Heute Morgen sind wir bei regnerischem Wetter auf unserem Stellplatz in Patreksfjörður aufgebrochen. Zunächst sind wir in Patreksfjörður zum Einkaufen gefahren. Direkt vor dem Supermarkt hat die Feuerwehr und die Ambulanz ihren Standplatz. Wenn ich das Ambulanzfahrzeug ansehen, bin ich froh, dass wir den Rettungsdienst Neeser mit moderneren Fahrzeugen haben.

Danach ging es dann Richtung Látrabjarg. Die Steilküste von Látrabjarg ist bekannt für die vielen Seevögel, die dort nisten, u.a. auch riesige Kolonien von Papageientaucher. Wir wussten, dass diese bereits aufs Meer geflogen waren – trotzdem fuhren wir dahin, weil uns schon im 2014 der Weg an das westlichste Ende begeistert hatte.

Auf dem Weg vielen uns immer wieder kleinere und grössere Auto- und Schiffsfriedhöfe auf. U.a. eine Firma, die  wohl Strassenbaumaschinen entsorgte, resp. einfach vor sich hinrosten liess.

Unser erster Stop galt dem Wrack des ältesten Stahlschiffs Island, die Garðar BA 64. Die Garðar BA 64 wurde 1912 in Norwegen erbaut wurde. Das Schiff war ursprünglich sowohl mit Segeln als auch mit Dampfmaschinen ausgerüstet und für den Walfang im Südatlantik bestimmt. 1936 verkaufte Norwegen die Globe IV – so der erste Name des Schiffes – an die Färöer Inseln, die es nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum an Island weiter verkauften. Dort wurde es in Siglunes SI 89 umgetauft und die Dampfmaschinen durch Dieselmotoren ersetzt. 1963 wechselte das Schiff seinen isländischen Eigentümer und erhielt schließlich den Namen Garðar. Im Dezember 1981 wurde das Fischereischiff ausgemustert. Doch anstatt es im Meer zu versenken, schleppte man es an die Küste des Tals Skápadalur im Patreksfjörður. Seitdem rostet das älteste Stahlschiff Islands vor sich hin.

Der nächste Halt war im Volks- und Luftfahrtmuseum Hnjótur. Die Sammlungen des Museums hat Egill Olafsson († 1999) zusammengetragen. Das Museum ist aussen ein kleineres Chaos von Schiffs- und Flugzeugwracks, resp. was Olafsson sonst noch finden konnte. 

Im Innern des Museums findet sich die Sammlung von Gegenständen des täglichen Lebens: Werkzeuge von Sattlern, Jägern, Fischern, Hausfrauen, Schreinern sowie eine alte Barke, die dem Grossvater des Museumsführers gehörte, zu dem er uns ganz viel erzählt hatte. Das Museum hat uns sehr begeistert. Vermutlich, weil es so liebevoll und doch irgendwo chaotisch zusammengestellt ist und uns das Feuer von Olafsson spüren lässt.

Auf der Weiterfahrt kamen wir durch den kleinen Ort Ásgarður. Er wäre uns nicht besonders aufgefallen, wären da nicht absolut „unpassende“ Verkehrsschilder gewesen wie: Vorsicht Kinder, Vorsicht Fussgänger, 30er Zone, eine Atrappe eines Radars, etc. Lustige Puppen und einfach ganz witzige oder auch schöne Häuser machten für uns dieser Ort zu etwas Speziellem.

 

Und dann ging es wirklich zu unserem Tagesziel – aber natürlich entstanden noch weitere Fotos auf der Wegstrecke.

Látrabjarg resp. das Kap von Bjargtangar ist der westlichste Punkt Europas und weniger als 300 km von Grönland entfernt und das Kap liegt wie Grönland geologisch und tektonisch betrachtet bereits auf der nordamerikanischen Kontinentalplatte, nicht auf der europäischen. In Bjargtangar steht auch ein (kleiner) Leuchtturm.

300 km bis Grönland – aber für Askja geht es hier nicht weiter

Die Steilküste ist sehr beeindruckend – sie ist sehr hoch, teilweise bis 450 m und mit imposanten Basaltfelsen.

Látrabjarg ist nebst Vogelparadies auch die Küste, die für viele Unglücke bekannt ist. Menschen stürzten beim Eiersammeln ab und Schiffe liefen auf den Felsenriffen auf und kenterten, ohne dass für die Steilwand Rettung kommen konnte. Das Unmögliche gelang jedoch 1947, als der britische Trawler Dhoon vor Látrabjarg Schiffbruch erlitt. In dramatischer Aktion wurden zwölf der fünfzehn Seeleute durch die Bauern aus dem Fjord mit Seilen über die Klippen gerettet. Als ein Jahr später (1948)  beim Museum Hnjótur ein Doku-Film gedreht wurde, kam gerade die Nachricht vom Schiffbruch eines weiteren britischen Trawlers, der „Sargon“ herein. Das Filmteam verlagerte sich nach Látrabjarg und filmte die dort verlaufende Rettungsaktion. So entstand ein Dokumentarfilm mit realen und gestellten Szenen.

Heute Abend fuhren wir in Melanes. Dieser Stellplatz liegt direkt am abgelegenen und wunderschönen Sandstrand Rauðisandur. Wir stehen auf einer grossen Wiese mit herrlichem Blick auf den Strand und die dahinterliegende Steilküste ist. Den heutigen Spaziergang im Sand – mit Mütze, Handschuhen und drei dicken Jacken ausgestattet – haben wir sehr genossen. 

Und hier noch die akutelle Kleidermode für den Sommer in Island 🙄.

10.09.2020: Zur Steilküste Látrabjarg – dem westlichsten Punkt Europas

4 Gedanken zu „10.09.2020: Zur Steilküste Látrabjarg – dem westlichsten Punkt Europas

  • September 11, 2020 um 7:40 a.m. Uhr
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    Sali zäme
    Vielen Dank für den tollen Reisebericht von diesem faszinierendem Land, das ihr in dieser speziellen Zeit mit wenigen Touristen geniessen könnt.
    Sind eigentlich diese abgelegenen kleinen Häuschen das ganze Jahr bewohnt oder nur im Sommer. Ich kann mir vorstellen, dass es dort im Winter ziemlich frisch wird.
    Wir wünschen euch eine gute Weiterreise, die wir aus eurem Blog weiter verfolgen werde.
    Claudia & Dani

    • September 11, 2020 um 4:59 p.m. Uhr
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      Hallo ihr Lieben, schön von Euch zu lesen. Ja; Island ist ein wunderbares Land mit ganz unterschiedlichen Landschaften. Eines haben alle gemeinsam; es ist eher kühl . Es gibt einige Häuser, die sind nur in den Sommermonaten (Juni – August) besetzt. Aber viele gehören zu einer Farm oder sind sonst das ganze Jahr besetzt. Aber kalt, trüb, windig und nass ist es. Deshalb sind die Dächer meist sehr bunt. Liebe Grüsse

  • September 11, 2020 um 3:30 p.m. Uhr
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    Hallo ehr zwei Höbsche ond den no im Partnerlook!! Das esch weder en wahnsinnige spannende velsietige Blog ond die zwei im Sommerlook wie gseht das us im Wenter aber gäl den sender weder dehei a de WÄRMI . Es esch einfach toll das ech emmer dörf debie sie ond das ohni Chape ond Händsche , wünsche en ganz e schöne Obig a de WÄRMI Koss Mams

    • September 11, 2020 um 5:01 p.m. Uhr
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      Hallo Mams, danke – im Wenter hesch eifach no meh dronder ah oder en juckende Isländerpuli . Danke dass im Sommertenü met eus fahrsch. Kuss

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