Karte mit unserer aktuellen Route

Seit dem 07.04. holpern wir vorwärts auf der Carretera Austral.

… willkommen auf der Rüttelspiste

Die Carretera Austral, oder auch Ruta 7 genannt, ist eine 1‘300 Kilometer lange Strasse, die durch den nördlichen Teil des chilenischen Patagoniens führt. Ein grosser Teil davon ist Schotter und ziemlich übles Wellblech. Die Carretera Austral verbindet ihren südlichsten Punkt, Villa O’Higgins mit dem nördlichsten Punkt, Puerto Montt. Die Fernstrasse war eines der wichtigsten infrastrukturellen Vermächtnisse und Prestigeprojekt der Pinochet-Diktatur. Sie hat den Status einer nationalen Längsachse. Bei der Planung spielten militärische Überlegungen eine wichtige Rolle, konkret die Sicherung der Südgrenze Chiles gegen Ansprüche Argentiniens.

Die Carretera Austral erstreckt sich über ein Gebiet, das im Osten durch die Anden von Argentinien getrennt und im Westen durch die engen Kanäle und Fjorde des Pazifiks begrenzt ist. Gewisse Streckenabschnitte sind per Fähren erschlossen.

Das Guanako ist noch unentschlossen, ob wir durchfahren dürfen

Uns wunderte immer, weshalb in Chile so viele Ausdrücke „Austral“ enthalten. Hier die Erklärung: Austral bezieht sich „auf der südlichen Erdhalbkugel befindend“, „die südliche Erdhalbkugel betreffend“ oder einfach südlich. Der Begriff kommt aus dem lateinischen „australis“ = „südlich“.

Wir haben entschieden, von Cochrane, von wo wir auf die Carretera Austral gestossen sind, nach Süden zu fahren, da das Wetter noch immer recht passabel ist und v.a. kein Schnee gemeldet ist. Schnee könnten wir nicht fahren, da auf der Carretera Austral Schneekettenpflicht ist, sobald der erste Schnee fällt, da wir auf unseren 6×6 keine Schneeketten montieren könnten.

In den Herbstfarben ist die Carretera Austral noch schöner und beeindruckender, als wir sie uns vorgestellt haben. Die vielen Seen, die Flüsse – besonders auch der Rio Baker – erstrahlen in Smaragd-Tönen.

Die Herbstfarben akzentuieren das Türkisblau noch stärker

Unser erster Übernachtungsplatz erreichten wir über die X-902 wo wir beim Camping La Araucaria, der eigentlich nur für Zelte ist, auf der Schafweide stehen durften. Wir planten, ins Refuio y Camping Rio Ñadis zu fahren, doch die Brücke war für unser Auto um ca. 5 cm zu schmal. Wir hätten die Seitenspiegel einklappen müssen, was uns zu riskant war.

… diese Brücke war 5 cm zu schmal
Morgenstimmung am Camping La Araucaria

Der südlichste Ort, den wir ansteuerten, war das Küstendorf Caleta Tortel. Caleta Tortel besteht hauptsächlich aus Pfahlbauten, die typisch für die chilenische Architektur sind und mehrere Kilometer entlang der Küste gebaut wurden. Es gibt keine konventionellen Strassen – stattdessen gibt es Holzstege, die mit Guaitecas Cypress (bei uns manchmal als Chilenische Flusszeder bezeichnet) gebaut wurden. Die Holzstege verleihen dem Ort einen ganz besonderen Flair – leider ist alles am Zerfallen, was auf der einen Seite verständlich ist, denn die jungen Leute ziehen weg, zu anderen möchte aber der Ort und die Region genau diese Holzsteg-Architektur touristisch vermarkten. Seit 2003 kann Caleta Tortel über die von der Carretera Austral abzweigende – wie kann es anders sein – Schotterpiste X-904 erreicht werden.

Küstendorf Caleta Tortel
Kleiner aber feiner Kinderspielplatz
… Abfalltrennung, wie es sich gehört

Auf dem Rückweg übernachteten an der X-904 auf dem kleinen Platz El Risquero. Es ist ein kleiner Campingplatz eines Ehepaares, das Selbstversorger ist. Wir hatten uns dort mit Hausmannskost verwöhnen lassen – es war köstlich.

Camping El Risquero

Auf unserem Weg weiter Richtung Norden machten wir Halt an der Confluencia (Zusammenfluss) des Río Baker und des Río Neff. Der Zusammenfluss der beiden Flüsse bildet einen wunderschönen, mehr als 10 Meter hohen Wasserfall, der einen eindrucksvollen Kontrast zwischen dem türkisfarbenen Wasser des Baker River und dem trüben Wasser des Nef River, gespiesen vom Neff-Gletscher, bildet (und mit Sonne wäre es noch eindrucksvoller).

Confluencia (Zusammenfluss) des Río Baker und des Río Neff

Das schöne hier in Südamerika ist, dass man sich einfach irgendwo abseits der Strasse hinstellen und die Nacht verbringen kann, da es sicher ist (ausser in der Nähe von grösseren Städten).

… Nachtplatz irgendwo an der Carretera Austral

Danach sind wir weiter Richtung Puerto Río Tranquillo gefahren, weil wir uns das Santuario de la naturaleza Capillas de Mármol (Naturschutzgebiet der Marmorkapellen) ansehen wollen, die im Lago General Carrera liegen.

… schönes Brückenbauwerk

Wir kamen am Donnerstag an und haben uns für Freitag eine Schiffsfahrt gebucht, obschon wir wussten, dass trübes Wetter sein wird, aber mind. kein Regen. Für die folgenden Tage wurde wieder stärkerer Regen und vor allem Wind vorhergesagt, was allenfalls eine Bootsfahrt verunmöglicht. Normalerweise fragen wir, wieviel Uhr es sei, aber genau dieses Mal nicht. Doof – denn die Region Aysén hat nicht, wie die anderen Regionen in Chile, auf Winterzeit umgestellt. Somit kamen wir zu unserer Bootsfahrt, die um 09.00 Uhr gestartet wäre, eine Stunde zu spät. Zum Glück war der Anbieter der Bootstour flexibel und wir durften an der Tour um 11.00 Uhr teilnehmen. Jä nu – nun wissen wir: immer Uhren vergleich!

in Puerto Río Tranquillo angekommen

… es scheint, dass auf der Satellitenschüssel der Teufel aufgemalt ist – aber es ist der lokale Pfarrer

Der Lago General Carrera (Chile) resp. Lago Buenos Aires (Argentinien) ist ein See in Chile und Argentinien, wobei 52 % zu Chile gehören und 48 % zu Argentinien (Zahlen wurden uns durch einen Chilenen) genannt, dürfte genau umgekehrt sein, wenn wir einen Argentinier gefragt hätten. Der See weist eine Gesamtfläche von rund 1‘850 km² auf (mehr als dreimal so gross wie der Bodensee). Er ist nach dem Titicacasee Südamerikas zweitgrösster See.

Die wilden Strömungen des Sees Lago General Carrera haben ein Meisterwerk aus Stein, Farbe und Licht geschaffen. Die grösste Attraktionen des Sees sind die als Catedral de Mármol (Kathedrale), Capilla de Mármol (Kapelle) und Cavernas de Mármol (Höhle) bekannten. Die Marmorhöhlen entstanden durch eine Kombination aus Erosion und Verwitterung, die über Millionen von Jahren auf die Marmorgesteinsformationen einwirken. Das Gebiet, in dem sich die Höhlen befinden, war einst von einem alten Meer bedeckt, und die Kalksteinablagerungen aus den Schalen von Meeresorganismen wurden im Laufe der Zeit komprimiert und erhitzt und verwandelten sich in Marmor.

Die Höhlen selbst sind durch die ständige Einwirkung der Wellen des Lago General Carrera entstanden, der an die Marmorfelsformationen grenzt. Die starken Winde und Wellen des Sees haben im Laufe der Zeit den Marmor erodiert und komplizierte Muster und Formen in den Fels gehauen.

Santuario de la naturaleza Capillas de Mármol

Nach der schönen und beeindruckenden Bootstour bei sehr herbstlichem Wetter und zum Schluss Nieselregen fuhren wir die Carretera Austral nordwärts und erfreuten uns den tollen Herbstfärbungen – ein wahrer Indian Summer – auch wenn uns statt Sonnenstrahlen Regen begleitet.

Buff Necked Ibis (Schwarzzügelibis oder auch Brillenibis)

Gunnera tinctoria (Mammutblatt)
Viele schöne Brücken führen über die Flüsse
Nettes Plätzchen
Blick in das Tal

Leider haben wir noch keinen Huemul gesehen

… und Füchse gibt es auch

… Knusperhäuschen

Kurz vor dem Ort Villa Cerro Castillo erreichten wir wieder Asphalt, nach den gut total 1‘200 km auf Schotter, Schotter und Wellblech oder Schotter und faustrgrosse Steine mit und ohne Wellblech, war unser Bedarf mal gedeckt. Nicht, weil unser Fahrzeug es nicht fahren könnte, aber es macht uns nicht Spass, ständig durchgerüttelt zu werden.

Nun bleiben wir mal wieder für zwei Tage auf einem Campingplatz in Coyhaique, da wir Wäsche waschen und auch den Regen etwas aussitzen wollen.

07.04. – 13.04.2025: Gut durchgerüttelt auf der Carretera Austral – Teil 1

6 Gedanken zu „07.04. – 13.04.2025: Gut durchgerüttelt auf der Carretera Austral – Teil 1

  • April 14, 2025 um 10:28 a.m. Uhr
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    Das ist ja wieder einen total überwältigender Block und überaus vielfältig teilweise totale Herbstfarben ,da kann ich mir gut vorstellen dass es eure Erwartungen total positiv übertrifft . Vielen Dank dass Ihr uns auf dieses Abendteuer mitnehmt , es ist schwer beeindruckend. auch die spannenden Informationen zu den wundervollen Fotos , einfach phänomenal . wünsche euch eine gute Weiterfahrt mit besseren Strassen ganz liebe Grüsse Mams

    • April 14, 2025 um 11:11 a.m. Uhr
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      Danke Mams, haben eben gesehen, dass es ab heute in 40 km wieder auf Schotter und Wellblech weitergeht . Liebe Grüsse ♥️♥️

      • April 15, 2025 um 6:56 a.m. Uhr
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        aber bitte lasst euch Zeit !!!!!!

        • April 15, 2025 um 9:46 a.m. Uhr
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          … das mached mer

  • April 20, 2025 um 6:09 a.m. Uhr
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    Ha ha
    Das mit der Zeitverschiebung kennen wir. Nur waren wir eine Stunde zu früh am Ort und waren sehr erstaunt, dass niemand vor Ort war.
    Es wäre sehr schade gewesen, wenn ihr nicht an dieser eindrücklichen Bootstour hättet teilnehmen können.
    Liebe Grüsse und gute Weiterreise.
    Dani

    • April 20, 2025 um 12:40 p.m. Uhr
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      Genau – seit dem machen wir immer Uhrenvergleich. Die Handys kommen damit noch nicht klar und wechseln immer mal wieder die Zeitzone. Heute mussten wir um 7 Uhr an der Fähstation sein und habe sicherheitshalber die Handy auf Flugmodus gestellt, damit der Wecker richtig weckt.

      Liebe Grüsse und schöne Ostern
      Claudia

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