Route mit unserer aktuellen Route
Wir sind noch nicht lange in Französisch Guayana, aber wir sind hellauf begeistert von dieser besonderen Atmosphäre. Französisch-Guayana, auf Französisch meist einfach Guyane genannt, liegt an der Nordküste Südamerikas. Politisch gehört Französisch-Guayana zu Frankreich und ist zugleich Teil der Europäischen Union, aber nicht des Schengen-Raums. Zwischen Französisch Guayana und Brasilien verläuft mit 730 km die längste Landgrenze Frankreichs mit einem anderen Staat. Ein grosser Teil dieses französischen Territoriums ist von tropischem Regenwald bedeckt. Die Mischung aus Atlantikküste, Flüssen, Mangroven, Sumpfgebieten und Amazonaswald macht Französisch-Guayana geografisch so besonders: tropisch und stark vom südamerikanischen Naturraum geprägt.
In Französisch Guayana herrscht eine riesige multikulturelle Vielfalt, was wir vorher noch nie so stark wahrgenommen haben. Vor der Ankunft der Europäer lebten hier verschiedene Ureinwohner, darunter Karib-Stämme. Ab 1604 versuchten die Franzosen, das Land zu besiedeln; die Stadt Cayenne wurde 1643 gegründet. Auf Plantagen wurden Sklaven aus Afrika eingesetzt, bis die Sklaverei 1848 abgeschafft wurde. Die Menschen aus Afrika nennen sich Kreolen; sie prägen die Musik, die Küche, aber vor allem die die Kultur und die Lebensweise.
Wir verbrachten die erste Nacht in Régina, einem kleinen Ort zwischen der Grenzstadt Oyapock und der Hauptstadt Cayenne. Da wir erst beim Eindunkeln angekommen sind und wir uns vom Ort noch keinen Eindruck machen konnten, haben wir bei der Feuerwehr nachgefragt, ob wir bei Ihnen übernachten dürften. Nach einigem Staunen über diese Anfrage und etwas Verhandeln durften wir die Nacht sicher in ihrem Areal verbringen. Am nächsten Tag haben wir uns Régina angeschaut. Der Ort wirkt teilweise runtergekommen, viele Gebäude, die nicht mehr genutzt werden, weil das Geld für die Renovationen fehlen und die Leute in die Städte wie Cayenne oder Kourou abwandern. Auch die Kirche, so sagte uns der Pfarrer, hätte kein Geld, um das Gotteshaus wieder zu renovieren. Aus diesem Grunde findet der Gottesdienst im Gemeindesaal statt.


























Im Anschluss sind wir nach Cacao gefahren, ein ganz und gar vietnamesisch geprägter Ort. Im Jahr 1977, nach dem Ende des Vietnamkriegs, siedelte Frankreich 500 Hmong-Flüchtlinge aus Laos in Cacao an. Das Land war unerschlossener tropischer Wald. Zwei Jahre später konnte sich die Gemeinde selbst versorgen. Nach vier Jahren konnten erste Überschüsse verkauft werden. Es ist beeindruckend, was diese Flüchtlinge in so kurzer Zeit erreicht haben. Jeden Sonntag ist Markttag, wo eine bunte Mischung aus asiatischem Streetfood (wie Pho-Suppen und Nems, ist eine Art Frühlingsrolle), frischem tropischem Obst und Gemüse sowie traditioneller Handarbeit und Stickereien angeboten werden.

















Danach sind wir nach Cayenne gefahren, wo wir beschlossen haben, nochmals bei Mercedes einen Termin zu vereinbaren, da wir immer noch Öl an der zweiten Hinterachse feststellen. Cayenne werden wir uns noch ansehen.
Da wir auf jeden Fall nicht zu spät für den Start der Ariane 6 in Kourou sein wollten, wir gingen davon aus, dass viele Reisende mit ihren Wohnmobilen ebenfalls anreisen werden (wir haben nur einen weiteren Reisenden im WoMo getroffen), sind wir schon am Montag zum Hotel Les Roches gefahren. Dort konnten wir uns auf eine Rasenfläche stellen, die sich neben einem leerstehenden Hotel befindet. Ein idealer Ort, im Hotel Les Roches zu essen, den Strand Les Roches und Kourou zu erkunden und Wäsche zu waschen.










Kouro ist eine eher kleine Stadt, die es sich aber lohnt, anzusehen.










Kouro ist für das Centre Spatial Guyanais (CSG) bekannt, also den europäischen Weltraumbahnhof. Der Standort wird seit 1968 genutzt und verdankt seine Bedeutung vor allem der Nähe zum Äquator; Raketenstarts profitieren dort von günstigeren physikalischen Bedingungen.
Als Vorbereitung für den Start der Ariane 6 haben wir uns das Museum CSG angesehen und die obligaten Bilder vor der ersten Ariane 5 gemacht, ein detailgetreuer Nachbau in Originalgrösse. Das Museum ist hervorragend aufgebaut und sehr interaktiv in Französisch und Englisch erklärt.








Am Donnerstag war es dann so weit: Start der Ariane-Space-Mission VA270. Eine Ariane 6 in der Konfiguration Ariane 62 (Ariane-Konfiguration mit 2 Boostern) brachte den Meteosat Wettersatelliten MTG-I2 in eine geostationäre Transferbahn (GTO). Dies war der erste Flug der Ariane 6 in diese Umlaufbahn. Das Ziel dieses Wettersatelliten ist die Verbesserung der Früherkennung von Stürmen und Unwettern sowie präzisere Wettervorhersagen über Europa und Afrika. Wir hatten das Glück, dass wir den Start von einer Aussichtsplattform beobachten durften, die nicht frei zugänglich ist. Wir meldeten uns rechtzeitig an und durften den Start von der Plattform IBIS aus ansehen. Sie ist zwar mit 18 km vom Startpunkt eher weit entfernt, aber im Gegensatz zu der näheren Plattform bietet sie eine Sicht von oben auf das Geschehen. Die Spannung, die in der Luft war, die Vorfreude live dabei sein zu können, war einmalig. Und die Geräuschkulisse, die so ein Start provoziert, unbeschreiblich.








In Kürze beginnt die Live-Übertragung aus dem Kontrollzentrum








Am Freitag haben wir Îles du Salut besucht, die v.a. ihren unrühmlichen Ruf als Strafkolonie haben. Diese war von 1852 bis 1951 in Nutzung. Die Inseln verbinden bedrückende Geschichte mit eindrucksvoller tropischer Landschaft, die fast etwas von den brutalen Haftbedingungen ablenken könnte. Rund 70‘000 bis 80‘000 Sträflinge wurden im Laufe der Jahrzehnte dorthin verschifft. Die Haftbedingungen waren durch Tropenkrankheiten und harte Arbeit extrem brutal. Zu den Inseln fuhren wir auf einem Katamaran, auf welchem wir gut 1.5 Stunden pro Weg unterwegs waren. Die Inselgruppe ist zwar näher an Kourou, gehört aber zu Cayenne. Auch wenn die Redewendung „Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst!“ eher auf Indien zurückzuführen ist, wurde ab 1852 die Redewendung eher mit den Îles du Salut assoziiert, v.a. weil ja Cayenne auch der Namensgeber für den extrem scharfen Pfeffer ist. Wenn man im 19. Jahrhundert jemanden dorthin wünschte, „wo der Pfeffer wächst“, meinte man damit die Deportation in die tödliche grüne Hölle der Îles du Salut. Wegen der grausamen Bedingungen und Krankheiten kamen die meisten Gefangenen von dort nie wieder zurück.





Durch den Roman Papillon von Henri Charrière und die spätere Verfilmung erlangte die Inselgruppe weltweite Berühmtheit.
Es gibt drei Inseln: Île Saint-Joseph: Die „Insel der Ruhe“ oder „trockene Guillotine“, auf der die Gefangenen in strenger Einzelhaft sassen. Sie ist von dichter Natur und Gefängnisruinen geprägt.









Île Royale (Königsinsel): Die grösste Insel der Gruppe. Sie war das Verwaltungszentrum des Gefängnisses und bietet heute ein kleines Museum, eine Herberge sowie historische Ruinen.





















Île du Diable (Teufelsinsel): Die kleinste und berühmteste Insel, die vor allem für die Inhaftierung des politisch Gefangen Alfred Dreyfus bekannt ist. Sie ist für die Öffentlichkeit gesperrt, v.a. weil ein Anlanden aufgrund der starken Brandung fast nicht möglich ist.

Am Sonntag geht es dann wieder zurück nach Cayenne für unseren Termin bei Mercedes am Montag.
Vielen Dank für diesen Block . Einfach FANTASTISCH . Beim Start der Ariane 6 live dabei zu sein ist schon ein einmaliges Erlebnis und was ihr alles erlebt, dazu gehören auch gewaltige Gegensätze und teils auch traurige Erfahrungen , aber so ist das Leben , es hat alles zwei Seiten . ganz liebe Grüsse Mams bin in Gedanken bei euch
Es ist und war super spannend, danke Mams.
Liebe Grüsse und Kuss
Wie immer ein eindrücklicher Blog. Vielen Dank.
Den Bildern nach zu urteilen, scheint mir das Land sehr arm zu sein.
Liebe Grüsse und gute Weiterreise
Hallo Dani,
vielen Dank. Es hat ein sehr starkes Arm-Reich-Gefälle. Aber es nicht so schlimm, wie es aufgrund der Häuser aussehen mag. Die Häuser sind aussen häufig für unsere Augen hässlich, aber das ist auch in Afrika viel so. Drin sind die Häuser recht gut eingerichtet.
Liebe Grüsse
Claudia und Norbert