Karte mit unserer aktuellen Route
Am 11.02. sind wir am späteren Abend nach über 540 km in Puerto Deseado (gegründet als Port Desire/Hafen der Wünsche) angekommen. Auf dem Weg haben wir wieder grosse Oel-Fracking-Installationen gesehen (im nördlichen Teil waren es v.a. Gas-Fracking-Anlagen).


Wir haben den Camping Municipal als Ausgangsort für unsere beiden Schiffs-Touren gewählt, da wir sicher sein wollten, dass unser WoMo gut unter ist, soweit man sicher kein kann. Von aussen sieht der Platz sehr chaotisch aus – es ist alles entweder defekt oder (seit Jahren) im Bau. Die Damendusche und Toilette sind zwar angeschrieben, aber es ist darin eine Leiter, ein Tapezier-Kübel und jede Menge Bauschutt zu finden. Ganz hinten, wer über den Bauschutt steigen will, findet eine Toilette ohne Türe und eine Dusche. Aber der Platz ist sicher und wir haben alles an Bord ;-).


Unser Hauptziel in Puerto Deseado waren die Felsen-Pinguine, dazu haben wir uns bei Darwin Expeditions eine Tour gebucht. Am 12. war der Atlantik sehr windig mit hohem Wellengang, deshalb haben wir die Tour für den 13. Februar gebucht, was ein super Entscheid war.
Am 12.2. haben wir uns Puerto Deseado angesehen. Es ist überall sichtbar, dass die guten Zeiten, vorbei sind. Es gibt zwar noch einige Fischkutter die auslaufen und der Ort ist auch für Crevetten und die kleinen Langusten sehr bekannt, aber sonst ist hier nicht viel los mit anderen Erwerbszweigen. Der fast 32 km lange Hafen wurde schon von Ferdinand Magellan und anderen frühen Seefahrern genutzt. Magellan nannte den Ort 1520 „Bahía de los trabajos“ (Bucht der Arbeiten), der Pirat Francis Drake ging am 17. Mai 1578 dort vor Anker und taufte die Stelle „Bahía de las Focas“ (Bucht der Robben). Am 17. Dezember 1586 erreichte Thomas Cavendish den Mündungstrichter des Río Deseado mit seinem Flaggschiff Desiré, begleitet von den Schiffen Hugh Gallant und Content. Er nannte den Hafen „Port Desire“ (Haften der Wünsche), die Landzunge am Hafeneingang heisst noch heute „Punta Cavendish“.













Die beiden Naturschutzgebiete Isla Pingüino und Ría Deseado, die nur mit Boot zu erreichen sind, schützen die einmalige Tierwelt und Landschaft von Puerto Deseado. Es sind zwei der wichtigsten Schutzgebiete Patagoniens und sie bieten einen wunderbaren Einblick in diesen Teil von Argentinien. Der Umweg, weg von der RN 3 auf die gut 120 km lange Stichstrasse, lohnt sich auf jeden Fall. Gebildet wurde die felsige Landschaft durch die Überflutung der Mündung des Rio Deseado. Das Meerwasser des Atlantiks drückt bei Flut gut 42 km weit landeinwärts und hat mit dem Ría Deseado (Ría = überflutetes Mündungsdelta) einen einmaligen Lebensraum für viele verschiedene Lebewesen entstehen lassen. Es handelt sich um den einzigen südamerikanischen Fluss, der lange vor unserer Geschichtsschreibung keine Wasser mehr ins Meer strömen ließ und so in seinen alten, gut 42 Kilometer langen Kanal ins Innere des Kontinents vordringen konnte.
Am 13.2. hatten wir strahlenden Sonnenschein und nur wenig Wellengang. Um 08.00 Uhr legten wir ab und kamen nach 13.00 Uhr zurück. Die Erklärungen von Roxana waren in Spanisch und Englisch, was es uns natürlich viel leichter machten. Nebst den Magellan-Pinguinen sahen wir unzählige Robben und Seelöwen. Nach Anlegen auf der „Isla Pingüino“ (Pinguin-Insel) sahen wir auch noch zwei oder drei See-Elephanten, die sich wohl verirrt haben.










Auf dem Hügel stehen der Leuchtturm und Ruinen von Gebäuden, welche früher für den Betrieb des Leuchtturms und als Wohnhaus gedient haben. Die Insel wurde aber nicht nur vom Leuchtturmwärter bewohnt. Es gab auch bis Ende 1800 einen Betrieb für die Schlachtung und Verarbeitung von Seelöwen. Viele der Steinbrocken, die herumliegen, wurden zur Tötung der Seelöwen genutzt.





Nach einiger Kraxelei sind wir auf der anderen Seite der Insel angekommen, wo die Felsen-Pinguine sind. Es sind über 1‘500 Paare auf der Insel. Roxana erzählt uns, dass die Felsen-Pinguine jedes Jahr ab Mitte Oktober bei ihren Brutplätzen eintreffen und dann ihre Jungen aufziehen. Im Februar sind die Jungtiere gross genug und die Pinguine verlassen im März ihre Brutplätze, um ein Jahr später wieder zurückzukommen. Die Magellan-Pinguine treffen übrigens rund einen Monat früher auf der Insel ein. Die Felsen-Pinguine, legen zwei Eier, wie die Magellan-Pinguine. Aber im Unterschied zu den Magellan-Pinguinen wird erst ein Ei gelegt und nach einigen Tagen das zweite Ei. Das erste Ei ist viel kleiner – man geht davon aus, dass die Pinguine von ihrer Zeit auf dem Meer erschöpft sind. Wenn sie zum Brüten an Land kommen, fällt das erste Ei deshalb kleiner aus und nach einigen Tagen, wenn die Tiere wieder Kräfte gesammelt haben, können sie ein zweites Ei legen. Die beiden Eltern teilen sich das Ausbrüten der Eier. Der Pinguin aus dem ersten Ei stirbt immer, da der aus dem zweiten Ei viel stärker ist und sich dadurch mehr Nahrung von den Eltern erkämpfen kann. Wir sassen über eine Stunde inmitten der Felsen-Pinguine mit ihren Jungen, die aber auch schon wieder einige Monate alt sind.








Neben den Pinguinen sahen wir Sturmvögel, Austernfischer, Albatrosse und Raubmöwen, die ziemlich aggressiv waren. Auf dem Weg zurück haben die doch recht grossen Vögel mit einer Spannweite von gut 120 cm Angriffe auf uns geflogen. Roxana rief uns zu, dass wir uns gross machen und die Arme in die Luft strecken sollen.







Weil die Tour uns so gut gefallen hat, haben wir für heute gleich nochmals für eine Tour auf dem Ría Deseado angemeldet. Diese kann nur bei Flut stattfinden. Wir hatten Flut und wieder tolles Wetterglück. Der Schwerpunkt heute waren Rotfuss-Kormorane, Seelöwen mit ihren Jungen – gut einen Monat und einjährige. Auf einer Insel konnten wir inmitten von jungen Magellan-Pinguinen sitzen, die in der Mauser waren. Die Magellan-Pinguine sind mit gut 5 Jahren geschlechtsreifen. Allerdings gehen die Jungtiere schon einige Monate nach dem Schlüpfen auch raus aufs Meer, kommen nach 6 Monaten immer wieder an die Stelle zurück, wo sie geschlüpft sind, gehen an diesem Ort in die Mauser und im Februar kehren sie wieder aufs Meer zurück.
























Neben den Pinguinen und Seelöwen sahen wir noch ganz kurz Commerson-Delfine, welche schwarz weiss sind und Peale Delfine.


Morgen geht es weiter Richtung Ushuaia.
Tolle Bilder. Faszinierend diese Tierwelt. Und dies bei diesem Prachtswetter.
Liebe Grüsse
Dani
Herzlichen Dank lieber Dani, ja – es war einfach traumhaft. Liebe Grüsse