Am Donnerstag um 07.00 Uhr wurden wir von unserem Tourguide Abel am Stellplatz abgeholt. Im Gegensatz zu unserem Guide in und um Cusco vom Mittwoch war er gesprächiger und wie sich bald herausstellte, viel bewanderter mit der Inka-Kultur. Er ging sehr stark auf uns und unseren Wunsch, Fotos zu machen, ein.
Zwischen der Inka-Hauptstadt Cusco und dem Machu Picchu liegt das Heilige Tal der Inkas (Valle Sagrado). Flankiert von den schneebedeckten Gipfeln der Anden und durchflossen vom wilden Urubamba-Fluss, wirkt dieses Tal mit einer Mischung aus lebendiger indigener Kultur, mystischen Ruinen und Naturwundern, fast surreal. Wir haben fünf ganz besondere Orte besucht.
Chinchero: Das Dorf des Regenbogens
Höher gelegen und oft in Wolken gehüllt, liegt Chinchero, der „Geburtsort des Regenbogens“, den wir leider nicht gesehen haben. Auf über 3‘700 m. ü.M. merkten wir wieder die dünne Luft, da wir vom Parkplatz doch einige Meter in die Inka-Stadt hochlaufen mussten. Chinchero war eine bedeutende Inka-Stadt. Hier ist die Verbindung der Inka-Kultur und der Kolonialzeit gut zu sehen. Die Kirche wurde um 1607 von den Spaniern auf den Überresten eines Inkapalastes errichtet, der vermutlich dem Herrscher Tupac Yupanqui gehörte. Da die Kirche renoviert wird, konnten wir diese nicht besichtigen.











Besonders berühmt ist Chinchero auch für seine Textilien. Hier wird die jahrhundertealte Textilkunst der Inkas lebendig gehalten. In Vorführungen zeigen die Frauen des Dorfes, wie sie aus Naturmaterialien wie Kaktusläusen und Andenkräutern leuchtende Farben gewinnen, um die Alpakawolle vor dem Weben von Hand zu färben.


Sie symbolisieren Schutz, Fruchtbarkeit und Wohlstand für das Haus und die darin lebende Familie.














Die Salzminen von Maras: Das weisse Gold der Anden
Nur eine kurze Fahrt von Chinchero entfernt erwartete uns ein scharfer Kontrast: ein blendend weisses Meer inmitten der braun-grünen Andenlandschaft. Die Salzminen von Maras (Salineras de Maras) sind ein spektakuläres Natur- und Menschenwerk. Über 3‘800 terrassierte, flache Becken säumen sich am Hang einer tiefen Schlucht.
Seit der Vor-Inka-Zeit fliesst eine stark salzhaltige, unterirdische Quelle in diese Becken. Durch die Verdunstung des Wassers in der brennenden Andensonne bleibt das reine, rosafarbene Salz zurück, das von den lokalen Familien bis heute in mühsamer Handarbeit geerntet wird. Das erste Abschöpfen gibt das Salz, das für die Körperhygiene genutzt, das zweite Abschöpfen, das rosate Salz für Fleisch und Salate, das dritte Abschöpfen ergibt es weisse Speisesalz für alle Arten von Speisen. Bis vor Corona durften die Touristen in den Salminen rumlaufen – zum Glück wurde das gestoppt. Die Selfie-Mania, die in all dieser einmaligen, geschichtsträchtigen Orten herrscht, ist einfach unvorstellbar, mühsam und nur nervig.











Moray: Das Labor der Inkas
Die Fahrt führt uns weiter über eine staubige Hochebene zu einem Anblick, der fast ausserirdisch wirkt: Moray. Aus dem Nichts öffnen sich im Boden riesige, kreisrunde Amphitheater aus perfekt angelegten Terrassen. Doch hier spielten keineswegs Theatervorführungen, sondern es war ein hochmodernes landwirtschaftliches Versuchsfeld der Inkas. Durch die unterschiedliche Tiefe und die Sonneneinstrahlung entstehen zwischen der obersten und der untersten Stufe Temperaturunterschiede von bis zu 15 Grad Celsius. Die Inkas simulierten hier verschiedene Klimazonen des Inka Reiches, um Pflanzen aus dem Dschungel oder der Küste an das raue Andenklima anzupassen. Das wäre eigentlich genau das, was bei uns auch gemacht werden sollte – egal mit oder ohne Genveränderungen – aber nur so können wir sicherstellen, dass wir aufgrund der Klimaerwärmung künftig noch die Weltbevölkerung ernähren können.












Ollantaytambo: Die lebende Inka-Stadt
Am Ende des Tals, wo die Schlucht schmaler wird und der Zug in Richtung Machu Picchu wartet, liegt Ollantaytambo. Es ist die einzige verbliebene Stadt, deren Stadtplan und Wohnbauten noch exakt aus der Inka-Zeit stammen. Wenn man durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen spaziert, hört man das Wasser in den originalen Inka-Kanälen neben den Gehwegen plätschern.
Über der Stadt thront die mächtige Festung von Ollantaytambo. Die riesigen, zentnerschweren Rosa-Granitblöcke des Sonnentempels, der nie fertig gebaut wurde, mussten aus einem kilometerweit entfernten Steinbruch über den Fluss hierher befördert werden.
Wir hörten das Plätschern aus dem Himmel, es regnete in Strömen, und von den Kanälen her. Der Besuch war aber auf jeden Fall sehr lohnend – und es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.












Pisaq: Eine Inka Siedlung grösser als Machu Picchu
Unser letzter Ort, kurz vor Schliessung dieser Inka-Stätte, war Pisaq, das eigentlich Tor zum Valle Sagrado. Schon von Weitem fallen die monumentalen landwirtschaftlichen Terrassen ins Auge, die sich wie riesige, grüne Treppenstufen an die steilen Berghänge kleben. Hoch oben thronen die Ruinen einer alten Inka-Zitadelle, die einst das Tal bewachte.








Immer wieder haben wir sowohl in Cusco selber als überall um die Inka-Städten die alten Wege aus Inka-Zeiten angetroffen. Das gesamte Wegenetz der Inka zur Blütezeit ihres Reiches (um 1530) umfasste Schätzungen zufolge zwischen 30’000 und 40’000 Kilometer.
Dieses gigantische Strassensystem, Quechua als Qhapaq Ñan („Hauptstrasse“ oder „königliche Strasse“) bekannt, erstreckte sich über das gesamte Andengebiet Südamerikas und verband die heutigen Staaten Peru, Ecuador, Kolumbien, Bolivien, Chile und Argentinien miteinander. Diese Staaten waren alle Teil des Inka-Reiches.
Über dieses Wegenetz funktionierte auch das Nachrichtensystem, welches als Stafettensystem der Chaskis (Läufer) aufgebaut war. Die Nachrichten und leichte Güter konnten so bis zu 240 Kilometer am Tag weitertransportieren werden. Die heute bei den Touristen beliebten Inka-Trails führen über diese Wege.
Morgen verlassen wir Cusco und fahren weiter Richtung Lima, das gut 1’200 km entfernt von Cusco liegt. Wir hoffen, dass unsere Lady Askja morgen gut anspringt.