Uruguay, auch die Schweiz Südamerikas genannt, zählt 3,4 Millionen Einwohner und fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Montevideo. Uruguay ist nach Suriname der zweitkleinste Staat Südamerikas. Aber – Uruguay – ist viermal grösser als die Schweiz, hat aber nicht einmal halb so viele Einwohner.

Montevideo, die Hauptstadt von Uruguay, erstreckt sich rund um die Plaza de la Independencia, wo sich einst eine spanische Zitadelle befand. Heute ist nur noch das Steintor (la Puerta de la Ciudadela) aus dem Jahre 1833 von dieser Zitadelle übrig. Der Platz der Unabhängigkeit führt zur Altstadt (Ciudad Vieja) mit Art-déco-Gebäuden, Kolonialhäusern und verschiedenen architektonischen Wahrzeichen einschliesslich des hoch aufragenden Palacio Salvo und der neoklassischen Konzerthalle Solís Theater, die 1856 eröffnet wurde. Der Mercado del Puerto ist ein alter Hafenmarkt mit vielen Steakhäusern und kleinen Läden. Uns hat Montevideo sehr gut gefallen und wir werden die Tage mit unserem Mietwagen nochmals hinfahren, um a) das Museo del Gaucho zu besuchen, b) die Hafengebühren zu bezahlen und nochmals etwas durch die Stadt zu laufen.

Den Namen erhielt Montevideo übrigens nach von dem gegenüber dem Hafen gelegenen, 132 m hohen Stadthügel (span. monte „Berg“), dem Cerro de Montevideo, auf dem eine Festung thront. Wobei es verschiedene andere Namensbegründungen gibt, doch diese scheint uns plausibel.

Wir sind an verschiedenen Tagen durch die Stadt geschlendert und haben uns vom bunten Treiben und von den aufgestellten Leuten treiben lassen.

Der Plaza Independencia mit der 17 m hohe und 30 Tonnen schwere Statue von José Artigas, der für die Unabhängigkeit Uruguays gekämpft hat.

Frisches Gemüse und Früchte auf einem Markt

Schönes Art-déco-Beispiel
Eines unser Lieblings-Kaffees
la Puerta de la Ciudadela
Ein Blick vom Aussichtsturm auf Montevideo

Schnurgerade Strassenzüge – mit Käfer

Das Theatro Solis

Brunnen auf dem Plaza Matriz oder auch Plaza Constitución

Den Durst am späteren Nachmittag haben wir in der Micro-Brewery «Indica Beer» gelöscht, wo wir beim zweiten Mal uns auch mit Matthäus, dem Sohn eines guten Freundes von Norbert, getroffen haben.

Die Micro-Brewery Inca-Beer
Matthäus

Auch besonders gut gefallen hat uns die Rambla, die Uferstrasse in Montevideo, die sich über 22 km erstreckt. Wir sind deren 9 km (hin und zurück 18 km) gelaufen und sind an kleinen Beizlis, schönen Parks und verschiedenen Plätzen vorbeigekommen, wo sich die Leute sonnten oder spielten – einfach schön halt.

Fischer leben gefährlich

Und immer wieder Wandmalereien, auch an der Rambla

Entlang der Rambla

Schachspieler im Rodo Park an der Rambla
Guillermo Tell im Rodo Park an der Rambla

Am Anfang der Rambla liegt auch der Zentralfriedhof von Montevideo (Cementerio Central). Er ist (eher wohl war) einer der bedeutendsten Friedhöfe der Landeshauptstadt Montevideo und Uruguays insgesamt mit imposanten Grabmälern; der Friedhof wurde 1835 eingeweiht und ist heute letzte Ruhestätte vieler prominenter nationaler Persönlichkeiten Uruguays. Bei einigen Familiengräbern werden noch heute Verstorbene in die Gräber gegeben. Es ist ein Ort der Stille und Bewunderung von diesen riesigen Grabmonumenten, die nur vom Singen der Vögel unterbrochen wird.

Auf dem Cementerio Central

Und immer wieder treffen wir auf Mate-Tee trinkende Menschen. Der Genuss von Mate würde wach machen, entspannend wirken, verschiedene Krankheiten vorbeugen und sogar beim Abnehmen helfen. Darüber hinaus ist Mate eine gut verträgliche Alternative zu Kaffee und vor allem gesünder als andere koffeinhaltige Getränke, wie Cola oder Energydrinks. Getrunken wird Mate aus einem runden Becher (Guampa) mit einem spezielle Halm aus Metall mit Sieb am Ende (Bombilla) getrunken. Die Heisswasserkanne, um den Tee immer wieder aufzugiessen, wird häufig in einer Matera transportiert. Eine einzige Füllung Mate im Guampa kann bis 15 Mal aufgegossen werden.

Mate immer und überall

Als Fasnächtler durfte natürlich der Besuch im Museo del Carnaval (Karnelvalsmuseum) nicht fehlen. Das Karnevalsmuseum wurde im November 2006 eröffnet und verfügt über Ausstellungen zu Candombe, uruguayischem Karneval und Murga. Ursprünglich ist der Candombe eine folkloristische Tanzbewegungsform der Afro-Lateinamerikaner in Montevideo (und Buenos Aires). Der Takt wird von drei Trommeln vorgegeben: piano, chico und repique. Beim Candombe stellen die Tänzer verschiedene traditionelle Figuren dar, beispielsweise den Medizinmann (gramillero), die alte Mutter (mama vieja) und den Besenschwinger (escobero). Die Murgas bestehen aus Sänger und einigen Trommlern. Ihre humoristischen Gesänge sind vor allem gesellschaftskritisch und politisch motiviert. Meist bieten sie eine Mischung aus Rückblicken vom vergangenen Jahr sowie relevanten Themen, die die Gesellschaft und die Uruguayer bewegen. Bei uns sind sie wohl am ehesten Mit den Schnitzelbanken zu vergleichen. Ihre Kleider wechseln von Jahr zu Jahr und sind enorm aufwändig gestaltet.

Ein Murga-Sänger
Murga-Kleider
Candombe-Trommeln im Hintergrund (Piano, Chico und Repique)
Schwellköpfe (fast wie an de drei scheenschte Dääg vo de Basler-Fasnacht)

Am 30. Januar haben wir mit Matthäus und seinem Kumpel Adrian eine Weintour in der Bodega Santa Rosa gemacht. Das Weingut besteht seit 125 Jahren. Sie bauen Tannat (bekannteste Rotweinsorte Uruguays), Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay und Sauvignon Blanc an. Der Espumante wird nach traditionelle Herstellungsweise (Methode Champenoise) hergestellt und ist einer der meistprämierten Naturschaumweine aus Uruguay. So ganz begeistert haben uns aber weder die Weine noch den Espumante. Selbst deren Brut war doch etwas sehr lieblich.

Ebenfalls werden weisser und roter Sherry hergestellt. Die bauchigen Flaschen werden gefüllt, mit einem Baumwollstück gegen Insekten verschlossen und dann ein Glas drüber, um den Inhalt gegen Feuchtigkeit zu schützen. So werden die Flaschen ein halbes Jahr Wind und Wetter ausgesetzt, ehe sie dann weiter zu Sherry oder eben Jerez veredelt werden. Probieren konnten wir diesen leider nicht.

Adrian (links) und Matthäus
Weinprobe in der Bodega Santa Rosa
Tannat-Sammlung, die aber nicht mehr verkauft wird (gemäss der Winemakerin)
Jerez-Herstellung

Noch etwas zum Abschluss: wir hatten uns eigentlich auf ein lebhaftes Silvester mit vielen Leute auf der Plaza de la Indenpendencia eingestellt, wo alles auf den Beinen ist, doch weit gefehlt: die Leute sind aus der Stadt geflüchtet, viele Richtung Punta del Este, ein Badeort am äussersten Ende der Mündung des Río de la Plata teilweise auf einer Halbinsel. Doch hier ist

zwischen Weihnachten und Neujahr die Stadt tot – an Silvester war es dann mehr als nur tot (man könnte schon fast sagen, der Verwesungszustand ist eingetreten). Fast alle Restaurants waren am Silvesterabend geschlossen – selbst die wenig gemütliche Bar Americano in unserem Hotel. An der Rezeption informierten sie uns mit grosser Überzeugung, dass alle Restaurants am 31.12. in der Stadt geschlossen seien – ob wir das denn nicht gewusst hätten?

Bevor das letzte Geschäft in der Strasse geschlossen wurde, haben wir uns noch eine Flasche Weisswein, etwas Käse und eine Packung Pringles gekauft (alles was es noch gab). Wir dachten, das muss als Silversterdinner dieses Jahr ausreichen (definitely not «the same procedure as every year, James»).

Dann sind wir vom Hotel durch die leere Stadt spaziert (erinnerte so an einen dieser Filme aus Hollywood – die Menschheit wurde durch einen Virus ausgelöscht und die letzten Überlebenden irren durch die verlassene Stadt). Per Zufall entdeckten wir, dass in einem kleinen Restaurant, in dem wir schon am Vortag diniert hatten, die Fenster beleuchtet waren. Die Tür war abgeschlossen, auf Klopfen öffnete die Chefin vorsichtig die Tür einen Spalt und erkannte uns wieder. Wir hätten zwar keine Reservierung, aber wir durften trotzdem heute Abend das Silvester-Menü geniessen. Alle anderen Gäste am Abend waren auch nicht aus Uruguay.

Jedenfalls war das Dinner vorzüglich, der Lomo de vacuno (Rinds-Filet) zum Hauptgang war so zart, dass es auf der Zunge verging und der Rotwein mit Cabernet Franc aus Uruguay war exzellent. Ausserdem war die Atmosphäre im Lokal sehr gemütlich und familiär- eine sehr schöne Einrichtung mit antiken Möbeln, die Mutter und die kleine Tochter namens Samanta, bedienten herzlich die Gäste, der Vater stand in der Küche und kochte, während der leicht verwirrte Grossvater umherirrte und ab und zu ein paar Gläser zerbrach (Scherben bringen bekanntlich Glück). Da mussten wir an diesem Abend auch kein Dinner-for-One im Fernsehen ansehen. Um 20.00 Uhr unserer Zeit resp. 24.00 Uhr Schweizer Zeit konnten wir unseren Liebsten ein gutes neues Jahr wünschen.

Am 1. Januar waren in der Stadt immer noch alle Geschäfte, Cafés und Restaurants geschlossen. Aber zwei Kreuzfahrtschiffe waren wohl in der Nacht in der Stadt angekommen und haben am Neujahrsmorgen ihre Fracht in der Stadt entladen. Nun irren ein paar tausend «moderne Kreuzfahrer» im Rentenalter durch die verlassene Stadt und schimpfen lautstark, dass alles geschlossen sei. Erinnert eher an einen Monty Python Film

Am 2. Januar haben wir unseren Mietwagen in Empfang genommen und sind weiter östlich gefahren ins Paraiso Suizo in La Floresta (Östlich von Montevideo), eine Bungalow-/WoMo-Anlage, betrieben von Silvia Koller. Hier warten wir nun auf unser Wohnmobil (und machen Ausflüge).

29.12.2024 – 02.01.2025: 5 Tage in Montevideo – Uruguay und Südamerika zum Einsteigen nach einjähriger Reiseabstinenz

2 Gedanken zu „29.12.2024 – 02.01.2025: 5 Tage in Montevideo – Uruguay und Südamerika zum Einsteigen nach einjähriger Reiseabstinenz

  • Januar 4, 2025 um 11:07 p.m. Uhr
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    Hesch gärn Mate? Ha vor Johrzähnte mou e Verehrer gha, wo mid däm hed wöue erobere. Hed mi aber ender i d‘Flucht gschlage.
    As die Süuveschder/Nüijohr aues zuemache. No speziell!

    • Januar 5, 2025 um 1:00 a.m. Uhr
      Permalink

      S‘letscht Mol (20 Johr her) han is zwar ok gfonde, esch mer aber chotzschlächt worde. Muess denn emol no einsch probiere.

      Yep – Silväschter in Montevideo kei gueti Idee, osser mer suecht Ruh

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