Karte mit unserer aktuellen Route

Morgens sind wir die Küstenstrasse BR-471 gefahren, welche uns durch das Naturschutzgebiet Estação Ecológica do Taim führte. Diese Landschaft mit Feuchtgebieten, kleinen Lagunen und Dünen hat wenig Höhenunterschiede und bildet deshalb auch ein wichtiger Zwischenlandeplatz von Zugvögeln. Links vom Damm (von Chuí kommend) ist landwirtschaftliche Nutzung mit vielen Kühen, rechts das Naturschutzgebiet. Einen Zugang in das Naturschutzgebiet scheint es nicht zu geben, aber von der Strasse aus hatten wir unzählige Capybaras, viele verschiedene Wasservögel und sogar zwei Kaimane gesichtet.

Cabybaras im Naturschutzgebiet Estação Ecológica do Taim

Neotropical Cormorant (Humboldtscharbe oder Humboldt-Kormoran)
Southern Screamer (Halsbandwehrvogel)
Besen Gottes (ein vom Wind zerzauster Baum)
Kaiman
Coscoroba Swan (Coscorobaschwan) gehört in die Gattung der Entenvögel

Gegen Abend sind wir mit der Fähre von Rio Grande über die Patos Lagoon nach São José do Norte übergesetzt. Unser Nachtplatz war auf dem Campingplatz Morada Água Mansa, der über eine 4 km lange Sandpiste zu erreichen war. Ein sehr schöner Platz mit vielen „Ritiseilis“ – leider lud das kalte und windische Wetter nicht zur Nutzung ein. 

Auf der Fähren von Rio Grande über die Patos Lagoon nach São José do Norte

Die Fähre wird vom Blauweisen Boot geschoben

Idyllischer Platz in Morada Água Mansa

Ritiseilis

Am 1. August sind wir wieder die Sandpiste zurückgefahren. Auf dem Weg haben wir uns über die vielen Cola-, Fanta-, Sprite- und anderen Dosen gewundert, die auf einem Feld standen. Wir wussten gar nicht, dass so diese Getränke wachsen ;-). Wir gehen davon aus, dass diese Dosen die Vögel abschrecken sollen, sich über die Jungpflanzen herzumachen.

So entsteht Cola und Co.

Auf der BR-101 fiel uns die Harzgewinnung auf. An vielen Kiefern hängen schwarze Säcke, mit welchen das Harz aufgefangen wird. Hierfür wird der Stamm angeritzt und danach das Harz heruntertropfende Harz gesammelt. Das Harz wird oft zur Herstellung von Terpentin verwendet, das in verschiedenen Industrien, wie Farben, Kosmetik und Medizin, eingesetzt wird.

Gewinnung von Harz

Häuser auf der Strecke
Häuser auf der Strecke

Unseren 1. August wollten wir natürlich feiern und so sind wir nach Gramado auf gut 800 m.ü.M. gefahren, das von sich behauptet, es sei die Schweiz Brasiliens – nun sei es denn so. Unser Stellplatz war hoch über Gramado auf dem Platz MotorPark. Uber-Fahrdienst sei Dank kamen wir in die Innenstadt.

Campingplatz MotorPark in Gramado

Wir haben uns entschieden, den Nationalfeiertag mit einem Fondue zu feiern. Im Restaurant St. Gallen wurde uns erklärt, wie wir Schweizer Fondue essen, nämlich als Abfolge mit verschiedenen Fondues: Käsefondue mit Fruchtgelée-Würfeln, gebratenem Speck, Trauben, kandierte Kirschen, Trauben, Ananas, Kartoffeln, Brot, etc. Danach Fondue Bourguignon oder Tischgrill mit riesen Auswahl an Fleisch und 10 verschiedenen Saucen; wir konnten bei weitem nicht alles essen. Und der letzte Fondue-Gang – eben, die Schweizer machen das so – kamen drei kleine Töpfe mit schwarzer Schoggi, Milchschoggi und Dulce de Leche, begleitet von Marshmallow, Erdbeeren, Melone, M&Ms, Schokoladen-Guezli und vieles mehr. Danach waren wir einfach pappsatt. Auch wenn es viel und anders war – es war köstlich. Und danach mussten wir dringend noch einen kurzen Verdauungsspaziergang einlegen. 

 
Prost 1. August im Restaurant St. Gallen in Gramado bei unserem Fondue in drei Gängen
Käsefondue

Fleisch auf heisser Platte

Schoggi-Fondue

Nacht- und Verdauungsmarsch durch Gramado
Sang wunderschöne Lieder aus Costa Rica

Kathedrale von Gramado

Noch ein paar Eindrücke von Gramado am Tag

Schlangen vor dem SnowLand, Halle mit künstlichem Schnee, wo man Schlitteln und Skifahren kann

Am nächsten Tag sind wir ins Weingebiet gefahren. Auf der Fahrt von Gramado ins Weinbaugebiet fuhren wir durch Nova Petrópolis, wo ein internationales Folklore-Fest im Gange war. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und haben einige Zeit mit Tanzvorführungen in einer schön geschmückten Ortschaft verbracht.

Folklore-Fest in Nova Petrópolis
Bekanntlich laufen in Deutschland fast alle Männer in diesem Outfit umher ….
Typische Kopfbedeckung für Frauen in Deutschland?

Und dann ging es Richtung Wein. Brasilien verfügt über mehrere Weinbaugebiete, das wichtigste befindet sich auf unserer Stecke im Bundesstaat Rio Grande do Sul, das Vale dos Vinhedos (Tal der Weingärten). Einwanderer aus Norditalien legten im Rahmen der Besiedelung im 19. Jahrhundert an den Steilhängen auf etwa 215 – 620 m über Meer Weinberge an. Aus diesen Ursprüngen entstand das heutige Vale dos Vinhedos. Das Vale dos Vinhedos wird seit 2007 auch von der EU als zertifizierte Appellation anerkannt. Zu den vorwiegend angebauten Rebsorten zählen Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Pinot Noir, sowie zwei eher junge Sorten Marselan (Neuzüchtung zwischen den Sorten Cabernet Sauvignon und Grenache Noir) und Arinarnoa (Neuzüchtung zwischen Tannat und Cabernet Sauvignon). Bei den Weissweinen werden v.a. Riesling, Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Grauburgunder angebaut. Ebenfalls werden sehr gute Schaumweine nach der ursprünglichen Methode (Champagner-Methode) hergestellt. Im Vale dos Vinhedos werden verschiedene Rebenerziehung eingesetzt, wobei die Pergola-Erziehung (auch Parral genannt) die häufigste ist (im Gegensatz zur VSP-Erziehung, d.h Vertikale Spaliererziehung, wie wir diese bei Ojo de Agua in Mendoza gesehen haben und auch bei uns am verbreitesten ist).

Vale dos Vinhedos (Pfeil auf Caca Valduga)
Angekommen im Vale dos Vinhedos (Tal der Weingärten) mit Pergola-Erziehung

Wir besuchten das Weingut Casa Valduga, weil wir auch auf einem speziell ausgeschiedenen Wohnmobil-Parkplatz übernachten durften. Die Geschichte der Familie Valduga begann im Jahr 1875, als drei Brüder aus Rovereto in Italien nach Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens auswanderten und mit dem Weinbau auf gut 670 m.ü.M. begannen. Die Reben wachsen in drei Weinregionen im Süden Brasiliens: Die Regionen Campanha und Serra do Sudeste liegen an der Grenze zu Uruguay. An flachen Hängen auf ca. 300 m über dem Meeresspiegel. Die Rebberge der Serra Gaúcha, dem Hauptanbaugebiet Brasiliens, liegen auf rund 400 bis 680 m.ü.M..

Eingang zu Casa Valduga

Unser Nachtplatz in Casa Valduga

In Casa Valduga haben wir eine Weinprobe gemacht. Andrej, der sehr gut Englisch sprach, hat mit uns Weine ausgesucht und uns durch die Probe geführt. Die Weissweine, auch wenn diese von der Spitzenlinie waren, haben uns nicht überzeugt, da irgndwo auch die Frische fehlte, sowohl bei den Rieslingen, Gewürztraminer als auch bei den Chardonnays. Bei den Rotweinen haben uns der Merlot „Storia“ (italienisch „Geschichte“) sehr gut gefallen. Der Storia ist eine Hommage an das Erbe und die Tradition des Weinguts. Der Storia Merlot ist ein sogenannt ikonischer Wein, der nur in aussergewöhnlichen Jahrgängen hergestellt und in limitierter Auflage verkauft wird.

Der Degustationsraum

Andrej, der uns durch die Degustation geführt hat mit dem „Storia“
Storia – der ikonische Wein

Plötzlich frage ein netterer Herr, ob er sich zu uns setzen dürfte. Andrej verfiel kurz in Schockstarre – als ich dann neben mir kurz auf die Bildergalerie der aktuellen Eigentümer schaute, sah ich den Grund seines Verhaltens: es war João Valduga, der Önologe und Mitbesitzer der Gruppe „Famiglia Valduga“. Da João nur wenig Spanisch und gar kein Englisch sprach, musste Andrej übersetzen. Um 17.30 Uhr wäre die Zeit für Degustationen vorbei gewesen, doch uns wurden immer noch weitere wunderbare Tropfen serviert, teilweise waren diese noch nicht abgefüllt. Die Spitzenweine von Casa Valduga sollten noch mind. 8 – 10 Jahre gelagert werden, ehe sie wirklich trinkreif sind. Da Andrej in den Feierabend wollte, hatte Herr Valduga kurzerhand einen Stammkunden, der eben zum Essen gehen wollte, gebeten zu übersetzen. Somit konnte die Degu in einer erweiterten Runde weitergehen. Ein einmaliges Erlebnis mit schöner Gesellschaft und einigen Weinen, die uns schmeckten.

… ohne Worte
Die heutigen Besitzerfamilien (in der Mitte sitzend ist João Valduga)
Die Besitzerfamilien in der jüngeren Zeit, Herr in der Mitte mit der Flasche João Valduga
João Valduga – der Schaumwein ist übrigens sehr gut
… und rechts der Herr, der übersetzen musste

Am Abend sassen wir unter Platanen und genossen ein feines Angus-Steak mit einen guten Schluck Wein, diesmal Itentidate, ein Cuvée aus Arinarnoa, Marselan und Merlot.

Name des Restaurants, wo wir zu Abend gegessen haben – alles mit Weinflaschen gemacht
Eindrücke von der direkten Umgebung von Casa Valduga – im Regen

Am nächsten Tag – und es soll auch die nächsten zwei Tage nicht besser werden – regnete es heftig. Wir entschieden uns, nicht mehr viele Kilometer zu fahren und sind einer Empfehlung von Martina und Christoph folgend nach Farroupilha gefahren, wo es einen schönen Campingplatz namens Apoio Motorhome Polenta na Estrada gibt. Und hier ist Polenta Programm! Wir kamen kaum an, standen erst vor dem Haus von Juarez und Lúcia, als wir von Juarez zum Mittagessen mit Familie eingeladen wurden – und es gab köstliche Polenta, mit gezupftem (pulled) Schweinefleisch und Gemüse. Danach gab es noch Kaffee und Dessert. Obwohl die Schwester mit Mann und Tochter von Lúcia zu Besuch waren, wurde die Tischrunde einfach vergrössert. Was für eine Gastfreundschaft. Juarez spricht Portugiesisch und etwas Italiensch, Lúcia Portugiesisch und etwas Deutsch, der Besuch nur Portugiesisch und trotzdem haben wir uns wunderbar verstanden. Nach diesem ausgiebigen Mittagessen haben wir uns auf dem Platz installiert und kaum alles eingerichtet, kam Juarez und brachte uns eine grosse Kiste mit Orangen, Äpfel, Mandarinen und Zitronen, alles aus dem eigenen Garten vorbei. Heute arbeiten wir am Blog und auf das Mittagessen wurde von Juarez einen grossen Teller mit Polenta-/Käse-Schnitten serviert. Traumhaft. Übrigens: Juarez hat für die Polentaproduktion extra eine Rührvorrichtung gebaut, mit der er die Polenta während zwei Stunden gleichmässig rühren kann. Dadurch wird diese sehr cremig und sanft, ganz ohne Verwendung von Milch oder Butter.

Köstliche Polenta mit Käse (isst man als Beilage und mit der Hand) sowie gezupftes Schweinefleisch
Lúcia, Juarez und die daneben sind bekannt 😉
Eine Kiste voller Vitamine
Unser Platz im Apoio Motorhome Polenta na Estrada

Heute wollen wir noch die Planung für unsere weiteren Tage machen – alles ist abhängig, ob wir weiter Starkregen haben oder nicht.

Kurzes erstes Fazit zu Brasilien: der Süden ist sehr schön mit einmalig liebenswürdigen Menschen, egal wo wir hinkommen!

31.07. – 04.08.2025: Unsere ersten Tage Brasilien voller Überraschungen

2 Gedanken zu „31.07. – 04.08.2025: Unsere ersten Tage Brasilien voller Überraschungen

  • August 5, 2025 um 6:25 p.m. Uhr
    Permalink

    Vielen dank für den total vielseitigen Bloc es ist sehr eindrücklich und erfreulich was ihr alles erlebt habt
    alles LIEBE und gute FAHRT HERZLICHE Grüsse eure Mams

    • August 5, 2025 um 8:07 p.m. Uhr
      Permalink

      Danke Mams ♥️

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