Nebst der gestrigen Besichtigung von Hellissandur haben wir uns die Halbinsel Snæfellsnes resp. die Höhepunkte angesehen. Der erste Stop war Gufuskálar, ehemals Loranstation der amerikanischen Armee (LORAN „Long Range Navigation“ ist ein Funknavigationssystem, das vorwiegend zur Navigation in der Seefahrt und in der Luftfahrt verwendet wird.) Der 420 m hohe Mast war zur Bauzeit (1963) das höchste Bauwerk in ganz Europa. Heute wird der Mast vom staatlichen Rundfunk für Langwellenausstrahlung genutzt.

Das war aber nicht der Grund unseres Besuches – wir wollten die halbverfallenen Schuppen in den Lavafelndern sehen, wo der Fisch zum Trocknen hingehängt wurde. Es sollen rund 150 – 200 dieser Schuppen gegeben haben. Gufuskálar war vom 15.- 20. Jahrhundert eine wichtige Fischstation für den Export von Stockfisch von Island nach England und den hanseatischen Städten.

Danach ging zur Bucht Skardsvík. Im Gegensatz zu den vielen schwarzen Stränden aus Lava-Sand schimmert dieser Strand in schönen Gelb- und Rosatönen. Mit den schroffen schwarzen Felswänden, Lavabrocken und rundgespülten Steinen ein toller Kontrast. Als wir da waren, hat ein junger Mann „cool“ auf einem Badetuch posiert. Seine Schwester stand dick vermummt daneben. Um dem ganzen einen noch machomässigeren Auftritt zu geben, rannte der junge Herr zielsicher in die Fluten. Nachdem er bis zu den Waden im Wasser stand, hat er zum Rückzug geblasen und bei seiner Mutter hektisch nach Badetuch und Pulli verlangt. Also – wir hätten noch nicht mal unsere Jacken ausgezogen 😂, so kalt war es (abgesehen von all den Warnungen, dass hier aufgrund der Wellen und Strömung nicht gebadet werden darf).

Weiter ging’s nach Skálasnagaviti-Saxholsbjarg zum leuchtend orangenen Leuchtturm Skálasnagaviti mit dem schönen Felsentor – früher im Jahr nisten hier auch viele Vögel.

Und – keine Zeit verlieren, der nächste Stop war der Saxhóll Krater. Über eine Treppe von rund 1.1 km gelangt man einfach auf die Spitze und kann einen Blick in den nicht mehr aktiven Vulkan werfen. Nichtsdestotrotz war es lohnen (und etwas anstrengend).

Nach einer ersten leichten Fitness-Übung ging es weiter nach zum Krater Hólahólar ab. Auf einer knapp 1 km langen Piste konnten wir direkt in den Ringwallkrater Berudalur hineinfahren. Natürlich sind wir noch auf den Kraterrand gelaufen, um eine noch bessere Aussicht zu haben (auch wenn das Wetter nicht optimal war).

Unser nächster Halt und auch Kurzwanderung war in Djúpalónssandur. Der dunkle Strand ist durch einen Vulkanausbruch entstanden, dessen Lava bis fast zum Meer floss. Allein der Weg zum Strand ist märchenhaft. Skurril geformte Fels- und Lavagesteine und kleiner glattgeschliffener schwarzer Kiesel machen diesen Strand zu einem besonderen Erlebnis. Man nennt diese Kiesel auch „Perlen von Djúpalón“.

Im Jahre 1948 strandete der Englischen Trawler „Epine“ an der Küste. von den 19 Besatzungsmitgliedern überlebten nur deren 5. Wenn man die starke Brandung sieht, versteht man die Tragik des Unglücks. Noch heute sind hier rostige Teile des Wracks auf dem Strand zu finden.

Am Strand liegen sogenannte Kraftprobesteine mit den sinnigen Namen: Schwächling (23 kg), Brauchbarer (54 kg), Halbstarker (100 kg) und Ganzstarker (154 kg). Wer auf einem Schiff angeheuert werden wollte, musste den „Halbstarken“ Stein (100 kg) mind. bis auf Hüfthöhe anheben können.

Wir sind danach einen kurzen Wanderweg zur Bucht von Dritvik gelaufen. Das Dorf Dritvik war ab Mitte des 16. – 19. Jh. eine wichtige Station für den Fischfang. Mehr als 60 Schiffe starteten von dort aus zu ihren Fahrten. Damals lebten hier bis zu 400 Menschen, die Ruinen der früheren Gebäude kann man noch sehen. Der Weg selber war schon ein Erlebnis.

Auf dem Rückweg entdeckten wir ein Labyrinth aus dem 16. Jh., von rund 8.5 m Durchmessern. Es wurde mit ca. 30 m hohen Lavabrocken gefertigt. Es wird davon ausgegangen, dass es von deutschen Seefahrern zum Zeitvertreib gebaut und genutzt wurde.

Am Ausgangspunkt angekommen fuhren wir ganz an die Südspitze der Halbinsel Snæfellsnes zum Leuchtturm Malarrif.


Gleich daneben sind zwei Felsnadeln namens Lóndrangar. Sie bestehen aus Basalt und sind das Ergebnis eines Erosionsprozesses. Die Höhe der beiden Erhebungen beträgt 75 und 61 Meter. Ursprünglich waren sie Teil eines Kraters, dessen weicheren Bestandteile durch die Erosion im Laufe der Zeit abgetragen wurden. Zur entsprechenden Jahreszeit (Mai – Juli) nisten viele verschiedene Vogelarten. In die Formen dieser beiden Haarnadeln lässt sich viel hineininterpretieren, vom Wikinger-Schiff bis zum See-Ungeheuer.

Dies war der letzte Halt des gestrigen Tages. Wir gingen gemäss Wetter-App davon aus, dass heute strahlender Sonnenschein für die Besichtigung des Snæfellsjökull sei. Na ja – wenn man in Island Dauerregen um Mitternacht bis kurz vor 11.00 Uhr so bezeichnet, dann war es sehr beständig. Aber egal – gegen 11.00 Uhr hat es nicht mehr geregnet – aber mehr auch nicht.
Wir haben uns entschieden, die Snæfellsjökull F575 (eine 4×4-Strecke) bis zum Gletscher auf dem Vulkan Snæfells zu fahren – wohl eine der letzten 4×4 Strecken auf unserer Reise. Aber die Strecke hat schon mit schönen Lava-Stein-Formationen begonnen.


Als erstes wollten wir uns den Klukkufoss, der rund 40 m hoch ist, angesehen. Hierfür mussten wir erst einmal gut 1.5 km hochkraxeln.

Der Snæfellsjökull (isl. für „Schneeberggletscher“) ist ein 1’446 Meter hoher Stratovulkan mit Gletscherkappe. Es gab einige Geschichten aus dem Mittelalter um mutige Männer, die den Berg bestiegen hätten. Unter ihnen befindet sich auch Bárður Snæfellsás, von dem wir heute noch eine Skulptur sehen werden. Der Snæfellsjökull gilt als einer der berühmtesten Berge der Insel. Dies hat er nicht zuletzt dem französischen Autor Jules Verne zu verdanken, der in seinem Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ den Einstieg in die Unterwelt im Krater des Snæfellsjökull anlegt. Auch werden dem Berg grosse Kraftfelder zugesprochen und es wird auch behauptet, dass dort immer wieder Ufos landen. Wir haben heute aber nichts dergleichen gesehen oder erlebt.
Bei der Hochfahrt hat sich der Snæfellsjökull immer nur in Wolken gezeigt, mal mehr, mal weniger. Am Abend allerdings auf der Rückfahrt haben wir den Snæfellsjökull in voller Pracht gesehen.

Danach sind wir nich Arnarstapi gefahren, wo es u.a. ein Jules Vernes Monument hat, das aber weniger beeindruckend ist.


Was uns nach Arnarstapi führte war die Wanderung entlang der Küste von Stapi nach Hellna. Diese hat uns absolut begeistert und die gut 8 km schmolzen unter unseren Füssen schnell dahin.

Unterwegs haben wir auch die Statue eines der angeblich Erstbesteiger des Snæfellsjökull gesehen: Bárður Snæfellsás.

Der Abschluss des heutigen Tages war beim wohl meistfotografierten Berg Islands, dem Kirkjufell (isl. Kirchberg) – häufig wird er zusammen mit dem Wasserfall Kirkjufellsfoss fotografiert.
