Karte mit unserer aktuellen Route

Ja – wir leben noch, aber wir hatten keine Zeit, Blog zu schreiben, deshalb gibt es in diesem etwas mehr von uns zu lesen: Brasilien erstaunt uns jeden Tag – von den Leuten her, aber auch von der Grösse des Landes: Brasilien ist 207-mal grösser, als die Schweiz, hat 212 Millionen Einwohner, die Schweiz rund 9 Mio. und es leben 24,9 Einwohner auf 1 km2 in Brasilien, in der Schweiz 218,8 Einwohner. Wobei es zu beachten gibt, dass der Amazonas über 60 % der Fläche Brasiliens ausmacht und da gibt es sehr wenig bewohnbare Fläche. Die Nord-Süd-Ausdehnung Brasiliens beträgt etwa 4‘394 Kilometer. Die grösste Ost-West-Ausdehnung liegt bei etwa 4‘320 Kilometern. Im Vergleich zur Schweiz: Die Nord-Süd-Ausdehnung der Schweiz beträgt maximal 220 Kilometer, während die West-Ost-Ausdehnung etwa 350 Kilometer beträgt.

Nach köstlicher Polenta bei Juarez und Lúcia sind wir von Farroupilha weitergefahren. Da unsere Abblendlicht mal wieder auf einer Seite den Geist aufgegeben hat, sind wir noch in Farroupilha zur Mercedes. Es waren alle sehr nett, aber der sozialistische Beamtengeist ist überall. Wir hätten eine brasilianische Steuernummer bei Mercedes benötigt, damit man für uns Arbeiten erledigen und wir Ersatzteile kaufen können. Nur haben wir das als Ausländer nicht. Nachdem ich gesagt habe, die Halter-Nummer in unserem Fahrzeugausweis sei die Steuernummer (CPF = Cadastro de Pessoas Físicas), diese zufälligerweise auch 11-stellig ist, gingt es dann doch. Es lebe der Sozialismus.

Nach einer Papiertieger-Übung wegen der Steuernummer konnte die Glühbirne endlich getauscht werden.

Wir planten, den Parque Nacional de Aparados da Serra zu besichtigen. Am 17. Dezember 1959 wurde der Parque Nacional de Aparados da Serra mit einer Fläche von 102,5 km² gegründet. Die grösste Attraktion ist der Cânion do Itaimbezinho, eine 5,8 km lange und 600 m tiefe Schlucht mit vielen Wasserfällen. Wegen der grossen Höhenunterschiede gibt es ausdehnte Hochmoorflächen, Regenwald und auch Hochlandwald mit Araukarien (Brasilkiefer).

Am Anfahrtstag hatte es nur geregnet, doch für den nächsten Tag waren die Wetterprognosen recht passabel. Wir durften direkt vor dem Eingang zum Park übernachten.

Unser Übernachtungsplatz vor dem Eingang zum Nationalpark Aparados da Serra

Am nächsten Morgen war das Wetter recht gut, sogar teilweise mit Sonne, aber die Rangerin sagte uns beim Lösen der Eintrittskarte, dass es heute null Sicht hätte, weil Nebel über der Schlucht liegt. Da wir beiden in Brasilien mit ü60 als Rentner gelten, hatten wir 50 % Verbilligung, somit wollten wir uns trotzdem auf die 6 km Wanderung machen. Und es hat sich gelohnt! Wir haben zwar den Cânion do Itaimbezinho und die Wasserfälle nur immer mal ganz kurz gesehen, aber die Dimensionen konnten wir uns mind. vorstellen. Begeistert hat uns aber der schöne Regenwalt und die Rabengeier und auch die kurzzeitigen Sichten auf den Cânion und Wasserfall auf jeden Fall. Wir haben noch einige Bilder aus dem Internet beigefügt welche zeigen, wie es dann aussehen könnte, wäre das Wetter perfekt.

Araukarien-Bäume überall

Mystischer Nebel über dem Regenwald
Interessante Schmarotzer an Nadelbäumen

Rabengeier

Kurzer Blick in den Cânion do Itaimbezinho

… und einer der Wasserfälle
Quelle Internet: der Cânion do Itaimbezinho
Quelle Internet: der Cânion do Itaimbezinho
Quelle Internet: Die Wasserfälle
… über diese Brücken werden wir wieder aus dem Park geführt
Solche Platten, die stark auf die eine oder andere Seite abfallen, führen vom Nationalpark hinunter

Danach sind wir nach Laguna gefahren, das am Atlantik liegt. Dort gibt es ein einmaliges Phänomen oder besser Symbiose zwischen Delfinen und Fischern, die seit über 140 Jahren besteht, zu bestaunen: Delfine, grosse Tümmler, treiben Meeräschen-Schwärme in Richtung der Fischer, die dann ihre Netze auswerfen, um die Fische zu fangen. Diese Kooperation ist von Vorteil für beide Seiten: Die Fischer können mehr Fische fangen, und die Delfine haben eine höhere Überlebensrate, da sie weniger Gefahr laufen, in Netzen von grossen Fischfangboten gefangen zu werden. Die Delfine signalisieren den Fischern mit ihrem Verhalten, wann und wo sie ihre Netze auswerfen sollen. Die Fischer beobachten die Delfine und lernen, ihre Signale zu deuten. Die Zusammenarbeit ist jedoch durch den Rückgang der Meeräschenbestände gefährdet.

Fischer in Laguna
Der Delphin zeigt an, dass der Schwarm an Meeräschen reingetrieben wurde, damit die Fischer die Netze auswerfen können.

… das Netz wird ausgeworfen

… nicht immer ist die Fangquote hoch

Ein Netz, aufgerollt und bereit zum Auswerfen
und die Seemöwe wartet, ob es für sie auch noch was gibt …
… geht doch – das Fest kann beginnen
…. scheint wohl etwas trocken zu sein, also ab ins Wasser mit dem Fisch

Es gibt auch einen kleinen Friedhof, der an die Delfine erinnert, die in Netzen von grossen Fischfangboten verendet oder durch Krankheiten gestorben sind. Jedes der Tiere hat ein Kreuz mit Namen, welche die Fischer den Delfinen gegeben haben.

Freunde für immer – Friedhof der toten Delfine, die angeschwemmt wurden
Für jeden toten Delfin ein kleines Kreuz
Der grosse Tümmler auf dem Hauptplatz in Laguna
… schöne Streetart
Unser Stellplatz in Laguna

Wir haben Blumenau als unseren nächsten Ort angesteuert. Die Stadt wurde 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau gegründet. Es zeugen noch einige Fachwerkhäuser, v.a. an der ehemaligen „Wurststrasse“ von der Gründergeschichte. Einige Leute sprechen auch noch Deutsch. Besonders berühmt ist Blumenau für das grösste Oktoberfest in Brasilien. Allerdings waren wir etwas enttäuscht – wir haben noch mehr schöne Fachwerkhäuser erwartet.

Unser Platz in Blumenau am Centro Cultural 25 de Julho
… Männertoilette

Centro Cultural 25 de Julho

Streetart beim Kindergarten – alles stark abgezäunt
… die Elektrik funktioniert auch so
Arbeiterhaus in Blumenau
Altes Herrschaftshaus in Blumenau

Gemeindehaus in Blumenau

Theater

Neustadt von Blumenau
Oktoberfest-Platz
Was wurde schon gegessen und getrunken

Hier stehen die Bierzelte am Oktoberfest

Es kann gekauft werden, was das Herz begehrt

Die Nacht verbrachten wir am Centro Cultural 25 de Julho – ein Kulturhaus, das die deutsche und brasilianische Kultur fördert. Hier üben verschiedenen Volkstanzgruppen und Blaskapellen, v.a. auch für das Oktoberfest. Eine der Kapellen hat am Abend, als wir vom Ausgang zurückkamen, noch geübt und uns gebeten, mitzusingen. War eine witzige Unterhaltung.

Die Kapelle am Üben für das Oktoberfest

Wir hatten weiter Lust auf Deutsche Kultur und so lag es auf der Hand, dass wir Pomerode angesteuert haben. Da hat es – wie schon oft in den Tagen – wieder geregnet, so dass wir erst am Folgetag einen kurzen Abstecher in die Stadt gemacht haben. Am Abend haben wir uns aber noch ein deftiges Abendessen mit Kalbshaxe gegönnt. Pomerode Ort fanden wir schöner. Gestanden sind wir auf dem Campingplatz „Parkstelle“. Gemäss dem Eigentümer des Campingplatzes sprechen noch über 60 % der Bevölkerung den pommerschen Dialekt. Hier haben wir sogar gutes Brot und Wurst kaufen können.

Schweinshaxe in Pomerode

… und wer nicht laufen mag, kann sich mit diesem Bähnlein durch Pomerode chauffieren lassen
Die Lutheranische Kirche von Pomerode

Nächster Halt war Curitiba, eine brasilianische Grossstadt; die erste, die wir nun auch besuchen und nicht nur weiträumig daran vorbeifahren. Curitiba liegt auf der paranaensischen Hochebene, auf gut 940 m und hat rund 2 Mio. Einwohner. Besonders besuchenswert ist das Oscar Niemeyer-Museum (MON), der botanische Garten, der Torre Panorâmica (Aussichtsturm, gleichzeitig von Brasil Telecom zu Telekommunikationszwecken genutzt) und überhaupt die Stadt selber, die zum Flanieren einlädt.

Wir haben uns für den Stellplatz Só Trailers Camping entschieden, nachdem der Parkplatz etwas mehr im Zentrum, schon voll war. Dies war eine gute Entscheidung, denn da haben wir Tanja und Gunnar mit ihrem Baloo getroffen. Bisher kannten wir sie nur aus Erzählungen von Günther und Brigitte mit Simba. Mit Tanja und Gunnar sind wir dann auch gemeinsam zum MON gefahren (danke für die Uber-Fahrt) und haben am späteren Abend noch gemeinsam ein Glas Rotwein „tütscht“.

Auf dem Stellplatz Só Trailers Camping – vorne links im Versteckten steht Baloo, der Truck von Tanja und Gunnar
Wir mit Tanja und Gunnar

Nachdem wir uns das MON (Oscar Niemeyer-Museum) angesehen haben, eine grosse Beton-Struktur, die aussieht wie ein Auge), liessen wir uns zur Kathedrale fahren und haben von da die Stadt erkundet. Da es Sonntag war, waren die Geschäfte geschlossen, dafür fand ein grosser Strassenmarkt, der Feirinha do Largo da Ordem, statt. Anschliessend sind wir zum botanischen Garten gefahren (mit Uber fahren lassen) und weiter zum Torre Panorâmica. Um dann die Beine noch etwas zu vertreten, sind wir zurück in die Stadt gelaufen und haben uns treiben lassen und unseren ersten Caipirinha genossen. Der traditionelle Caipirnha besteht Cachaça (brasilianischer Zuckerrohrschnaps), Limetten, Zucker und Eis.

MON (Oscar Niemeyer-Museum) – unverkennbar das Auge

Die Passerelle zum MON

Einige Eindrücke aus dem MON
Im Auge des MON

Der lange Gang der zum Lift ins Auge von Oskar Niemeyer führt
Übersetzung: Wenn die Gerade er kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist, ist es die Kurve, die den Beton ins Unendliche treibt (Oskar Niemeyer)

Die Kathedrale von Curitiba

Übersetzung: Ihr glücklichstes Haustier – Werbung für Haustierfutter
Übersetzung: Hier finden Sie Angelausrüstung – Werbung für Fischereibedarf
Schlendern durch Curitiba – mit dem sonntäglichen Markt Feirinha do Largo da Ordem

Das Theater von Curitiba
Dante, der Italienischer Dichter

Blick auf die Innenstadt vom Theater aus

Muttergottes-Abbildung mit Azuleijos – Fliesen

Nippes aller Art

Zitat der Poetin Helena Kolody: Gott gibt jedem einen Stern. Manche machen aus dem Stern eine Sonne. Andere können ihn nicht mal sehen.

… und wieder Streetart

Universität von Curitiba
Aukarien mitten in der Stadt
Der botanische Garten mit dem wunderschönen Gewächshaus

Blüte einer „falschen“ Banane

Blick auf dem Stadt vom Torre Panorâmica
Die Moschee in Curitiba
Und unser erster Caipirinha überhaupt in Südamerika

Danach sind wir immer weiter Richtung Rio de Janeiro gefahren. Und auf der Strecke begegnen man immer wieder der Freiheitsstatue, was aber nichts weiter als das Wahrzeichen der Warenhauskette Havan ist.

Vor den meisten Havan steht eine Freiheitsstatue – Havan ist ein grosse Kaufhauskette in Brasilien (nur Non-Food)

In Itanhaém haben wir in der Pousada Parada dos Guerreiros übernachtet, welcher von einer jungen Familie gefüht wird. Diese waren sehr liebenswürdig, haben uns ihren selbst umgebauten Bus gezeigt und der kleine Sohn Pedro immer wieder seine Kunststücke. Am nächsten Tag haben wir zum Abschied feine Cocos-Guezli erhalten. Natürlich durfte ein Selfie mit der ganzen Gastfamilie und Schwiegermutter nicht fehlen. Und Pedro wollte auch unbedingt die Toblerone, die wir ihm geschenkt haben, mit auf’s Bild.

Auf der Pousada Parada dos Guerreiros
Der Stolz der Familie in umgebauter Bus mit allem, was man sich vorstellen kann
Und zum Abschied ein Selfie ….
… und Cocos-Guezli
Rausfahrt aus der Pousada Parada dos Guerreiros

Als letzter Stopp vor Rio planten wir Paraty ein, eine Küstenstadt mit schöner historischer Altstadt. Dieser Tag brachte uns überhaupt kein Glück: abgesehen davon, dass wir immer und immer wieder hohe Maut-Gebühren bezahlen müssen, da wir mit unseren drei Achsen als Grosslastwagen gelten und wir es müde sind, zu diskutieren, dass wir keinen Gütertransport machen, hatten wir eine sehr unangenehme Havarie. Ein Sattelzug mit Doppelaufleger von 32 m Länge ist uns im Tunnel beim Überholen immer mehr auf unsere Seite gefahren. Da wir daneben die Tunnelwand hatten, war ein Ausweichen möglich. Wir hatten gehupt, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Er ist dann wieder etwas mehr rechts auf seine Spur, ehe er ein brüskes Manöver machte und seinen Sattelzug ruckartig nach rechts zog. Dabei ist der zweite Aufleger gegen unseren linken Aussenspiegel geknallt und es flogen die Teile. Die Spiegel selber blieben an den Kabeln noch hängen. Es war ein riesiger Schreck und der Knall mega laut. Nachdem wir den LKW doch noch überholen konnten, sahen wir, dass der Kerl das Handy auf dem Steuerrad hatte und am Grinsen war – vermutlich Filmchen geschaut! Ein Anhalten war dann erst nach einigen Kilometern möglich. Mit Sika Flex und Klebeband konnten wir dann den Spiegel wieder soweit zusammenflicken, dass er für die weitere Fahrt genutzt werden kann. Den Fahrer, der uns den Schaden zugefügt hat, haben wir noch ein paar Mal gesehen resp. überholt. Und immer hatte er auch hier das Handy auf dem Steuer und Filmchen geschaut.

Hier war alles noch bestens. Auf dem Weg der BR-176 haben wir uns immer wieder über die vielen Termitenhügel gewundert – aber …
… hier begann das Unheil – steile Bergstrecke auf drei Spuren – alle Spuren haben auch die LKWs zum Überholen genutzt
… auf dem Weg zum Tunnel welchselten wir auf die dritte Spur, um …
diesen Sattelschlepper mit Doppelaufleger zu überholen
Dank SikaFlex und Klebeband können wir den Seitenspiegel wieder einigermassen nutzen

Wir sind weitergefahren auf der BR-176. Kurz nach Aparecida sind wir auf die Passtrasse BR-459 abgebogen. Sie war zwar ziemlich eng aber gut zu fahren und landschaftlich sehr schön. Von rund 160 Höhenmeter haben wir uns auf 1‘400 hochgewunden. Auf der Passhöhe angekommen und noch 19 km vor Paraty haben ein Schild, dass die Strecke runter, der Abzweiger BR-165 nach Paraty, wegen Bauarbeiten auf 3 m Höhe und 2,20 m Breite beschränkt ist. So ein Mist aber auch – kein Durchkommen für uns mit 3.20 m Höhe. Also – drehen und zurück. Da es schon am Eindunkeln war, haben wir bei einem etwas speziellen Ort, EcoviLab – Permacultura einen Nachtplatz gefunden. Es ist eine Gruppe von gleichgesinnten, die sich mit Selbstversorgung, Yoga, etc. beschäftigen.

… und hier kommt der entscheidende Hinweis, dass das letzte Stück für uns mit einer Höhenbeschränkung von 3 m nicht passierbar ist.
…. also alles wieder zurück und hoffen, dass man irgendwann die LKWs (sicherer) überholen kann

Und nun sind wir seit gestern Abend in Rio de Janeiro in „Fritz‘ House“, der wenige Plätze zum Campen anbietet. Der Platz ist nicht besonders kuschelig aber sicher und sehr nahe zu den Hotspots in Rio. Und morgen Freitag geht es auf unsere erste Tour in Rio.

Platz bei Fritz‘ House
05.08. – 14.08.2025: Von Farroupilha auf Umwegen nach Rio de Janeiro mit Schreckensmoment

2 Gedanken zu „05.08. – 14.08.2025: Von Farroupilha auf Umwegen nach Rio de Janeiro mit Schreckensmoment

  • August 21, 2025 um 8:25 p.m. Uhr
    Permalink

    Oh, da habt ihr ja nochmals Glück im Unglück gehabt, dass nichts schlimmeres passiert ist. Ärgerlich ist es aber allemal.
    Ich wünsche sichere Weiterreise
    Liebe Grüsse aus Ellmau
    Dani

    • August 21, 2025 um 9:31 p.m. Uhr
      Permalink

      Lieber Dani,

      danke für Deinen Kommentar. Ja – da hatten wir wohl mehr Glück als Verstand. Wir geniessen aktuell Tiradentes.

      Herzliche Grüsse Euch allen – und wandelt weiter auf den Spuren des Bergdoktors
      Claudia und Norbert

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