Am 01.09. sind wir von der Ringstrasse kurz nach Kirkjubæjarklaustur auf die F206 Richtung Laki-Krater abgebogen.

Schon bald kam die erste Furt, die mit ca. 15 cm Höhe nichts Besonderes war, die nächste, kurz vor dem Wasserfall Fagrifoss war schon etwas höher und erreichte gut 30 cm. Da wir von den Wasserfällen in Island magisch angezogen werden, haben wir den Abstecher gerne gemacht. Der Fagrifoss (zu Deutsch „Schöner Wasserfall“) ist ein Wasserfall des Flusses Geirlandsá. In mehreren Armen stürzt sich das Wasser 80 m in die Tiefe.

Anschliessend machten wir uns weiter auf den 40 km zu den Laki-Kratern. Die Laki-Krater (isl. Lakagígar) liegen im Süden Islands in der Nähe der Ausbruchsspalte Eldgjá, wo wir auch schon waren. Die Kraterreihe wird dem Vulkansystem der Grímsvötn zugerechnet. Dies wird unter anderem damit begründet, dass die Grímsvötn 1783 gleichzeitig mit den Laki-Kratern ausbrachen (von August 1783 mit Unterbrechungen bis ins Jahr 1785). Der Ausbruch begann am 8. Juni 1783 und setzte sich bis in den Februar 1784 fort. Aus rund 130 Kratern wurde etwa 14.7 km3 Lava ausgestossen, die eine Fläche von rund 600 km2 bedeckten. Es kamen über 20 % der Isländer und über 75 % des Viehs um. Nebst den verheerenden Auswirkungen auf Island, wurde das gesamte globale Klima massiv beeinflusst. Wegen des dadurch hervorgerufenen vulkanischen Winters kam es weltweit zu Missernten und Massensterben in der nördlichen Hemisphäre.

Trotz dieser ganzen Tragik ist dieses Gebiet eines der schönsten Landschaften, die wir bis heute in Island befahren haben. Kraterlandschaften, die mit bizarren Formationen in die Höhe ragen, teilweise bemoost, teilweise einfach karg und schwarz, den Kratersee und Vulkanspalte Tjarnargigar, schwarze Lavasand-Felder . In den Lava-Feldern erwartet man hinter jeder Formation einen kleinen Troll oder eine Elfe. Wir lassen einfach die Bilder für sich sprechen.

Wir sind nach dem Kratersee Tjarnargigar auf der F207 gefahren, die kurz vor der Blágil Hütte wieder auf die F206 einmündete. Die Nacht verbringen wir in de Blágil Hütte. Die erste Frage, die uns die Rangerin stelle war, ob wir eine Toilette bräuchten – diese wäre im Moment nicht verfügbar, resp. durch die Farmer genutzt. Die zweite Frage war dann, wie wir bezahlen wollten, denn mit dem Kreditkartengerät musste sie Runden ums Gebäude drehen, ehe sie Empfang hatte. Der Platz war sehr idyllisch und eine gigantische Infrastruktur (z.B. ein Abwaschtrog mitten in der Landschaft).

Im Moment bereiten sich die Farmer hier vor, die Schafe von den Bergen zu holen. Sie treffen sich mit ihren 6×6 Quads, um morgen wohl in aller Früh die Schafe zusammenzutreiben. Aufgrund von Covid-19 sind Touristen nicht zugelasten, entsprechend wortkarg sind auch die Farmer, da sie nicht preisgeben wollen, wo sie die Schafherden hinbringen und aussortieren.

Jä nu – das ist ein Nachteil von diesem speziellen Jahr – aber dadurch hat es viel weniger Touristen. Heute sind wir auf der F206/207 nicht einem Touristen begegnet. 

Am 02.09. führte uns der Weg von der Blágil Hütte über die 206 wieder zurück auf die Ringstrasse, um dann nach 30 km wieder auf die nächste südliche Hochlandstrasse abzubiegen. Die Rückfahrt war mehrheitlich bei trübem Wetter. Die Farben leuchten zwar weniger, aber die Landschaft beeindruckt trotzdem.

 

Die F206 kommt an der Schlucht Fjaðrárgljúfur, wo wir am 08.08. bereits einmal waren. Die selbe Rangerin war auch anwesend, diesmal aber ziemlich aufgebracht, da sie wohl seit einiger Zeit beschäftigt war, den ganzen Dreck (WC-Papier, Feuchtigkeitstüechli) von Wildcampern einzusammeln. Wildcampen (Stehen ausserhalb Campingplatzen oder anderen dafür vorgesehene Orte) ist in Island strikte verboten,, wird aber immer noch von den ganz besonders naturnahen Herzchen praktiziert. Und da man ja so naturliebend ist, wird in die Gegend gekackt und das WC-Papier auch gleich noch hingeworfen. Wofür wohl all diese Schilder stehen – Deko sind sie nicht! Dank diesen lieben Zeitgenossen darf niemand mehr wild stehen, egal, ob man alles Notwendige im Auto hat oder nicht.

Nachdem wir wieder auf der Ringstrasse angekommen sind, bogen wir auf die Öldufjell F232. Auch wenn die Sonne nicht schien, präsentierte sich uns diese Hochlandroute nördlich des Myrdalsjökull in unbeschreiblichen Facetten: ausgedehnte Lavalandschaften, Flüsse und Bäche, die sich ihren Weg durch grüne Moosflächen und schwarzen Lavalandschaften suchten. Der Gletscher Myrdalsjökull selber, der immer wieder hervorgüxelte. Immer, wenn wir dachten, schöner kann es nicht werden, wurde es noch schöner.

Unterwegs kamen wir wieder an einem eher unbekannten Wasserfall vorbei, dem Hólmsárfoss.

Nach 36 km bog die F232 in die Fjallabaksleið Syðr F210 ein, die uns mit immer wieder neuen grandiosen Landschaften überraschten.

Für uns ein Novum war die Querung einer Furt mit dem Wasserfall Bláfjallakvísl, der direkt daneben runterstürzte. Hier hat Norbert die Drohne steigen lassen und einige doch beeindruckende Bilder gemacht.

Danach sind wir etwa 15 km durch ein pechschwarzes Lavasand-Gebiet gefahren, das in einer vielarmigen Flusslandschaft endete, die wir durchqueren mussten, was aber absolut unproblematisch war.

Die Nacht stehen wir an der Berghütte Strutur, die aber bereits geschlossen hat, d.h. es ist kein Ranger hier. Heute haben wir zum ersten Mal auch absolut kein Netz, wohl deshalb, weil die Ranger beim Verlassen der Rangerstation die Richtantenne abgeschalten hat.

Am 03.09. fuhren wir raus aus dem Hochland, da das Wetter nicht sehr verheissungsvoll war. Erst fuhren wir die wieder die Fjallabaksleið Syðr F210 und danach die Emstruleið F261, Es regnete resp. blieb den ganzen Tag ziemlich trüb und nass. Trotzdem war die Sicht recht klar und wir konnten weitere sehr schöne Fotos machen.

Eine der Furten des heutigen Tages haben uns ganz schön erschreckt. Es fuhr sich alles so leicht, ehe dann plötzlich und unvermittelt die Schnauze von unserem WoMo einsackte mit dem Ergebnis, dass wir hinten „in der Garage“ ziemlich Wasser hatten. Zum Glück kam der Generator und zwei tieferliegenden Gel-Batterien nicht zu Schaden. 

Unterwegs haben wir einen kleinen Spaziergang zur Schlucht Markarfljótsgljúfur gemacht.

Kurz oberhalb haben wir noch drei grasbewachsene Häuser auf einer „Sommeralp“ entdeckt.

Danach fuhren wir Richtung Þórsmörk, wo wir am 28./29.08.2020 waren. Die Ebene präsentierte sich prächtig. Immer wieder sieht man den Eyjafjallajökull und die Ebene des Flusses Markarfljót.

Wir kamen an einem ganz bizarren Berg vorbei: von vorne sieht er für uns aus wie ein Taubenkopf, 90 Grad umrundet wie ein Nashorn oder auch Einhorn. So heisst der Berg dann auch auf isländisch: Einhyrningur. 

Die F261 hatte es ziemlich in sich – wir mussten ziemliche Lavafelder durchqueren, grössere Furten, Geröllfelder und eine lange sehr grosssteinige Strecke zum Ende – so dass wir nicht unglücklich waren, gegen Ende eine einfache Wellblech-Piste zu fahren (was wir nie gedacht haben, denn Wellblech ist ziemlich äzend).

Zum Abschluss sahen wir uns nochmals (bestimmt nicht den letzten in Island) an, den Gluggafoss. In ihm sind eigentlich mehrere Wasserfälle. Gluggafoss (isl. gluggi = Fenster, Foss = Wasserfall) hat den Namen erhalten, weil die obere Fallstufe nur wie hinter einem Fenster zu sehen ist. Der Wasserfall ist ca. 45 Meter hoch. 

Herzlichen Dank an Christoph und Martina für die tollen Routenempfehlungen.

Morgen fahren wir dann gemütlich Richtung Westfjorde, nachdem wir getankt und den Reifendruck wieder hochgepumpt haben.

 

 

 

 

 

01.09 – 03.09.2020: Südliches Hochland vom Feinsten – jeder Tag einfach WOW!

2 Gedanken zu „01.09 – 03.09.2020: Südliches Hochland vom Feinsten – jeder Tag einfach WOW!

  • September 4, 2020 um 4:03 p.m. Uhr
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    Genau das ist einfach nur WOOOOOOW hätte nicht gedacht, dass es noch eine Steigerung geben würde ISLAND mit den unglaublich vielen facetten da braucht es keine Worte und macht es sooo gut

    • September 4, 2020 um 9:01 p.m. Uhr
      Permalink

      Hallo Mams, ganz lieben Dank – ja, Island ist wirklich ein Wunderland. Und schön, dass Dir die Beitrge gefallen.

      Kuss und eine gute Nacht
      Claudia und Norbert

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