Seit unserem Besuch in Tiradentes fahren wir immer weiter Richtung Salvador de Bahia. Dazwischen gibt es noch den einen oder anderen Abstecher. Der erste war Ouro Preto, zu Deutsch schwarzes Gold.



Ouro Preto ist für uns bis jetzt eine der schönsten Städte in Brasilien punkto Sehenswürdigkeiten, Charme und Lebendigkeit. Dies hat sicher auch damit zu tun, dass Ouro Preto eine Studentenstadt ist. Auf kleinem Raum finden sich einmalig schöne, historische Bauten im Barock- und Kolonialstil, allerdings mussten wir uns die Sehenswürdigkeiten verdienen, denn in Ouro Preto, geht es immer hoch und runter – und die Kirchen sind sehr oft oben auf dem Hügel (und Kirchen und Hügel gibt es deren viele). Ouro Preto liegt auf 1’179 m im Bundesstaat Minas Gerais, das bekannt ist für beeindruckende Städte im Kolonialstil. Dazu gehört auch Tiradentes. Dass es in Minas Gerais so viele barocke Kolonialstädte hat, liegt am Goldrausch im 17. und 18. Jahrhundert. Riesige Goldfunde machten die Region sehr reich. Ouro Preto war sogar zwischen 1823 und 1897 die Hauptstadt der Region Minas Gerais.
Da wir wussten, dass die Strassen im historischen Zentrum von Ouro Preto sehr eng, resp. zu eng sind für unser Wohnmobil haben wir beschlossen, in der Nähe von Lavras Novas auf dem Platz Chalé Sitio dos Ventos zu übernachten und von da aus mit einem Taxi nach Ouro Preto zu fahren, was ein weiser Entscheid war. Alle Plätze, wo man angeblich mit dem Wohnmobil stehen könnte, waren durch einen Markt besetzt.


Als erstes haben wir die Basílica Nossa Senhora do Pilar besucht. Es ist eine sehr reichgeschmückte und mit viel Gold ausgestattete Kirche. Es heisst, dass es die zweitreichste Kirche in Brasilien sei. Die reichste steht in Salvador.




Wir haben viele weitere Kirchen besucht, die ich hier nicht namentlich erwähne. Bei den weiteren ist uns aber aufgefallen, dass hier die Restauration irgendwo leicht bizarre Züge angenommen hat. Sowohl Jesus als auch Maria wurde eine Haarpracht mit Perücke verpasst, teilweise bei der Maria mit Zapfenlocken. Ebenso wurde das Gesicht sehr speziell in komisch anmutenden Grautönen restauriert. Vermutlich soll das verhindern, dass die braune Perücke so stark heraussticht. Alles in allem für unseren Geschmack sehr stümperhaft.





Die vielen Häuser im Kolonialstil sowie die schönen Gassen haben uns beeindruckt und wir sind über acht Stunden durch Ouro Preto geschlendert.


















Am nächsten Tag ging es ins Kloster Santuário do Caraça, das in einem privaten Naturschutzgebiet auf 1‘220 m liegt. Zum einen hat uns das Kloster, das heute nicht mehr als solches genutzt wird, gereizt, zum anderen die Mähnenwölfe, die es da zu sehen gibt. Wir haben uns für eine Nacht ein Zimmer genommen.


Das Koster wurde 1779 unter der Leitung von Irmão Lourenço erbaut. Sein grosser Traum war ein Ort, an dem die Menschen ungestört verweilen, beten und studieren können. Fünfzig Jahre lang versuchte er vergeblich, hier eine Hochschule für Knaben einzurichten. 1820, zwei Jahre nach seinem Tod, ging sein Wunsch endlich in Erfüllung: seine Nachfolger, zwei portugiesische Padres, gründeten das “Colégio de Caraça” – die “Hochschule von Caraça. 1968 wütete ein grosser Brand und vernichtete viele Schriften. Die Schule wurde nicht wieder eröffnet. Ein Grossteil der Gebäude wurde wieder aufgebaut und seit ca. 1979 gibt es Gästezimmer. Das Essen ist hervorragend und wird im typischen Buffet-Stiel in ehemaligen Esssälen der Mönche serviert.












Jeweils gegen 20.00 Uhr wird für die Wölfe, es sind heute wohl zwischen 4 und 6 (inkl. einem Leitwolf) Essensreste vor der Kirche bereitgestellt. Die Besucher sitzen im Halbkreis. Man darf sich nicht bewegen oder reden, sonst verschwinden die scheuen Tiere sofort. Das Anfüttern der Mähnewölfe (lobos guará) begann 1982 durch den damaligen Klosterältesten Father Tobias. Er stellte fest, dass die Abfalleimer in der Nacht jeweils durch irgendein Tier durchsucht wird. Er stellte fest, dass es ein Mähnenwolfpaar war, die aber sehr ausgehungert aussahen. Ab da begann er, den Tieren Essen hinzustellen. Dadurch gibt es nun auch die Möglichkeit, die sonst sehr scheuen Mähnenwölfe zu sehen. Unser absolutes Highlight war nach ca. 20.30 Uhr. Alle waren bereits gegangen, da sich der Wolf einmal gezeigt hatte und da es nach 20.30 schon schnell auf ca. 6 Grad runterkühle. Wir waren gut angezogen und genossen mit einem köstlichen Klosterbier die Ruhe, als sich zweimal nochmals ein Wolf zeigte, und zwar nicht der Leitwolf mit Halsband, sondern ein anderer Wolf. Wir haben den Moment sehr genommen.






Der Mähnenwolf ist allerdings kein Wolf, sondern ein Wildhund und gehört zu den grössten Wildhunden Südamerikas. Er ist hochbeinig und schlank wie die grossen Wildhunde Eurasiens und Afrikas. Anders als diese ist der Mähnenwolf aber kein Hetzjäger, dadurch ist es für ihn wohl auch schwieriger, genügend Nahrung zu finden.
Die nächsten Tage sind Fahrtage, wo wir jeweils auf belebten Tankstellen übernachtet haben. Wichtig ist uns immer, dass diese einen 24-Stunden-Betrieb haben und wir sicher stehen können. Der nächsten Ort, wo wir zwei Tage verbringen werden, ist Porto Seguro, ein Ferienort an der Küste.