Heute haben wir uns Marrakesch und einige der Sehenswürdigkeiten angesehen. Wir wollten nicht mit unserem Gefährt in die Stadt fahren, sondern haben beschlossen, einen Wagen mit Fahrer zu buchen. Für 200 DH (= CHF 20.00) pro Weg wurden wir um 11.00 Uhr in die Altstadt (Medina) gefahren und hätten um 20.30 Uhr wieder abgeholt werden sollen. Da es aber am Abend um 20.15 Uhr so zu regnen begonnen hattte, war absolutes Chaos auf der Strasse und unser Fahrer Abdelmoula – oder weil wir den Namen nicht merken konnten, Abdou genannt – kam dann erst um 20.50 Uhr. So standen wir zwei triefend und etwas verfroren am vereinbarten Ort bei der Moschee Kutubiya.
Und hier fing auch unser Tag an: Die Kutubiya-Moschee ist die grösste und eine der ältesten Moscheen Marokkos; sie stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das Minarett ist 77 m hoch und in Marakkesch von überall her sichtbar. Ideal, um den Weg in der Nacht zurückzufinden.

Von da aus sind wir auf den „Djamâa el-Fna-Platz“ gelaufen, zu Deutsch „Platz der Geköpften“, weil die Sultane ihnen unlieb gewordene Untertane köpfen und ihre Häupter aufhängen liessen, bis alle Haare ausgefallen waren. Im April 2011 gab es hier eine Explosion zu der es zwei Versionen zur Ursache gibt: die eine sagt, es wäre eine Gasexplosion gewesen, die andere spricht von einem terroristischen Anschlag.



Der Platz hat viele Gaukler, Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer, Henna-Tatoo-Maler (oder wie man diese nennen darf), Musiker und „Wasserverkäufer“ in ihren roten Kostümen. Diese haben den Leuten früher Wasser verkauft, das sie in Ziegenbeuteln transportiert haben. Heute sind sie nur noch Foto-Objekte und wollen immer und jederzeit fotografiert werden, natürlich nur gegen Geld.



Besonders mühsam waren die Schlangenbeschwörer: wir wollten einen sehen mit einer Cobra, plötzlich war ein anderer zusätzlich da, der wollte uns partoût eine Buffotter (andere Giftschlange) um die Schulter legen. Zig mal haben wir ihm gesagt, dass wir das nicht wollen. Als es dann ums Geld zahlen ging für den Schlangenbeschwörer mit der Cobra, stand der andere mit seiner Buffotter schon wieder daneben und wollte Geld. Da wurden wir leicht aggressiv. Er hat zwar gewettert – aber wir waren schon weiter weg und hörten nur noch seine sicher nicht liebevoll gemeinten Worte.


Fast gleich war es mit den Herren und ihren Affen an der Kette. Die Affen waren total apathisch aber hätten den Touristen gewollt oder ungewollt für ein Foto auf die Schulter sitzen müssen.
Henna-Tatoos wurden auch überall angeboten. Es liefen viele Frauen herum, die in Spritzen Henna hatten. Davor wird besonders gewarnt, da diese einem in ein Gespräch verwickeln und wutsch hast Du Henna auf der Hand und schon wollen sie Geld. Fast wäre ich am Abend auf so eine Dame reingefallen – aber Norbert hat resolut eingegriffen (Retter in der Henna-Not 😉).
Es gibt auf dem Platz auch sehr viele Saft-Stände. Diese haben tolle Auslagen mit allen Arten von Früchten: Mangos, Bananen, Orangen, Äpfel, Zitronen, Granatäpfel, Melone und vieles mehr. Sie pressen ganz frischen Obstsaft. Diese sind sehr freundlich und witzig. Es gibt sicher 20 von ihnen und alle werben um die Gunst von Kunden. Alle sind nummeriert und natürlich hat jeder gesagt, dass wir unbedingt seine merken müssen, wenn wir einen Saft möchten – er hätte die Besten!

Vom Platz aus führen unzählige Abzweigungen in die vielen Souks und deren unterschiedlichen Bereiche: es gibt die Leder- und Ledergeber-Viertel, die Wolle- und Wollfärber-Bereiche, Schreiner, Kupferschmiede, Lampen-, Babouche-Hersteller (traditionelle Pantoffeln in allen Farben – heuer muss Pink sehr im Trend liegen), Gemüsestände, Gewürz- und Heilmittelläden, Holzschnitzer, etc. Und überall wird man reingebeten. Wir haben uns schon gefragt, wie diese hunderte von Läden überhaupt überleben können. Es gibt sicher Unmassen an Touristen – aber auch diese kaufen nicht alles.








Kein Kommentar 🤓.

Und wenn wir immer geglaubt haben, jetzt hat es in der Gasse keine Handbreit mehr Platz, kam noch ein weiteres Moped dazu.

Was wir immer wieder festgestellt haben auf der Reise ist, dass sich die Leute nicht fotografieren lassen wollen, manchmal sehr hasserfüllt und feindlich reagieren – gestern war es wieder besonders auffällig. Das haben wir noch nie so erlebt – und immer wird es mit dem Glauben begründet, dass Allah das nicht will. Mag sein und können wir auch respektieren, nur – der fanatische Blick ist schon sehr befremdend. Es gibt eigentlich vier Arten von Verhalten bei Fotos – auch wenn wir vorher fragen: a) klares und deutliches nein mit Händen und Füssen, b) hasserfüllter Blick oder Geschimpfe, ehe man überhaupt eine Kamera dabei hat c) solche, die sagen, man dürfe sie fotografieren und auch gleich den Preis dafür nennen und d) diese, die einfach schnell ins Bild hüpfen, Geld dafür wollen und dann toben, wenn sie keines erhalten. Manchmal vergeht Norbert die Lust am Fotografieren – und das will doch schon was heissen.
Zunächsten haben wir den nördlichen Teil der Altstadt genauer angesehen und sind durch die vielen Gassen geschlendert. Überall dort, wo man die Touristen nicht will, hiess es „Fermé“ (geschlossen) oder es wurde gesagt, dass der Platz der Geköpften wo anders wäre. Schon die kleinen Kinder können diese Formulierung 🙄.
Wir wollten eine der grössten und ältesten Koranschule des Maghreb (Tunesien, Algerien, Marokko und Westsahara, Libyen und Mauretanien) besichtigen, in der bis 1960 gelehrt wurde, die „Medersa Ben Youssef“. Leider bleibt diese während der nächsten zwei Jahre aufgrund grosser Renovierungsarbeiten geschlossen. Also – leider kein Besuch möglich – Reiseführer genau lesen. Ehe wir Richtung südliche Medina (Altstadt) gezogen sind, haben wir noch einen Pfefferminztee im Musemumsgarten des Marakkesch-Museum getrunken.
Wir sind anschliessend in den südlichen Teil gelaufen und haben zuerst die „Saadier-Gräber“ und dann den „Palais el Badi“ (Palast der unnvergesslichen) besichtigt. Interessant sind die angeschriebenen Preise: Preise für Maokkaner sind siebenfach günstiger als die für andere Touristen 😉.

Die Saadier-Gräber beherbergen die Gräber von sieben Sultanen und 62 Mitgliedern ihrer Familien sowie über 100 weitere Gräber, die sich auf zwei Mausoleen und einen mit Dattelpalmen begrünten Hof verteilen. Sie ist vollständig von schmucklosen Stampflehm-Mauern umschlossen. Der Höhepunkt ist der Saal der zwölf Säulen aus Carrera-Marmor – er ist prachtvoll und aufwändig gestaltet.

Der El-Badi-Palast wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut und mit ganz viel Marmor aus Italien ausgeschmückt. Heute ist dies nur noch auf Bildern und Info-Tafeln zu sehen, da der grösste Teil zerstört wurde. Besonders sehenswert ist Minbar (brauchte etwa drei Mal zu lesen – bis ich Minbar und nicht Minibar gelesen habe). Die Minbar ist die Gebetskanzel, die früher in der Kutubiya-Moschee. Sie ist eine fantastische Holzarbeit mit prachtvollen Intarsien. In Auftrag gegeben und gefertigt wurde die Minbar in Cordoba, Spanien im 12. Jahrhundert. Fotos waren aber leider nicht erlaubt.

Nun war es an der Zeit, wieder auf den Djamâa el-Fna-Platz zu laufen, denn dort werden nach Sonnenuntergang unzählige Garbuden aufgebaut, wo Suppen, Schnecken, Tajinen, Spiesse, Schafsköpfe und vieles Mehr zum Essen angeboten wird.


Auch alle Stände sind wieder nummeriert, damit man sich erinnern kann, wo später gegessen werden soll. Die jungen Herren, die einen versuchen zu überzeugen, dass ihr Restaurant das beste ist, sind sehr „sprachgewandt“. Sobald sie hören, in welcher Sprache man sich unterhält, kommen die Verkaufsargumente in der richtigen Sprache. Und siehe da – sie sind voll im Trend. Alles ist Bio, alles ist regional – und natürlich hat der Konkurrent neben dran nur halb so gutes Essen. Ausserdem geben sie an diesem Stand vier Wochen Garantie gegen Magenverstimmung. Man solle zurückkommen – und sich auf jeden Fall an ihren Stand erinnern. Es ist schwierig zu entscheiden, welcher nun der Beste ist – wir haben einfach unsere Magen die Wahl treffen lassen.

Begonnen haben wir mit einer guten Suppe mit Kichererbsen, Nüdeli, Tomate und etwas Couscous für 3 DH = 30 Rappen pro Suppe. Dann konnte ich dem dargebotenen Versuecherli eines Schneckenverkäufers nicht widerstehen. Also haben wir je 20 Schnecken für weitere 10 DH = 1 Franken gegessen. Und später gab es dann noch für Norbert eine Tajine mit Hackfleisch und Gemüse, für mich leckere gemischte Spiesse. Zusammen mit zwei Colas, Oliven als Nebenher und Pommes kam es pro Person auf 70 DH = 7 Franken. Es hätte noch einen Minz-Tee gegeben, aber nachdem wir immer übel wird nach den Tees, da sie zu viel Grün- oder Schwarztee drin haben, verzichteten wir darauf (habe mir auch den Tee im Museumsgarten nochmals durch den Kopf gehen lassen 🤑, wie der letzte in Efroud) .






Der Abschluss unseres tollen Tages haben wir im „Café des Jardins“ gemacht. Dieses hat eine gigantische Dachterrasse mit Blick über den ganzen Platz. Dort haben wir bei einem feinen Kaffee dem bunten Treiben fasziniert zugesehen. Hätte es nicht zu regnen begonnen und hätten wir nicht auf 20.30 Uhr unseren Fahrer bestellt gehabt, wären wir wohl immer noch dort.


Gegen 20.25 Uhr waren wir am vereinbarten Abholort angelangt- es hat geregnet und es würde empfindlich kühl. Aber kein Chauffeur weit und breit – aber die Strassen waren auch verstopft. Und das Ende der Story haben wir am Anfang geschrieben. Um 20.50 Uhr kam dann unser Fahrer Abdo und hat uns um 22.00 Uhr auf dem Camping-Platz abgeladen.
Aufgrund der vielen Fotos (über 700) haben wir den Bericht und die Fotoauswahl auf heute verschoben – UND verschonen Euch von einem weiteren Bericht heute Abend 😉.
Und nun mache ich mich daran, Askja von Staub, Sand und Schmutz der letzten Wochen zu befreien (fast eine kleine Ausgrabungsarbeit), damit wir morgen wieder „putzt und g’strählt“ weiterfahren und neues Erkunden können.
Hier noch eine Galerie mit den Bildern vom Tag:

























































































Wow, der Bericht und die Fotos sind ja wieder so spannend, überwältigend ,es ist einfach super was ihr miteinander erlebt und wir teilhaben dürfen, macht weiter so . Viele liebe Grüsse und Küssli Mams
Liebe Mams, danke – diese Kommentare spornen weiter an. Kusssss
Wow die Lampen! Und die pinken Finken!
Ob es der Tee war oder die 20!!! Schnecken undundund? Egal! nicht schön!
Das mit den Fotos verstehe nicht echt nicht. Die sollten das doch auch gewohnt sein mit so vielen Touristen. Das Aufdringliche hasse ich! Ist auch in Ägypten so!!
Das wird euch in Asien nicht mehr passieren! Gute Aussichten!
Schon wieder Autowaschen? Das war doch gestern? Hauptsache sauber! Hihihi
Nach den vielen Erlebnissen und Fotos sortueren, puuhhhh,wünsche ich gute Erholung und später gute Nacht!
Hallo Nati, ja – es ist super und es war fein. Autowaschen innen – auch da muss man mal Haushalt machen ;-). Vorgestern aussen, gesstern innen. Sie strahlt wieder. Liebe Grüsse.
Liebe Claudia, lieber Norbert,
Ein grosses Dankeschön an euch beide: Eure Berichte sind toll zu lesen und die Bilder sind immer wieder aufs Neue atemberaubend! Wir wünschen euch eine gute Weiterreise und viele weitere spannende Erlebnisse. Wir freuen uns schon, wenn ihr wieder zurück seid und „live“ berichten könnt. Liebe Grüsse
Beat und Michi
PS: Grüsse und Streicheleinheiten natürlich auch an ASKJA 🙂
Hallo Ihr Lieben. Danke für Euren Kommentar, der uns sehr freut. Und Askja hat auch die Steicheleinheiten genossen. Sie lässt auch herzlich grüssen und freut sich. bei Euch vorbeizuschauen .
Wir freuen uns auch, Euch wieder zu sehen. Herzliche Grüsse auch an Esther und Stefi.
Übrigens…. ist in den PET Flaschen Benzin? Oder wirklich ein Getränk?
… welche jetzt: es gibt solche, die haben Benzin drin, stehen aber meist am Strassenrand, andere haben Öl zum Kochen drin. Getränke selten.