Früh morgens fuhren wir zum Torres del Paine Nationalpark.

Und Gauchito Gil wacht auch hier über uns

Der Nationalpark ist 1’814 km2 gross und beeindruckt mit seiner vielfältigen Landschaft mit Seen, Berge, Flüsse, Gletscher, Wälder; aber auch der Hoffnung, Pumas zu sehen. Der Hauptanziehungspunkt sind die „Torres del Paine“, denen der Park auch seinen Namen verdankt. Es sind drei in den Himmel ragende Granitnadeln. In der indigenen Sprache heisst Torres del Paine so viel wie „Türme des blauen Himmels“ – diesem Namen werden die drei Türme besonders bei sonnigem Wetter gerecht.

Am ersten Tag, d.h. unmittelbar nach Ankunft im Park, haben wir haben einen gemütlichen Spaziergang zum Lago Grey gemacht, von wo aus wir den Grey-Gletscher sehen konnten.

Die Berglandschaft des Nationalparks

Lake Grey
Sicht auf den Grey Gletscher

Im Nationalpark gibt es einige wenige Möglichkeiten, wo man offiziell mit dem Camper stehen darf, so zum Beispiel bei der Parkadministration/Besucherzentrum.

Am nächsten Tag ging es zum Salto Grande Wasserfall und weiter zum Cuernos (Hörner) Lookout. Der Salto Grande ist der grösste Wasserfall im Torres del Paine Nationalpark und fliesst vom Lago Nordenskjöld in den Lago Pehoé, wobei er einen tiefen Canyon ausbildet. Unweit des Wasserfalls befindet sich der Mirador Cuernos, ein idyllischer Aussichtspunkt am Lago Nordenskjöld mit prächtigem Ausblick auf die Gipfel der Cuernos und des Paine Grande. Die Wanderung führt über gut 7 km durch eine schöne Moorlandschaft. Sie wirkt sehr mystisch, weil es so viele abgestorbene Baumstämme hat, die das ganze sehr bizarr erscheinen lassen. Der Grund sind zwei verheerende Waldbrände: Am 17. Februar 2005 brach ein Waldbrand im Park aus. Dabei wurden mehr als 15’000 Hektar Wald vernichtet. Ein weiteres Feuer Ende Dezember 2011/Anfang 2012 zerstörte über 14’000 Hektar Wald. Beide Brände wurden von Touristen durch Unachtsamkeit verursacht.

Vorsicht Puma –

Salto Grande Wasserfall

Zeugen des Waldbrandes

Lago Nordenskjöld mit prächtigem Ausblick auf die Gipfel der Cuernos und des Paine Grande
Guanako

Am nächsten Tag nahmen wir uns DIE Wanderung schlechthin vor. Und zwar zum Aussichtspunkt „Mirador Base Las Torres“. Von unserem Startpunkt aus, las Torres Camping, waren es 16 km und 1’500 Höhenmeter – ein Weg wohlgemerkt, d.h. 32 km total. Wir haben – verbotenerweise aber mangels Alternativen – auf dem Parkplatz für 4×4 Camper übernachtet. Neben uns haben es noch mehrere andere so gemacht, da alle am Morgen früher mit der Wanderung starten und nicht erst über eine Stunden anfahren wollten. Wir sind um 07.00 Uhr mit unserer Stirnlampe gestartet, um erst mal zum Ausgangspunkt der Wanderung zu kommen. Kurz vor dem ersten Anstieg konnten wir aber nicht weiter, weil ein junger Puma uns den Weg versperrte. Er fand es wohl ganz amüsant zu sehen, wie wir reagieren und wir hatten das grosse Glück, unseren ersten Puma zu sehen. Win-Win für beide. Wenn man bedenkt, dass es nur rund 100 Pumas auf 1’814 km2 (etwas grösser als der Kanton Zürich) gibt, hatten wir schon einen Glückstreffer. Nach gut einer halben Stunde hat sich der Puma dann nicht mehr für uns interessiert und ging seinen Weg weiter.

Auf dem Weg zum 4×4 Parkplatz Las Torres – wir haben die neuere Brücke gewählt
Unser erster Puma – Morgenstund hat Gold im Mund

Wir sind auf steinigen Pfaden, Schotter, durch kristallklare Bäche sowie entlang grüner Wiesen bergauf und bergab gelaufen, grundsätzlich aber immer mehr hoch als runter. Die ersten 13 km gingen ganz flott und wir waren vor der geschätzten Zeit am Zwischenpunkt, doch unsere Freude wurde bald getrübt. An der letzten Rangerstation stand, dass es noch 1.5 km seien, geschätzt eine Stunde Wanderzeit. Denkste – es wurden dann gut 2.5 Stunden, der letzte Teil zum Aussichtspunkt „Mirador Base Las Torres“, hat es in sich: Der aus Geröll und Felsen bestehende Weg führt in einer 45 Grad Steigung steil bergauf und verlangt einiges an körperlicher Fitness (die uns fehlt) und Trittsicherheit. Nach viel Fluchen und Selbstzweifel kamen wir oben an und es hat sich gelohnt.

So führte der Weg zum Mirador des Los Tres

…. nein – es geht nochmals um die Kurve und nochmals gut 20 Minuten

Geschafft – der Mirador de Los Tres

Der Abstieg war dann ziemlich nervtötend, da immer noch viele Wanderer zum Aussichtspunkt wollten und die engen Passagen ein Reissverschlusssystem erforderten. Viele schafften es aber einfach nicht, weil es zu anstrengend war – aber auch diese hatten ein einmaliges Panorama auf die Torres. Im Refugio Chileno machten wir Halt und musste uns erst sammeln, ehe wir wieder die verbleibenden (stöhn, ächz, würg) 13 km zurückliefen. Und nein – es ging nicht nur runter – es ging immer wieder ganz fies hoch. Die Wanderung war wunderbar, aber enorm anstrengend. Am Schluss haben wir uns noch ein kühles Bier beim Besucherzentrum Torres gegönnt. Wir waren so geschafft, dass wir noch nicht mal etwas essen wollten. Beide waren froh um die Dusche und das Bett – und wir haben noch eine zweite sehr ruhige Nacht auf dem las Torres Camping verbracht.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit zwei Guides auf der Suche nach weiteren Pumas. Und wir wurden fündig – am späteren Vormittag sahen wir ein Puma-Weibchen in unmittelbarer Nähe, das auf der Jagd nach einem Guanako war. Wir haben gut zwei Stunden das Schauspiel der (erfolglosen) Jagd beobachtet. Der Puma hatte während unserer Beobachtung die Strasse gequert und ist direkt an Norbert vorbeigelaufen. Zum Glück hatte er nicht ihr Interesse geweckt.

… zuerst sahen wir nur das Guanako und dann …
… den Puma

… er hat das Guanako nicht erwischt

… sieht etwas nach Schadenfreude aus
Einmalige und seltene Spiegelung mit den Torres del Paine
In diesem Haus ist unser Guide, Pepe, aufgewachsen.
… mein Name ist Hase

Ein Gürteltier – aber bisher haben wir sie nur auf Schildern oder Tot gesehen

Nebst dem Puma sahen wir auch Guanakos – die Beute, hinter der die Pumas her sind, Crested Caracara (Schopf-Karakara), der zu den Falken gehört und Black-Chested Bussard-Eagle (Andenbussard), der in die Familie der Adler gehört.

 

Black-Chested Bussard-Eagle (Andenbussard)

Die letzte Nacht im Park genossen wir auf dem offiziellen Park-/Stellplatz am Lago Azul.

Die Torres im Morgenlicht

Unser schöner Platz am Lago Azul

Am Morgen sind wir aus dem Park rausgefahren. Auf dem Weg sahen wir plötzlich grosse Vögel am Boden – es waren Andenkondore, die sich an einem toten Schaf gütlich taten, das wohl am frühen Morgen von einem Puma gerissen wurde. Die Andenkondore gehören zu den Geiern und haben ein Gewicht von bis zu 15 kg und weisen eine Flügelspannweite von gut 3 m auf.

Und die Andencondore sind ein Festlaune

Ein Zorro oder eben Fuchs hat auch noch etwas vom Schaf abgekommen

Der Bauer stellt den Verlust seines Schafes fest

Und weiter geht es nach El Calafate zum Perito Moreno Gletscher – im nächsten Blog.

Und von Chile geht es wieder nach Argentinien über den kleinen Grenzübergang Cerro Castillo
23.03. – 27.03.2025: Zum und im Torres del Paine – DER Nationalpark in Chile

4 Gedanken zu „23.03. – 27.03.2025: Zum und im Torres del Paine – DER Nationalpark in Chile

  • März 30, 2025 um 5:42 a.m. Uhr
    Permalink

    Mit diesen eindrücklichen Bildern konnten wir sehen, wie der Park bei schönem Wetter aussieht. Bei uns war es regnerisch, wolkenverhangenen, sehr windig und kalt. Ein Tag zuvor wurde der Park geschlossen, da es bei einem Bus durch herumfliegende Steine die Scheibe eingedrückt hat.
    Hoffentlich bleibt bei euch das Wetter gut.
    Liebe Grüsse
    Dani

    • März 30, 2025 um 8:42 a.m. Uhr
      Permalink

      Sehr gerne – ui, das ist dann heftig. Wir haben die Windy-App und je nachdem meiden wir Gebiete. Liebe Grüsse

  • April 2, 2025 um 3:39 p.m. Uhr
    Permalink

    Liebe Claudia
    Ich war lange nicht mehr auf eurem Blog. Fantastisch, was ihr alles erlebt. Ihr macht auch viele tolle Bilder von Tieren und der Landschaft. Ich habe gestaunt, wie viele verschiedene Tiere ihr auf eurer Antarktistour gesehen habt. Ich war damals im November unterwegs und habe deshalb u.a. keine Orcas gesehen. Toll ist das Bild mit der Robbe und dem Pinguin – perfekt die Action eingefangen. Auch die Pumabilder sind sehr eindrücklich.
    Ich freue mich auf eure weiteren Bilder.
    Liebe Grüsse
    Giovanni

    • April 2, 2025 um 8:31 p.m. Uhr
      Permalink

      Hallo lieber Giovanni

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja – wir waren wirklich sehr happy. Tolles Wetter und so viele unterschiedliche Tiere inkl. der Pinguine. Die Leopard-Robbe war in der Tat sehr speziell, wir haben wir über eine halbe Stunde zugeschaut. Die Orcas waren absolut unerwartet – wir haben zwar immer wieder welche gesehen und plötzlich kam die grosse Anzahl Orcas in die Nähe des Expeditions-Schiffs. Der Captain hatte dann beschlossen, dass wir die Zodiacs rauslassen, damit wir etwas näher an die Orcas kommen. Was wir da nicht wussten war, dass die Orcas auch näher zu uns wollten. War ein tolles Erlebnis.

      Liebe Grüsse und auf weitere Bilder – sind im NP Los Glaciares
      Claudia

Die Kommentare sind geschlossen.