riesigen Stahlbögen sind von weit her sichtbar. Die Brücke wurde aber ausnahmsweise nicht von Niemeyer entworfen, sondern vom Architekten Alexandre Chan.


Unser Platz war am Centro de tradições gaúchas. Zufälligerweise haben wir an der Türe gesehen, dass am 13.9. der Start der Semana Farroupilha. Die ist die Festwoche, in der die Gauchos und ihre Kultur geehrt wird. Wir durften am Fahnenaufzug und am anschliessenden Essen teilnehmen.








Und nun ist das nächste Ziel in Teiletappen den Emas Nationalpark, der aber gut 600 km von Brasilia entfernt liegt.
Das ist wieder einen sehr eindrücklichen Blog und ich habe wieder sehr viel gelernt , ich bin immer wieder überrascht was ihr alles erlebt , die wunderschönen Fotos und die aufschlussreichen Kommentare einfach fantastisch und ihr werdet immer wieder so toll aufgenommen . wünsche euch weiterhin viele schöne beeindruckende Erlebnisse . bin immer bei euch , herzliche Grüsse Mams/Ruth
Danke Mams, Brasilien ist für uns ein wunderbares Erlebnis mit tollen Menschen und einmaliger Gastfreundschaft. Schade, dass wir die Sprache nicht sprechen.
Liebe Grüsse und ♥️♥️
Claudia