Unser Stellplatz am Schwimmbad  in Bolungarvik mit Blick auf die Berge und Kirche.

Gestern Morgen haben wir uns den Ort Bolungarvik, der nördlichste Ort der Westfjorde, noch angesehen.  Die Infrastruktur rund um das Schwimmbad und die Sportanlage hat uns sehr beeindruckt. Neue Basketball-Körbe, toller Spiel- und Sportplatz und ein rege genutztes Springkissen. Diese Springkissen sieht man in vielen Ort in Island auf den Kinderspielplätzen.

Wir wollten uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten ansehen, wie das Naturhistorisches Museum, den botanischen Garten sowie das Fischerei-Museum. Aber – überall stand «lokað» (isl. geschlossen oder gesperrt), d.h. geschlossen. Entweder temporär oder für immer.

Dem Ort Bolungarvik kann man es aber nicht übel nehmen, dass vieles einfach nicht mehr ist oder unterhalten werden kann: Seit 2010 wird der Ort durch einen 5.4 km langen Tunnel erschlossen. Nach diesem Ort kommt nichts mehr, die Strasse endet hier.  Deshalb wurde auch immer wieder gespottet, weshalb so ein kleiner Ort einen so langen und teuren Tunnel braucht. Bis 1993 war der Ort prosperierend und es wohnten hier über 1’300 Personen. Bolungarvik hatte reiche nahe Fischgründe und war ein wichtiger Fischereiplatz. Aufgrund des neuen Fischerei-Quotensystems und neuen Fischereimanagements verlor Bolungarvik seine Wichtigkeit als Fischereiplatz und mit dem Bankrott der grossen Fischfabrik begann die Abwanderung. Heute wohnen noch 950 Personen hier – Tendenz abnehmend.

Anschliessend besuchten wir (von aussen, da lokað) das Fischereimuseum Ósvör ausgangs Bolungarvik. Die Hütten wurden von 1905 – 1925 von Fischern  ständig bewohnt.

Der orangene Leuchtturm in Ósvör wies mal den Schiffen den Weg, heute zeigt es das Ende der befahrbaren Strasse nach Isafjördur an, die seit dem Bau des Tunnels nich mehr unterhalten wird. Man möchte die  Leute zur Nutzung des Tunnels «zwingen» will.

Weiter ging es Richtung Súðavík zum Polarfuchszentrum, doch dieses war – waseliwas „lokað“. Wir trafen eine Dame aus dem Ort vor dem Gehege eines jungen Polarfuches namens «Muddy», der hier aufgezogen wurde. Sie fütterte den inzwischen vierjährigen Fuchs mit Heidelbeeren. Sie wusste einiges vom kleinen Racker und seinem Bruder, der vor einem Jahr an einem Herzschlag verstorben ist, zu erzählen.

Danach fuhren wir weiter auf der Djúpvegur S61, immer den Fjorden entlang in östlicher Richtung. Das Wetter war prima – Sonnenschein wechselte sich mit Bewölkung ab, aber kein Regen. Es bot sich uns so manche Fotogelegenheit.

Ein ganz besonderer Anblick waren die U- oder Trog-Täler, geformt durch den Gletscher Drangajökull. Der fünftgrösste und nördlichste Gletscher in Island.

Vor der Küste des Ísafjarðardjúp lagen Seehunde malerisch auf den Steinen oder suhlten sich in Algen. Diese konnten wir uns nicht entgehen lassen, umso mehr wir ziemlich nahe an sie rankamen (immer mit dem nötige Sicherheitsabstand).

Und nun war Kaffee-Zeit!  Wir haben vom Litlibær Kaffihus gehört, wo es guter Blueberry-Cheescake und Waffeln geben soll. Wenn das kein Grund zur Einkehr ist. Das Kaffee ist sehr liebevoll und mit vielen Erinnerungsstücken dekoriert. Litlibaer (der kleine Hof) wurde 1895 als Torf-/Grashaus erbaut. Die Bewohner ernährten sich von Fischfang und Landwirtschaft. Der Hof, resp. das heutige Kaffihus ist mal gerade 3.9 x 7.4 m gross, auf zwei Stockwerke verteilt. Zeitweise wohnten bis zu 20 Personen in diesem kleinen Haus. Heute gehört das Haus einer Bauernfamilie. Die Tochter betreibt das Kaffee von Mitte Mai bis Mitte September. Ah ja – der Blueberry-Cheescake und die Waffeln waren köstlich. V.a. die mit der Waffel servierte Blueberry- und Rhabarber-Confis waren ein «Träumli».

Danach fuhren wir weiter den Fjorden entlang zum Hof Heydalur, der ein Country-Hotel und einen Camping-Platz betreibt. Als wir in das Restaurant, das auch Rezeption ist, eintragen, wurden wir ständig mit einem «Hello» begrüsst. Da aber trotzdem niemand anwesend war, kamen wir uns etwas komisch vor. Irgendwann trat eine ältere Dame aus der Tür und der Lichtstrahl reichte uns um zu sehen, woher das «Hello» kam. Da sass ein Ara im Käfig, der sein Spass mit uns hatte.

Der Camping-Platz versprach ein Schwimmbad und Hotpool in einem Gewächshaus. Ja – es war ein Schwimmbad und ein Hotpool – aber ziemlich vergammelt und es gelüstete uns nicht wirklich, in das Schwimmbad oder den Hotpool einzutauchen. Alles sah aus, als ob sich im Wasser schon ziemlich Leben entwickelt hatte. Die anwesende Katze war auch nicht sonderlich glücklich über uns als Eindringlinge. Aber die Idee mit der Kombination von Gewächshaus, das durch natürliche Erdwärme und heissem Wasser gespiesen wird mit Schwimmband ist bestechend.

Heute Morgen fuhren wir bei traumhaftem Wetter von Heydalur weg. Wir fuhren von der Djúpvegur S61 ab auf die Snaefjallastrandarvegur S635. Dies ist eine 40 km lange Stichstrasse dem Fjord entlang nach Unaðsdalur führte. Die Strecke war absolut wunderbar. Irgendwo mitten drin sahen wir plötzlich einen Hotpool direkt am Fjord (nein – wir sind nicht ins Wasser).

Wir spielten mit der Spiegelungen im absolut glatten Fjord, die tollen Herbstfarben, der Gletscher Drangajökull und kamen ob der Schönheit nicht aus dem Staunen heraus. Wir genossen jeden Kilometer auf der holprigen Strasse.

Das Ende der Strasse

Plötzlich sahen wir weit draussen im Wasser „Fontänen“ hochschiessen – das war das klare Zeichen, dass sich da Wale tummelten. Als wir am Ufer standen, konnten wir das Atmen durch das Blasloch hören und die Säuger auch sehen, selbst wenn diese weit weg waren. 

Heute Abend planten wir auf dem Campingplatz beim Hotel  Laugarhóll zu übernachten, das gemäss Internet noch bis Ende September offen hat/hätte. Aber – es war „lokað“ – so sind wir zurück nach Drangsnes gefahren, wo wir auf einem Camping-Platz mit toller Aussicht auf den Fjord stehen. Foto kommt morgen.

13.09./14.09.2020: Das Unwort «lokað» und zwei traumhafte Tage in den Westfjords