Der Besuch in Dieter Meier’s Bodega Ojo de Agua war ein absoluter Höhepunkt und der Ritt von 1‘400 km von Uruguay nach Mendoza hat sich mehr als gelohnt. Wir haben Urs Schürmann getroffen, der uns zu der Weinhändler-/Gastronomen-Reise für den Teil Bodega Ojo de Agua eingeladen hat.

Wir verbrachten einen sehr informativen und köstlichen Abend bei einer Parilla (Grill) und erlesenen Weinen. Der Sonntag galt dem Besuch der „Weinberge“ in der Ebene und einer weiteren Weinverkostung. Am Nachmittag fuhr die Weinexperten-Gruppe weiter und wir hatten das gesamte Weingut mit der einmaligen Parkanlage ganz für uns, die wir nach einem köstlichen Mittagessen genossen haben.

Ojo de Agua ist ein Vorzeigebetrieb für Bio und Biodiversität, was sowohl die Tierwelt wie auch die Pflege der Reben betrifft.

Unser Stellplatz auf der Bodega

Vollernte-Maschine
Kostbare Tropfen im Barrique-Keller

Zuverlässiger als Wachhunde
Der Grill ist bestückt

Weinreben mit Blick in die Anden

Das Grün zwischen den Reben wird geschnitten und mit Erde vermischt als Dünger.

Löschteich mit Wasserspiel

Ein Ritt durch die Weinberge

Ein saftiges, zartes Steak von der Hacienda Ojo de Agua

Am Montag sind wir Richtung Anden (Chile) gefahren über die RN 7 und RN 149 in den Nationalpark El Leoncito gefahren. Die RN 149 ist landschaftlich sehr schön und wir haben hier unsere ersten Guanakos gesehen. Das Guanako ist eine wildlebende Art innerhalb der Familie der Kamele. Die Tiere haben eine Schulterhöhe von ca. 120 cm und sind zwischen 100 und 120 kg schwer.

Warnung vor Nandus, die wir aber noch nicht gesehen haben

Guanako

Überall auf den Landstrassen finden sich unterschiedliche Heiligenschreine, besonders viele sind Gauchito Gill und Difunta Correa (verstorbene Correa). Zu diesen beiden gibt es verschiedene Sagen:

Gauchito Gill (kleiner Gaucho Gill) (* um 1840 als Antonio Mamerto Gil Núñez in Mercedes in der Provinz Corrientes; † 8. Januar 1878) ist ein in Argentinien sehr populärer Volksheiliger, der zwar von der katholischen Kirche nie anerkannt wurde, aber Bestandteil der Volksfrömmigkeit vieler Argentinier ist. Die Legenden um Gauchito Gils Leben widersprechen sich zum Teil, aber alle sagen aus, dass er ein Landarbeiter war, der wegen eines echten oder angeblichen Verhältnisses mit einer reichen Witwe in grosse Schwierigkeiten geriet (Die Brüder der Witwe waren gegen ihn, sowie ein Polizist, der auch die Witwe liebte). Um den Schwierigkeiten zu entgehen, schloss sich Gauchito Gil der Armee an. Im späteren argentinischen Bürgerkrieg desertierte er, um nicht eigene Landsleute umbringen zu müssen, und versteckte sich im Wald. Nach manchen Legenden war er in dieser Zeit so etwas wie der argentinische Robin Hood – bestahl die Reichen und gab es den Armen. Als er schlisslich doch gefangen wurde, hängte man ihn Kopf über an einen Mesquitenbaum (Mimosengewächs), um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen, und folterte ihn. Als der Henker ihn töten wollte, sagte Gauchito Gil, dass sein Sohn todkrank sei, er aber wieder gesund würde, wenn er zu ihm, Gauchito Gil, betete, andernfalls würde der Sohn sterben. Der Henker glaubte ihm nicht, vollzog das Urteil und schnitt Gauchito Gil die Kehle durch. Als der Henker nach Hause kam, war sein Sohn sehr krank, er betete zu Gauchito Gil und sein Sohn wurde gesund. Der Henker baute Gauchito Gil als Dank ein kleines Heiligtum (heute die Hauptpilgerstätte in Corrientes) und erzählte allen Leuten vom wundersamen Gauchito Gil. Kleine Schreine mit roten Fahnen befinden sich an sehr vielen Orten in Argentinien am Rand von Landstrassen. Heute gilt Gauchito Gil als eine Art Patron von Auto-, Bus- und Lastwagenfahrern, es ist üblich, zu hupen, wenn man an einem Schrein vorbeifährt, um Gauchito Gil damit zu grüssen. Im Gegenzug hofft man auf eine unbeschwerliche und unfallfreie Reise.

Schrein vom Gauchito Gil

Difunta Correa (die verstorbene Correa, eigentlich María Antonia Deolinda y Correa) begab sich 1841 mit ihrem Säugling in die Wüste, als in Argentinien Bürgerkrieg herrschte. Kurz nach ihrer Entbindung war ihr Mann von der Montonera, Freischärler im Bürgerkrieg gegen die unitarischen Regierungstruppen, verschleppt worden. In ihrer Verzweiflung wollte sie dem Verschleppten durch die Wüste folgen und zog los. Tage später fand eine Gruppe von Maultiertreibern die Correa tot in der Wüste. Das Kind hatte wie durch ein Wunder überlebt. Dank der Muttermilch war es nicht verdurstet.

Der Leichnam der Mutter wurde von den Gauchos bei einem nahen gelegenen Hügel begraben. Ihr Grab ist heute ein berühmter Wallfahrtsort in der Nähe von Vallecito in der Provinz San Juan. Vor allem LKW-Fahrer verehren sie, da sie die Schutzheilige der Reisenden darstellt. Oft findet man in Argentinien kleine Schreine der Difunta, bei denen die gläubigen Fahrer Halt machen und dort Wasserflaschen für die Verdursteten zurücklassen.

Einer der vielen Schreine zu Ehren von Difunta Correa

Der Nationalpark El Leoncito wurde am 15. Oktober 2002 als Nationalpark unter dem Namen „Parque Nacional El Leoncito“ gegründet, mit dem Ziel, die reiche Biodiversität der Region sowie ihre wertvollen geologischen und landschaftlichen Ressourcen zu schützen. Der Name „El Leoncito“ leitet sich von einem der Flüsse ab, die den Park durchqueren. Es soll dort auch Pumas geben, die wir aber (leider) nicht gesehen haben. Der Park ist bekannt für seine vulkanischen Gesteinsformationen und weiten Ebenen. Die bunten Landschaften sind das Ergebnis von Erosion und dem Lauf der Zeit. Dank seines trockenen Klimas mit sonnigen Tagen und kalten Nächten gilt der Park als einer der besten Orte im Land für die Astronomiebeobachtung. Aufgrund der geringen Lichtverschmutzung und des trockenen Klimas beherbergt der Park zwei astronomische Observatorien, das Carlos U. Cesco Observatorium (CESCO) und das El Leoncito Astronomical Center (CASLEO), wo Besucher die Sterne und Planeten bewundern können. Leider war die Nachtführung schon ausgebucht, deshalb haben wir uns für die Führung am Tag entschieden. Nebst einem 2,15 Meter durchmessende Spiegelteleskop und weiteren Instrumenten wird ein riesiges Radioteleskop in enger Zusammenarbeit mit China gebaut, das in ca. einem Jahr, mit gut drei Jahren Verspätung aufgrund Covid, in Betrieb genommen wird.

Köstliches Abendessen mit Milanesa (parniertes Kalbsschnitzel) im El Leoncito

Besuch in der Sternwarte El Leoncito Astronomical Center (CASLEO)

Das Radioteleskop – Projekt gemeinsam mit China – im Bau

Am nächsten Tag sind wir weiter entlang der RN 149 gefahren, zur Talsperre Quebrada de Ullúm. Sie ist eine Talsperre mit Wasserkraftwerk und staut den Río San Juan zu einem Stausee. Die Landschaft erinnert etwas an die Badlands in Utah. Auf einem Campingplatz Palmar de Lago (Campingplatz ist hier etwas weit hergeholt) haben wir das Gewitter mit Hagel ausgestanden.

Eine klevere Schranke der Polizei: damit diese nicht an der Strasse stehen müssen, wird man so direkt vor das Kabäuschen der Verkehrspolizei geleitet

Die Talsperre Quebrada de Ullúm

Über die Ruta 40, welche hier in einem schlechten Zustand ist und sich als sehr langweilig präsentiert, sind wir nochmals nach Mendoza gefahren, um uns die Stadt anzusehen. Die Stadt wurde im Jahr 1561 von Pedro del Castillo gegründet und nach García Hurtado de Mendoza, dem Gouverneur von Chile benannt. Am 20. März 1861 zerstörte ein Erdbeben die Stadt vollständig, so dass heute aus der Kolonialzeit nur noch die Ruinen der Kirche des Hl. Franziskus erhalten sind. Bei dem Beben mussten etwa 6‘000 der 18.600 Einwohner, also rund ein Drittel der Bewohner, ihr Leben lassen. Zwei Jahre später wurde die Stadt erneut aufgebaut. Heute lädt die Stadt zu Weinverkostungen und v.a. zum Flanieren mit vielen Kaffees ein.

Auf der Placa de la Independenzia
Gluschtiges Glacé
Auch das funktioniert 🙂

Das Edificio Gómez

1976 stürzte das Militär in Argentinien die Regierung Perón. In der Folge herrschte sieben Jahre lang ein diktatorisches Regime, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. An der Nationalbank hängen Bilder von Leuten, die aufgrund ihrer Mitgliedschaften, z.B. bei Studenten- oder Jugendvereinigungen und ihrer Meinungen umgebracht wurden.

Der Befreier General San Martín
Basilica San Francisco

Im Zentral-Markt

Die Plaza España mit wunderschönen Darstellungen in Keramik

Karte unserer Reise durch Südamerika

25.01. – 29.01.2025: Begeistert von köstlichen Weinen ging es in die Wüste und wieder zurück nach Mendoza