Karte mit unserer aktuellen Route
Die Einfahrt ab Ausfahrt Autobahn bis zum Stellplatz in Fritz‘ House war rund 40 km, die uns arg zum Schwitzen brachten. Wenn die Strassen zweispurig sind, halten wir uns daran, nicht aber die Auto- und Motorradfahrer. Es wird immer noch rasch eine Spur durch Zwängerei mehr aufgemacht, es wird rechts und links überholt, reingedrückt und wenn wir dachten, dass wir doch nun alle möglichen Eventualitäten bedacht haben, kommen von überall her noch hupenden Töff-Taxis vorbeigeschossen, ganz besonders gern schneiden sie den Autofahrern, egal wie gross das Auto ist, den Weg ab. Aber Motorradfahren können die Jungs – uns hätte es schon lange hingelegt. Selbst die hohen Spurbegrenzer überfahren diese, als ob nichts wäre und das mit einem Passagier auf dem Sozius. Aber wir haben es ohne Zwischenfall geschafft, nach Rio zu gelangen und gestern auch wieder raus aus der Stadt.





Nun aber zu Rio: wir hatten grossen Respekt vor der Kriminalität, v.a. auch Taschendiebe. Aber es war absolut problemlos. Vielleicht liegt es an der Polizeipräsenz an den Touristen-Hotspots, vielleicht liegt es an der Jahreszeit, d.h. es ist noch nicht Hauptsaison oder vielleicht an beidem. Wir haben uns auf jeden Fall immer sicher gefühlt und wurden nie belästigt. Wir haben die Zeit in Rio sehr genossen.
An einem Tag hatten wir uns einen Guide gebucht; José fuhr uns mit seinem Siebenplätzer-Ford Tropivan, der schon ziemlich in die Jahre gekommen ist, wie auch José, durch Rio. Dabei hat er uns auch einiges Wissenswertes von Rio erzählt – hier ein paar Fakten: In der Stadt selber leben rund 6,7 Millionen Menschen, in der Metropol-Region (Ballungsraum) von Rio gut 12 Millionen. Von 1822 – 1960 war Rio die Hauptstadt Brasiliens, was auch viele Gebäude aus dieser Zeit noch zeigen. Es gibt insgesamt gut 70 km Strand, wobei die bekanntestens Strände die Copacabana mit 4 km, Ipanema mit 2 km sind.
Unser Besichtigungstag mit José war eher etwas trüb und es hat auch immer mal wieder genieselt, aber trotzdem schön. Wir waren an vielen schönen Aussichtspunkten, haben die Strände São Conrado, Leblon, Ipanema und Copacabana besucht.














Der nächste Halt war die Altstadt mit ihren teilweise noch gut erhaltenen Gebäuden. Und immer wieder sehen wir tolle Wandmalereien, die magisch anziehen.










Danach sind wir auf den Aussichtspunkt am Morro (Hügel) Dona Marta gefahren. Die Fahrt war ein Abenteuer in sich. Enge Strassen, die steil hinaufgingen, auf ziemlich ausgefahrenem Kopfsteinpflaster. Die Aussicht auf Rio war wunderschön – nur die Christus-Statue wollte sich nie so richtig zeigen. Dafür lässt sich ein guter Blick auf die grosse Favela Santa Marta erhaschen, die am Hang entlang gebaut ist.



















Was natürlich auch nicht fehlen durfte, war die Escadaria Selarón, die bunte Treppe im Viertel Lapa. Die Geschichte über den Künstler, der die Treppe erschaffen hat, ist aus unserer Sicht viel interessanter als die Treppe selbst, die extrem überlaufen ist. Die Selfie-Mania geht uns absolut auf den Keks, an allen möglichen und unmöglichen Stellen werden Selfies gemacht.
Escadaria Selarón wurde vom Chilenischen Künstler Jorge Selarón geschaffen. Er begann im Jahr 1990 aus eigenem Antrieb die beschädigten Stufen der Treppe nahe dem Haus, wo er wohnte und sein Atelier hatte, zu reparieren bzw. zu verschönern. Die Escadaria Selarón mit etwa 250 Stufen, und eine Gesamtlänge von ca. 125 m besteht aus und ist geschmückt von über 2‘000 Fliesen, Keramikkacheln (Azulejos) aus der ganzen Welt sowie Spiegelstücken. Musste er früher die Kacheln noch von irgendwelchen Baustellen holen, wurden sie ihm bald aus allen Ländern zugeschickt, je mehr Leute die Treppe besuchten. Das Werk wurde nie fertiggestellt, da er am 10. Januar 2013 in seinem 65. Altersjahr Tod auf der Treppe aufgefunden wurde; er wies schwere Verbrennungen auf. Es gibt zwei Theorien: die eine besagt, dass er Suizid begangen hat, weil er gemäss seinen Freunden sehr depressiv war. Die andere Theorie besagt, dass am Fusse der Treppe die Drogenmafia einen Drogenhandel aufzog. Selarón versuchte dies zu unterbinden, was nicht gelang. Er beschloss, zur Polizei zu gehen. Am Tag danach war er tot.











Und immer wieder Wandmalereien und alte Käfer, die einfach bildlich festgehalten werden müssen.

Anschliessend besuchten wir die Metropolitankathedrale von Rio de Janeiro. Sie hat eine pyramidenartige Form. In der Kirche gibt es vier schöne Glasfenster, die vom Boden bis in die Kuppel verlaufen. Die Kuppel selbst ist in Kreuzform. Die Kathedrale fasst 20‘000 Gläubige und wurde 1979 fertiggestellt.



Gegen Abend besuchten wir das Benediktinerkloster São Bento, das aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die Kirche innen ist atemberaubend: sie ist gefüllt mit vergoldeten Schnitzereien. Viele von ihnen stammen aus dem Zeitalter des Barocks oder des Rokokos und sind dementsprechend üppig sowie kunstvoll.



Der Abschluss es spannenden Tages bildete ein Blick auf den futuristischen Bau des Museu do Amanhã (Museum der Zukunft). Das Museum wurde von Santiago Calatrava Valls, ein spanisch-schweizerischer Architekt, Bauingenieur und Künstler, entworfen. Der selbe Architekt hat auch das Hauptgebäude der Kanti in Wohlen entworfen.

Am nächsten Tag besuchten wir das Künstlerviertel Santa Teresa, durch welches auch die alte Strassenbahn (Bonde de Santa Teresa) verläuft. Früher wurde die Bahn noch mit Pferden gezogen, heute ist sie vollständig elektrifiziert. In Santa Teresa beleben viele Bars, Restaurants, Künstlerateliers, Wandgemälde und Museen das Strassenbild. Die Escadaria Selarón, die wir am ersten Besichtigungstag schon besucht haben, gehört ebenfalls ins Viertel von Santa Teresa.












Unser Plan war, dass wir am Nachmittag die Zahnradbahn auf die Christus-Statue (Cristo Redentor – „Christus, der Erlöser“ nehmen. Als wir uns für das Ticket anstellen wollten, sagte uns einer der Verantwortlichen, dass es absolut keine Sicht gäbe und alles in Wolken liegt. Er gab uns auch den Tipp, wie wir umbuchen können.
Wir haben umgebucht für den nächsten Tag mit grandiosen Wetteraussichten. Leider waren nur noch Bahntickets für 15.00 Uhr möglich, aber wir hofften, dass das Wetter hält.
Am letzten Tag in Rio sind wir mit der ersten Seilbahn zum Pão de Açúcar (Zuckerhut) auf er Halbinsel Urca. Mit seinem 395 Meter ist er nicht sonderlich hoch, aber durch runde Form ist er zu einem unverkennbaren Wahrzeichen Rios geworden. Der kleine, rundliche Zuckerhut ist Hunderte Millionen Jahre alt und besteht aus eisenartigem Granit. Sein Gestein ist einstmals als Magma aus dem Erdinneren hervorgetreten.
Die Aussicht war sehr schön und wir konnten diese noch mit wenig anderen Touristen geniessen. Bevor wir uns auf den Rückweg gemacht haben, genossen wir noch ein feines Frühstück auf dem Zuckerhut.












Danach ging es an die Copacabana, wo wir uns treiben liessen, die Sonne genossen haben und die Freude der Brasilianer beim Sporttreiben, Geniessen und Sein.













Und dann war schon bald wieder 15.00 Uhr, die Christus Statue auf dem Berg Corcovado ruft. Das Wetter schien es gut zu meinen, so dachten wir. Doch kaum hatten wir das Ticket in der Hand stand drauf „Sem visibilidade“ (keine Sicht). Darf nicht wahr sein – unten sieht es so toll aus und 710 m soll es keine Sicht haben. Egal – wir sind trotzdem eine Stunde angestanden, um die Christus Statue – im Nebel – zu sehen. Diese hat sich uns immer mal wieder kurz gezeigt und wir konnten die enorme Grösse erahnen: Sie ist 30 Meter hoch, steht auf einem Sockel von gut 8 m, in welchem eine kleine Kapelle mit einer schwarzen Madonna eingelassen ist (Eintritt kostet natürlich separat). Die Statue ist Art-déco-Stil und stammt aus dem Jahre 1931. Die Errichtung war aus Anlass der hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens geplant (1822 Erklärung der Unabhängigkeit, 1825 von Portugal anerkannt). Der Bau der Statue begann 1922; Finanzierungsprobleme verzögerten den Bau aber um fast zehn Jahre.






Mit diesem Besuch schlossen wir unsere Besichtigung von Rio ab und fahren weiter nach Petropolis, der ehemaligen Sommerresidenz des brasilianische Kaiser Dom Pedro II.